Zentrum für Regenerative Therapien Dresden

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Das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden bzw. Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD), ist ein DFG-Forschungszentrum mit Sitz in Dresden. Es zählt zu den wissenschaftlichen Einrichtungen der Technischen Universität Dresden. Das CRTD widmet sich der Erforschung der menschlichen Selbstheilungsprozesse und der Entwicklung regenerativer Therapien für bisher unheilbare Krankheiten. In der ersten und dritten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes wurde das CRTD als Exzellenzcluster der TU Dresden bewilligt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das CRTD wurde 2005 als „erste[s] Forschungszentrum der DFG im Bereich der Stammzellenforschung“ bewilligt[1] und am 1. Januar 2006[2] als DFG-Forschungszentrum in Dresden eingerichtet. Es wurde an der TU Dresden angesiedelt, die sich im Wettbewerb um das Forschungszentrum gegen zehn Mitbewerber durchgesetzt hatte.[3] Das CRTD gehört zu den sechs DFG-Forschungszentren Deutschlands und ist das einzige DFG-Forschungszentrum in den Neuen Bundesländern. Die Förderungsdauer der DFG läuft von 2006 bis 2017[4]; die Förderungshöhe beträgt im Gesamtzeitraum rund 60 Millionen Euro.[5] Am 13. Oktober 2006 erhielt das CRTD im Rahmen der ersten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes für ihr Forschungsvorhaben From cells to tissues to therapies: Engineering the cellular basis of regeneration die Bewilligung als Exzellenzcluster der TU Dresden. In der dritten Runde der Exzellenzinitiative wurde das CRTD 2012 als Exzellenzcluster bestätigt.

Leiter des CRTD ist Michael Brand, seit 2003 Professor für Entwicklungsgenetik der TU Dresden. Mit Gerd Kempermann, Ezio Bonifacio und Elly Tanaka wurden 2007 weitere drei Professoren an das CRTD berufen.[6] Im Jahr 2008 folgte Carsten Werner; 2009 erhielt Martin Bornhäuser als sechster und bisher[7] letzter Professor einen Ruf an das CRTD. Es setzt sich aus 15 Forschergruppen vor Ort, geleitet von sechs Professoren und neun Forschungsgruppenleitern, und mehr als 90 forschenden Vollmitgliedern an weiteren Instituten in Dresden bzw. Sachsen zusammen. Dazu zählen Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik, Max-Planck-Instituts für Physik komplexer Systeme, Forschungszentrums Dresden-Rossendorf, Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) der Technischen Universität Chemnitz und des Universitätsklinikums „Carl Gustav Carus“.

Im Juli 2007 wurde ein Neubau für das CRTD beschlossen, dessen Mitarbeiter bis dahin auf verschiedene Dresdner Forschungseinrichtungen verteilt waren. Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. August 2009.[1] Der von Gunter Henn entworfene Bau in Dresden-Johannstadt liegt in Nachbarschaft des Universitätsklinikums und des Bioinnovationszentrums und wurde im Oktober 2011 eröffnet.[8] Im Juli 2012 war das CRTD Ausrichter des 4. Internationalen Stammzellkongresses.

Im Rahmen der Standortinitiative Deutschland – Land der Ideen wurde das CRTD 2008 als einer von 18 sächsischen Standorten zum Ausgewählten Ort im Land der Ideen ernannt.[9] In einer Umfrage des Magazins The Scientist – Magazin der Lebenswissenschaften erreichte das CRTD 2011 Platz 6 der besten internationalen Arbeitsplätze für Postdocs außerhalb der USA.[10] Spiegel-Online bezeichnete das CRTD 2007 als „einzigartige Institution für biomedizinische Grundlagenforschung“.[11] „Sechzehn interdisziplinäre Arbeitsgruppen forschen an Therapien für Alzheimer, Parkinson, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und nach nicht einmal vier Jahren gelten die Dresdner hier schon als führend in Europa“, so Die Zeit 2009 über das CRTD.[12]

Forschung[Bearbeiten]

Das CRTD widmet sich der Erforschung menschlicher Selbstheilungsprozesse und der Stammzellbiologie. Ziel ist es, auf der Basis von Stammzellen Therapien für bisher unheilbare Krankheiten und Verletzungen z.B. am Hirn und Rückenmark zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei auf den Gebieten:[13]

