Catania

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Catania (Begriffsklärung) aufgeführt.
Catania
Wappen
Catania (Italien)
Catania
Staat: Italien
Region: Sizilien
Provinz: Catania (CT)
Lokale Bezeichnung: Catania
Koordinaten: 37° 30′ N, 15° 5′ O37.502515.0872222222227Koordinaten: 37° 30′ 9″ N, 15° 5′ 14″ O
Höhe: m s.l.m.
Fläche: 180 km²
Einwohner: 315.576 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.753 Einw./km²
Stadtviertel San Giovanni Galermo
Postleitzahl: 95100
Vorwahl: 095
ISTAT-Nummer: 087015
Volksbezeichnung: Catanesi
Schutzpatron: Sant’Agata (5. Februar)
Website: Catania
Blick auf Catania mit Hafen

Catania ist mit 315.576 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) nach Palermo die zweitgrößte Stadt der italienischen Region Sizilien und die Hauptstadt der Provinz Catania.

Catania ist eine der spätbarocken Städte des Val di Noto, die von der Unesco zum UNESCO-Welterbe erklärt worden sind.

Geografie[Bearbeiten]

Catania liegt an der Ostküste Siziliens am Fuße des etwa 30 km entfernten Ätna, des größten und aktivsten Vulkans in Europa.

In der Agglomeration Catania, die sich nördlich der Stadt bis zum Fuß des Ätna ausdehnt, leben über 650.000 Menschen. Zu der Agglomeration zählen neben Catania die Gemeinden (nach ihrer Größe) Acireale, Misterbianco, Paternò, Gravina di Catania, Aci Catena, Mascalucia, Belpasso, Tremestieri Etneo, San Giovanni la Punta, Aci Castello, Aci Sant’Antonio, Pedara, San Gregorio di Catania, Motta Sant’Anastasia, Sant’Agata li Battiati, Trecastagni, Valverde, Viagrande, Nicolosi, San Pietro Clarenza, Camporotondo Etneo und Aci Bonaccorsi.

Die unmittelbaren Nachbargemeinden Catanias sind Belpasso, Carlentini, Gravina di Catania, Lentini, Mascalucia, Misterbianco, Motta Sant’Anastasia, San Gregorio di Catania, San Pietro Clarenza, Sant’Agata li Battiati und Tremestieri Etneo.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Verwaltungsbezirke Catanias
Historische Karte von 1905

Catania ist seit 1995 in zehn Verwaltungsbezirke (Municipalità) gegliedert[2] (davor galten die älteren Gliederungen von 1971 und 1978):

  • I. Centro
  • II. Ognina - Picanello
  • III. Borgo - Sanzio
  • IV. Barriera - Canalicchio
  • V. San Giovanni Galermo
  • VI. Trappeto - Cibali
  • VII. Monte Po - Nesima
  • VIII. San Leone - Rapisardi
  • IX. San Giorgio - Librino
  • X. San Giuseppe La Rena - Zia Lisa

Klima[Bearbeiten]

Das Klima von Catania ist mediterran bis subtropisch, mit heißen Sommern und milden Wintern. Der meiste Regen fällt zwischen Oktober und April. Catania gehört zu den Orten mit den meisten Sonnenstunden im Jahr in Europa. Die Temperaturen können im Winter bei Sonnenschein tagsüber auf frühlingshafte Werte steigen und durch den klaren Himmel nachts bis zum Gefrierpunkt sinken.

Geschichte[Bearbeiten]

Catania wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern aus Naxos gegründet. Im 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Stadt unter römischer Vorherrschaft zum wichtigsten Handelsstützpunkt des damaligen Siziliens. Der Hafen ermöglichte regen Handel im gesamten Mittelmeerraum. Einen weiteren Aufschwung erfuhr die Stadt durch die Araber, die die fruchtbaren Böden in der Umgebung für den Anbau von Zitrusfrüchten nutzten. Catania wurde damit zu einem der wichtigsten Zentren der Landwirtschaft. Catania wurde laut Ibn al-Athir 884 von den Muslimen zerstört und alles in seiner Nähe vernichtet.

Im Jahr 1669 wurden Teile der Stadt nach einem Vulkanausbruch des Ätna unter Lavaströmen begraben. Ein schweres Erdbeben im Jahr 1693 zerstörte Catania fast vollständig. In den folgenden Jahrzehnten wurde es im barocken Baustil, der noch heute das Stadtbild prägt, wieder aufgebaut. Da viele Gebäude aus Lavagestein bestehen, bezeichnet man die Stadt auch als die Schwarze Tochter des Ätna. Große wirtschaftliche Bedeutung erreichte Catania erst wieder im 19. Jahrhundert, als es Provinzhauptstadt wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Catania ist die bedeutendste Wirtschaftsregion Siziliens. In und um Catania sind Unternehmen der Halbleiter-Industrie und der IT-Branche angesiedelt. Größter industrieller Arbeitgeber ist der Elektronik-Konzern STMicroelectronics mit rund 4600 Mitarbeitern.

