Sklerodermie

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Klassifikation nach ICD-10
M34 Systemische Sklerose
Sklerodermie
M34.0 Progressive systemische Sklerose
M34.1 CR(E)ST-Syndrom
L94.0 Sclerodermia circumscripta (Morphaea)
P83.8 Sklerodermie beim Neugeborenen
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Sklerodermie (griechisch σκληρός sklēros „hart“, englisch scleroderma) bedeutet wörtlich ‚harte Haut‘. Es handelt sich um eine Gruppe verschiedener seltener Erkrankungen, die mit einer Bindegewebsverhärtung der Haut allein oder der Haut und innerer Organe (besonders Verdauungstrakt, Lungen, Herz und Nieren) einhergehen. Die Sklerodermie gehört zu den sogenannten Kollagenosen (einer Gruppe von autoimmunen Bindegewebskrankheiten).

Sklerodermie ist nicht heilbar, der Krankheitsverlauf kann aber mit Medikamenten und spezialisierter Rehabilitation verlangsamt oder aufgehalten werden. Der frühere Name Progressive systemische Sklerodermie ist deshalb zugunsten des heutigen Namens Systemische Sklerose geändert worden. Diagnose und Therapie der Sklerodermien erfordern eine besondere ärztliche Erfahrung mit diesen Krankheiten. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungs-Netzwerk zur systemischen Sklerose hat deshalb im Rahmen seiner Patienteninformation Kliniken und Zentren benannt, die in Deutschland über genügend Erfahrung mit dieser Krankheit verfügen (siehe unter Weblinks).

Formen[Bearbeiten]

In den letzten Jahren hat sich die Nomenklatur der Sklerodermie stark gewandelt. Heute sind Morphea (zirkumskripte Sklerodermie), limitierte und diffuse systemische Hautsklerose und systemische Sklerose akzeptierte Formen[1].

Die auf die Haut und das angrenzende Gewebe (Unterhautfettgewebe, gelegentlich auch Muskulatur und Knochen) beschränkte Form wird auch zirkumskripte Sklerodermie oder Morphea genannt.

Die Sklerodermie, die zusätzlich die inneren Organe befällt, wird auch systemische Sklerose genannt (englisch systemic sclerosis). Man unterscheidet dabei begrenzte (limited) und diffuse Verlaufsformen. Das sogenannte CREST-Syndrom (Calcinosis, Raynaud phenomena, Esophageal dysmotility, Sclerodactyly, Teleangiectasia) ist eine Unterform der limitierten systemischen Sklerose und kennzeichnet ein häufiges Erkrankungsmuster. Das Bindegewebe der Lunge, der Nieren, der Speiseröhre und des Herzens gilt als besonders gefährdet. Die Lungenbeteiligung ist heute die häufigste Todesursache der systemischen Sklerose.

Ursachen[Bearbeiten]

Die Ursache der Sklerodermie ist nicht genau bekannt. Genetische Faktoren und krankhafte autoimmunologische Prozesse sind nachgewiesen worden. Möglicherweise sind stimulierende Autoantikörper gegen den Rezeptor des Wachstumsfaktors Platelet Derived Growth Factor (PDGF) Ursache der Erkrankung.[2][3] Auch ein Zusammenhang mit Krebserkrankungen wurde beobachtet.[4] Etwa 2 bis 50 von 100 000 Menschen erkranken, meist mit 50 bis 60 Jahren. Frauen sind etwa drei bis vier Mal häufiger betroffen als Männer. Man rechnet mit etwa 1 bis 2 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen/Jahr.

Krankheitsbild[Bearbeiten]

Die Sklerodermie breitet sich per se schmerzfrei aus, jedoch gehen gelegentlich mit der Erkrankung durchaus schmerzhafte Arthralgien und Myalgien einher. Die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs ist variabel und beinhaltet schnelle Verläufe, Verläufe über Jahre und selbstlimitierende Formen, die von alleine zum Stillstand kommen (häufig bei der Morphea). Wegen der Seltenheit der Erkrankung und des sehr unterschiedlichen Verlaufs mit variabler Organbeteiligung ist die Krankheit vor allem beim Fehlen typischer Symptome z.B. im Frühstadium nur schwer zu diagnostizieren.

Ein Frühsymptom der generalisierten Sklerodermie sind die Verkürzung des unteren Zungenbändchens und das Raynaud-Syndrom. Im Anschluss kommt es zu Ödembildung an Händen und Füßen. Die Haut wird starr, um dann zu atrophieren. In diesem Stadium sieht sie wachsartig und dünn aus. Schließlich verformen sich die Hände: Die Finger bleiben in Beugestellung fixiert (Krallhand) und sind stark verschmälert (Madonnenfinger). Charakteristische Symptome im weiteren Verlauf sind das Maskengesicht mit starrer Mimik, Mikrostomie (der Mund kann nicht mehr weit geöffnet werden) sowie Probleme beim Lidschluss. Radiär angeordnete Falten um den Mund werden als Tabaksbeutelmund bezeichnet.