  • Hämatologie und Immunologie – Erforschung und Anwendung blutbildender Stammzellen z.B. gegen akute myeloische Leukämie (AML), Stammzelltherapie immunologischer Erkrankungen, u.a. Untersuchung der Entwicklung weißer Blutkörperchen und T-Zellen
  • Diabetes – Erforschung von Ursachen und Therapien für Typ-1-Diabetes
  • Neurodegenerative Erkrankungen und Regeneration der Retina – Therapien für Parkinson, Untersuchung der Nervenzellenneubildung im Gehirn, Forschung an Axolotl (Regeneration von Gliedmaßen) und Zebrafisch (Regeneration von Hirnzellen), Erforschung der Nervenzellenregeneration der Netzhaut
  • Knochenersatz – Entwicklung von Biomaterialien für den Knochen- und Knorpelersatz, Therapien gegen Osteoporose, Forschung am Zebrafisch (Knochenregeneration)
  • Eine Interessensgruppe widmet sich der Forschung im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Möglichkeiten der Herzregeneration. Unter anderem wird dabei am Zebrafisch geforscht (Regeneration des geschädigten Herzmuskels).

Geforscht wird in den Bereichen Medizin, Zell- und Entwicklungsbiologie sowie Biomaterialien, Nanotechnologie und Ingenieurwissenschaften. Mechanismen der Stammzellphysiologie werden an Axolotl, Zebrafisch und Maus untersucht.[14] Das CRTD besitzt eine eigene Zebrafisch-Zucht mit rund 100.000 Tieren.[15]

Forschungsergebnisse umfassen 2008 die erstmalige Bildung dreidimensionaler künstlicher Nervennetzwerke (in Zusammenarbeit mit Forschern aus Berkeley)[16] und 2009 die Entzifferung des Gens smp, mit dem der Zebrafisch die Entwicklung von Organen einschaltet. Die in Zusammenarbeit mit Forschern vom Max-Planck-Institut in Tübingen gefundenen Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift Developmental Biology veröffentlicht.[17] Ebenfalls 2009 konnten die Forscher am CRTD erstmals nachweisen, dass sich Regenerationszellen im Axolotl grundsätzlich ähnlich wie Zellen in Säugetieren verhalten. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden 2009 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.[18] Im Jahr 2011 konnte erstmals die Quelle der Nervenzellen identifiziert werden, die der Zebrafisch bei schweren Hirnverletzungen zur Regeneration großer Hirnregionen nutzt. Die Erkenntnisse über Herkunft der neuen Nervenzellen und Mechanismen der Regeneration wurde 2011 ebenfalls in Nature publiziert.[19] Erstmals gelang es 2011 zudem, Nervenzellen in einem Säugetiergehirn – die Forscher testeten an Mäusen – gezielt zu vermehren.[20]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Pressemitteilung Grundsteinlegung für neues Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Technischen Universität Dresden, 21. August 2009.
  2. Vgl. CRTD in Zahlen
  3. Mario Beck: Forschungszentrum TU Dresden sticht Leipziger Uni aus. In: Leipziger-Volkszeitung, 3. September 2005, S. 4.
  4. Förderungsverlängerungen erfolgten 2009 (Förderung bis 2013) und 2012 (Förderung bis 2017).
  5. Lilo Berg: Regenerative Medizin aus Dresden. Erstes DFG-Zentrum in Ostdeutschland. In: Berliner Zeitung, Nr. 206, 3. September 2005, S. 16.
  6. Uta Schirmer: Forschungszentrum CRTD beruft drei Professoren. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 20. Juni 2007, S. 15.
  7. Stand Dezember 2012.
  8. Vgl. Pressemitteilung (PDF; 43 kB)
  9. Vgl. Pressemitteilung des CRTD (MS Word; 259 kB)
  10. Dresdner Institute auf Spitzenplätzen. In: Sächsische Zeitung, 3. März 2011, S. 6.
  11. Unsere versteckte Elite. In: Spiegel Online, 8. April 2007.
  12. Maren Soehring: Labore des Pioniergeists. Gestern Harvard, heute Dresden-Klotzsche: Was exzellente Forscher in Sachsens Hauptstadt lockt. In: Die Zeit, Nr. 48, 19. November 2009, S. 15
  13. Vgl. Broschüre Five for Life des CRTD (PDF; 2,0 MB)
  14. Vgl. CRTD: Forschung
  15. Katrin Tominski: Zebrafische ohne Streifen. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 23. Dezember 2011, S. 17.
  16. Dresdner bilden Nervennetze nach. In: Sächsische Zeitung, 23. Juli 2008, S. 22.
  17. Gen für neue Flosse gelesen. In: Frankfurter Neue Presse, 16. Januar 2009, S. 1.
  18. Frank Essegern: Regenerationswunder erstaunt die Forscher. In: Sächsische Zeitung, 7. Juli 2009, S. 23.
  19. Vgl. How the zebrafish brain mends itself auf nature.com
  20. dapd: Forscher züchten Zellen. In: Thüringer Allgemeine, 12. April 2011, Magazin.

51.05647213.775966Koordinaten: 51° 3′ 23″ N, 13° 46′ 33″ O