Weitere wichtige Wirtschaftszweige sind die Kunststoffindustrie, die Lebensmittelindustrie, die Landwirtschaft und der Tourismus.

Verkehr[Bearbeiten]

Catanias Flughafen Fontanarossa ist gemessen am Verkehrsaufkommen der fünftgrößte Italiens. Die Stadt hat direkte Zufahrt zu den Autobahnen A18/E45 und die A19/E932 und ist an das Netz der Ferrovie dello Stato angeschlossen (Bahnstrecken Messina–Syrakus und Catania–Agrigent). Die Entfernungen betragen nach Messina knapp 100 Kilometer, nach Syrakus knapp 60 Kilometer und nach Palermo etwa 250 Kilometer. Die Ferrovia Circumetnea betreibt neben einer Schmalspurbahn rund um den Ätna auch die Metropolitana di Catania.

Siegel der Universität

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten]

Die Università degli Studi di Catania wurde im Jahr 1434 von Alfons von Aragon gegründet und ist damit die älteste Universität auf Sizilien.

International bekannt ist auch die Sternwarte Osservatorio Astrofisico di Catania.

Die staatliche Kunstschule Istituto Statale d'Arte di Catania bietet die Studiengänge Bildhauerei und Malerei an.

Stadtbild und Bauwerke[Bearbeiten]

Die Altstadt steht seit 2002 zusammen mit acht anderen barocken Städten im Val di Noto auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Nach der fast völligen Zerstörung durch den Vulkanausbruch 1669 und das Erdbeben 1693 wurde Catania vorwiegend im Stil des römischen Barock unter der Federführung des Baumeisters Giovanni Battista Vaccarini wieder aufgebaut.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen viele Bauwerke und Denkmäler dieser Epoche.

Kirchen[Bearbeiten]

  • Die Kathedrale von Catania ist der Heiligen Agatha, der Schutzpatronin der Stadt, geweiht. Die ursprüngliche Kirche wurde Ende des 11. Jahrhunderts als normannische Wehrkirche erbaut. Heute ist von diesem Bau wenig erhalten. Nach dem verheerenden Erdbeben wurde von Vaccarini eine neue Barockfassade geschaffen. In der Kathedrale befindet sich die Grabstätte des in Catania geborenen Komponisten Vincenzo Bellini.
  • Die Badia di Sant’ Agata, eine ehemalige Abtei mit einer Barockkirche, wurde ebenfalls unter der Leitung von Vaccarini wieder aufgebaut.
  • Die Kirche des San Benedetto in der Via dei Crociferi, der schönsten Barockstraße Catanias, ist ein Beispiel für den Barocco Siciliano. Sie ist mit Fresken von Giovanni Tuccari aus Messina ausgeschmückt.
  • Das ehemalige Benediktinerkloster San Nicola beherbergt heute die Universität Catania. Zum Kloster gehört die Kirche San Nicolò. Nach 1693 wurde mehrmals mit dem Wiederaufbau begonnen. Er wurde jedoch aus finanziellen Gründen nie vollendet, die Fassade des Barockbaus ist deshalb unvollständig.
  • Die Collegiata im Stil des sizilianischen Barock war ursprünglich die königliche Palastkapelle. Die Fassade stammt von Stefano Ittar.

Palazzi[Bearbeiten]

  • Der Palazzo Biscari ist der bedeutendste Palazzo von Catania. Er wurde im Auftrag der Familie Paternò Castello principi di Biscari gebaut. Das Innere des Palastes zeigt Stilelemente des Rokoko.
  • Der Palazzo degli Elefanti, an der Piazza del Duomo gelegen, beherbergt heute das Rathaus von Catania.
  • Der Palazzo Valle wurde von Vaccarini zwischen von 1740 und 1750 erbaut.
  • Der Palazzo di Giustizia, der Justizpalast, entstand zwischen 1937 und 1953 unter der Leitung des Architekten Francesco Fichera. Die Fassade ist im Spätbarock gehalten. Im Eingangsbereich befindet sich eine Bronzestatue der Justitia, ein Werk von M. M. Lazzaro.
  • Der Palazzo Reburdone ist ein Spätwerk Vaccarinis und wurde für die Familie Guttadauro di Reburdone erbaut. Der Adelspalast wird dem catanesischen Spätbarock zugeordnet.
  • Der Palazzo del Toscano, 1870 von dem Architekten Enrico Alvino erbaut, diente als Stadtresidenz für die Adelsfamilie der Paternò marchesi del Toscano.