Laborparameter[Bearbeiten]

Der Nachweis wird laborchemisch geführt (Autoantikörper im Serum, wie: ANA und extrahierbare nukleäre Antigene oder speziell Anti-SCL 70 bei systemischer Sklerodermie und Anti-Zentromer-Antikörper bei CREST-Syndrom). Die Organbeteiligung bei systemischer Sklerodermie kann durch Biopsie, Lungenfunktionstests und Computertomographie geprüft werden. Eine erhöhte γ-Globulinfraktion kann, polyklonal bedingt, Ausdruck eines Spätstadiums akuter Entzündungen bzw. chronischer Entzündungen oder Leberzirrhose sein.

Therapie[Bearbeiten]

Eine generelle „Heilung“ der Erkrankung ist zurzeit nicht möglich, die Therapie erfolgt individuell an den vorliegenden Symptomen und Organbeteiligungen orientiert. Bei Patienten mit z.B. einer Lungenbeteiligung kann der Krankheitsverlauf möglicherweise durch Cyclophosphamid günstig beeinflusst werden.[5] Die Knochenmarktransplantation wird zurzeit erprobt. Die Krankheit wurde früher oft mit Glucocorticoiden behandelt, jedoch weiß man mittlerweile, dass der Einsatz bei systemischer Sklerose nicht unproblematisch ist. Beispielsweise erhöht der Einsatz von Glucocorticoiden das Risiko für eine unter Umständen lebensbedrohliche renale Krise. Daher sollten Glucocorticoide nicht generell als „Basistherapie“ angewendet werden.

Neue Studien zeigen, dass vor allem eine individuelle Kombinationstherapie hilfreich ist, die von Krankheitsverlauf und Art der Organbeteiligung bestimmt wird. Dabei müssen vor allem die drei typischen Krankheitsprozesse Vaskulopathie, Autoimmunität und Fibrose berücksichtigt werden. Vor allem Substanzen, die für andere Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden (etwa Rituximab, Tocilizumab und IVIG), können auch bei systemischer Sklerodermie einen guten Effekt erzielen. Eine große Studie vom November 2013 stellte die bereits gängige Therapie und mögliche zukunftsweisende neue Therapien zusammen.[6]

Zusätzlich kommen Krankengymnastik, Ergotherapie, Massagen und (P)UVA-Bestrahlung (Phototherapie) zum Einsatz. Auch eine Vermeidung von Kälteexposition, besonders im Rahmen der Raynaud-Symptomatik, ist sinnvoll.

Der Wirkstoff Bosentan, der in Studien erfolgreich erprobt wurde, ist seit 2007 zur Prävention von digitalen Ulzerationen als Komplikation der Sklerodermie zugelassen (Finger- oder Zehengeschwüre, die äußerst schmerzhaft sind und schlecht abheilen, teilweise ist eine Amputation notwendig).[7]

Heilungsaussicht[Bearbeiten]

Die Gesamtprognose wird nicht vorrangig bestimmt von der Symptom- und Befundentwicklung in den einzelnen befallenen Körperregionen. Die Verläufe können jeweils sehr schwer einschätzbar sein. Fulminante Verläufe können innerhalb von wenigen Monaten zum Tode führen. Bei Frauen ist der Verlauf eher günstiger als bei Männern. Durch medikamentöse Therapie der möglichen Komplikationen des Nierenbefalls kann eine prognoseverbessernde Wirkung erzielt werden. Die circumscripte Sklerodermie (Morphea) ist in ihrer üblichen Verlaufsform nicht lebensbedrohend. Allenfalls bei ausgeprägteren Erkrankungen im Gelenkbereich kann es zu Bewegungseinschränkungen kommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nicole Fett: Scleroderma: Nomenclature, etiology, pathogenesis, prognosis, and treatments: Facts and controversies. In: Clinics in Dermatology. Band 31, 2013, S. 432–437. doi:10.1016/j.clindermatol.2013.01.010.
  2. S. S. Baroni et. al.: Stimulatory autoantibodies to the PDGF receptor in systemic sclerosis. In: N Engl J Med. Band 354, 2006, S. 2667–2676.
  3. J. Varga, D. Abraham: Systemic sclerosis: a prototypic multisystem fibrotic disorder. In: J. Clin. Invest. Band 117, 2007, S. 557–567.
  4. Association of the autoimmune disease scleroderma with an immunologic response to cancer. In: Science 2013. doi:10.1126/science.1246886.
  5. D. P. Tashkin et. al.: Cyclophosphamide versus placebo in scleroderma lung disease. In: N Engl J Med. Band 354, 2006, S. 2655–2666.
  6. Zsuzsanna Hortobagyi McMahan, Fredrick M. Wigley: Novel investigational agents for the treatment of scleroderma. In: Expert Opinion on Investigational Drugs. 2013, S. 1–16. doi:10.1517/13543784.2014.848852.
  7. Mitteilung des Herstellers.
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