Dünndarmfehlbesiedlung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter einer Dünndarmfehlbesiedlung (Abk.: DDFB, engl. small bowel (bacterial) overgrowth (syndrome); auch SIBO für Small Intestinal Bacterial Overgrowth) versteht man eine bakterielle Falschbesiedlung des Dünndarms mit mehr als 105 Keimen pro ml.[1] Sie kann Ursache unterschiedlicher Beschwerden sein.

Ursachen[Bearbeiten]

Die DDFB tritt typischerweise bei Kurzdarmsyndrom,[2] Defekt der Ileozäkalklappe,[3] bei Divertikeln oder Dünndarmstenosen infolge z.B. Morbus Crohn, chronisch intestinaler Pseudoobstruktion, Syndrom der blinden beziehungsweise ausgeschalteten Schlinge nach Operationen am Dünndarm[4] auf. Auch Störungen der Peristaltik beispielsweise infolge Sklerodermie oder diabetischer Enteropathie können ursächlich sein.[1]

Krankheitsbild[Bearbeiten]

Eine DDFB kann, insbesondere auch durch eine damit einhergehende Schädigung der Darmzotten und der damit verbundenen Störung der Resorption (Malassimilationssyndrom) zu unterschiedlichen gesundheitlichen Störungen und Beschwerden wie Arthritiden, Blähungen, Colitis, chronischer Diarrhoe (Durchfall), Steatorrhoe, Gewichtsverlust, Mangelerscheinungen, Bauchschmerzen und Anämie führen.[2][1][5][6]

Diagnostik[Bearbeiten]

Beweisend ist eine streng anaerob endoskopisch gewonnene Probe (Aspirat) von Flüssigkeit aus dem Dünndarm, in der sich mehr als 105 Keime pro ml finden. Als ergänzende Laborbefunde sind Anämie, Hypalbuminämie und ein Mangel an den Vitaminen A, D, K und B12 charakteristisch. Bei gleichzeitig normalem Folsäurespiegel ist auch ein nicht durch die Gabe von intrinsischem Faktor behebbarer Mangel an Vitamin B12 typisch. Kommt es im Rahmen einer DDFB zur vermehrter Zuckervergärung (beispielsweise nach oraler Gabe von Glucose oder Lactulose), zeigt der Wasserstoffatemtest einen erhöhten Wasserstoffanteil. Auch im Nüchternzustand ist dieser Wert erhöht, da die DDFB zu einer kontinuierlichen Umsetzung der vom Körper kontinuierlich produzierten Verdauungssäfte im Dünndarm führt..[5][1] Der Grenzwert des Anstiegs der Wasserstoffkonzentration in der Atemluft in einem Wasserstoffatemtest ab der der Test als positiv zu werten ist, wird von Experten unterschiedlich angesetzt:

  • 20 ppm[1]
  • 10 ppm, sofern während des Tests keine Symptome auftreten[7]
  • 5 ppm, sofern während des Tests Symptome auftreten.[7]

Zur Ursachenklärung ist ein bildgebendes Verfahren z.B. MRT des Dünndarmes nach Sellink oder ein Enteroklysma (Doppelkontrast-Röntgendarstellung nach Sellink) erforderlich.[4]

Therapie[Bearbeiten]

Eine kausale Therapie kann durch eine Operation erfolgen, indem z.B. Stenosen, blinde Schlingen beseitigt werden.[5][1] Zur konservativen Therapie können – meist nur vorübergehend wirksam – Antibiotikagaben eingesetzt werden. Bessert sich die Symptomatik im Verlauf einer Antibiotika-Therapie spricht man auch von einer „antibiotikaresponsiven Enteritis“ (ARE).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f G. Michels u. a.: Klinikmanual Innere Medizin. Springer, 2009, ISBN 978-3-540-89109-3, S. 354–355. (online)
  2. a b J. Schölmerich: Medizinische Therapie 2007/ 2008. Springer, 2007, ISBN 978-3-540-48553-7, S. 828. (online)
  3. W. G. Guder: Das Laborbuch für Klinik und Praxis. Urban&Fischer, 2005, ISBN 3-437-23340-8, S. 202. (online)
  4. a b P. Layer, U. Rosien u. a. (Hrsg.): Praktische Gastroenterologie. 4. Auflage. Urban & Fischer, 2011, ISBN 978-3-437-23372-2, S. 219.
  5. a b c W. Piper: Innere Medizin. Springer, 2006, ISBN 3-540-33725-3, S. 387. (online)
  6. W. G. Guder: Das Laborbuch für Klinik und Praxis. Urban&Fischer, 2005, ISBN 3-437-23340-8, S. 199 und 690. (online)
  7. a b M. Ledochowski: H2-Atemteste. Verlag Ledochowski, 2008, ISBN 978-3-9502468-0-3.