Sonstiges[Bearbeiten]

Elefantenbrunnen – Wahrzeichen von Catania
  • Vor der Kathedrale auf der Piazza del Duomo steht der von Giovanni Battista Vaccarini errichtete Elefantenbrunnen, das Wahrzeichen Catanias. Der Elefant aus schwarzem Lavagestein trägt einen antiken ägyptischen Obelisken aus hellem Granit. Der Obelisk war vermutlich in römischer Zeit als Zielsäule im Amphitheater aufgestellt, die Hieroglyphen beziehen sich auf die Göttin Isis.
  • Das Amphitheater, aus Marmor und Lavagestein erbaut, war in der Antike mit 7000 Sitzplätzen eines der größten auf Sizilien. Heute ist es teilweise von barocken Gebäuden überbaut.
  • Sehenswert sind das Geburtshaus des Schriftstellers Giovanni Verga und das Geburtshaus des Komponisten Vincenzo Bellini. In beiden wurden Museen eingerichtet.
  • Die Casa Museo Giovanni Verga ist ein Literaturmuseum im Geburtshaus Giovanni Vergas, der als Novellist und Verfasser von Kurzgeschichten zu den bedeutendsten Vertretern des italienischen Naturalismus gehört.
  • Die Via Etnea, Hauptstraße Catanias mit vielen Geschäften und Plätzen, ist etwa drei Kilometer lang und verläuft schnurgerade von der Piazza del Duomo in Richtung Ätna.
  • Das Castello Ursino, um 1240 auf Anweisung des Staufer-Kaisers Friedrichs II. errichtet, war im 14. Jahrhundert Residenz der aragonischen Könige. Vermutlich zur Zeit der Spanier-Herrschaft im 16. Jahrhundert wurde das oberste Geschoss abgetragen und der heutige Bauzustand hergestellt. Derzeit beherbergt es das Museo Civico, das unter anderem über eine Sammlung griechischer Skulpturen verfügt.
  • An der Porta Judice llo gelangt man zu dem noch erhaltenen jüdischen Friedhof der Giudecca und den jüdischen Bädern.

Kultur[Bearbeiten]

Teatro Massimo Bellini

Kulturell kann Catania nicht nur auf seine barocke Baukunst zurückschauen. Die Opernkomponisten Vincenzo Bellini und Giovanni Pacini gehören ebenso zu den Söhnen der Stadt wie der Schriftsteller Giovanni Verga. Bellini, dem wohl bekanntesten Catanesen, sind das Teatro Massimo Bellini, die kunstvoll angelegte Parkanlage Villa Bellini im Zentrum der Stadt, der Flughafen und ein Nudelgericht namens Pasta alla Norma gewidmet.

Vom 3. bis zum 5. Februar findet in Catania eines der größten Feste Siziliens statt, das jährlich über 200.000 Menschen anzieht. Dieses Fest findet zu Ehren der Heiligen Agatha statt. Am ersten Tag werden riesige Kerzen auf den Schultern Dutzender Freiwilliger durch die Straßen Catanias getragen. In den folgenden Tagen werden eine Reliquienstatue sowie einige silberne Sänften durch die Straßen gezogen. Am letzten Tag wird die Statute wieder in den Dom getragen und verbleibt dort gut geschützt bis zum nächsten Jahr.

Sport[Bearbeiten]

Stadion von Catania Calcio

Die beliebteste Sportart der Stadt ist Fußball. Der Verein Catania Calcio wurde im Jahre 1946 gegründet, stieg in den letzten Jahren von der Serie C2 auf und spielt seit der Saison 2006/07 in der Serie A. Das Stadio Angelo Massimino fasst 21.000 Plätze. Am 2. Februar 2007 kam es nach dem Derby gegen Palermo (1:2) zu handgreiflichen Randalen zwischen Hooligans und der Polizei, wobei ein Polizist ums Leben kam. Weitere Spiele der Serie A wurden daraufhin auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Im Wasserball sind die Damen des Clubs Orizzonte Geymonat Catania mit 14 italienischen Meisterschaften und 6 Landesmeisterpokalen sehr erfolgreich. Italienische Meistertitel erreichten auch die Herren im Volleyball durch Paoletti Catania, im Hockey durch Cus Catania Catania und die Frauen im Volleyball durch Torre Tabita Catania, im Fußball durch Jolly Componibili Catania.

Die Rugby-Union-Mannschaft Amatori Catania ist in der höchsten italienischen Liga Super 10 vertreten.

Catania war dreimal Zielort einer Etappe des Giro d’Italia: 1989 (1. Etappe), 1999 (2. Etappe), 2003 (5. Etappe).

Partnerstädte[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Catania aufgeführt.

Filme[Bearbeiten]

  • An Siziliens Zyklopenküste. Von Taormina nach Catania. Dokumentation, 45 Min. ein Film von Brigitte Ashoff, Produktion: SR, Sendung: 6. Juni 2007, Inhaltsangabe des hr

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilaria Di Pietra: Catania. Viaggi e viaggiatori nella città del vulcano, Giuseppe Maimone Editore, Catania 2007.
  • Antonino Recupero: Catania. Città del mediterraneo, (Fotografia di Alfio Garozzo. Prefazione di Andrea Camilleri), Giuseppe Maimone Editore, Catania 2007, ISBN 978-88-7751-273-4.
  •  Brigit Carnabuci: Sizilien. Griechische Tempel, römische Villen, normannische Dome und barocke Städte im Zentrum des Mittelmeeres (= DuMont Kunst-Reiseführer). 6., aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-4385-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Catania – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Offizielle Website der Comune di Catania.