Darwin-Nandu

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Darwin-Nandu
Pterocnemia pennata qtl1.jpg

Darwin-Nandu (Rhea pennata)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Urkiefervögel (Palaeognathae)
Ordnung: Laufvögel (Struthioniformes)
Familie: Nandus (Rheidae)
Gattung: Nandus (Rhea)
Art: Darwin-Nandu
Wissenschaftlicher Name
Rhea pennata
Orbigny, 1834

Der Darwin-Nandu (Rhea darwinii (Syn.:Pterocnemia pennata)) ist ein Laufvogel aus der Gattung der Nandus (Rhea). Er ist die kleinere, seltenere und weniger bekannte der beiden Arten.

Entdeckung[Bearbeiten]

Charles Darwin erfuhr im Zuge der Reise mit der HMS Beagle von Gauchos in Patagonien von der Existenz eines Laufvogels, der von den dortigen Bewohnern „Avestruz petise“ genannt wird. In Port Desire, dem heutigen Puerto Deseado, schoss und kochte die Mannschaft um Darwin ein Exemplar des Vogels, den dieser nicht als den gesuchten Nandu identifiziert hatte. Darwin fiel später der Bericht der Gauchos ein, rettete einige Teile des gekochten Vogels und schickte sie an den Ornithologen John Gould. Gould hielt den Laufvogel für eine unbekannte Art und benannte ihn nach seinem Entdecker Rhea darwinii, zu deutsch Darwin-Nandu. Einige Zeit später stellte sich heraus, dass der Zoologe Alcide Dessalines d’Orbigny den Laufvogel bereits 1834 beschrieben hatte, sodass der wissenschaftliche Name der Erstbestimmung Pterocnemia pennata vorgezogen wurde.[1] 2008 stellte das South American Check-list Committee (SACC) der American Ornithologists’ Union den Darwin-Nandu wieder in die Gattung Rhea.[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Der Darwin-Nandu hat ein graues oder grau-braunes Gefieder und ist mit etwa 90 cm Rückenhöhe des Männchens kleiner als der Große Nandu (Rhea americana). Sein Gewicht beträgt etwa 15 bis 25 kg. Vom Großen Nandu ist der Darwin-Nandu durch die weiße Fleckung des Rückengefieders unterschieden. Diese ist beim Hahn ausgeprägter als bei der Henne, bei Jungvögeln fehlt sie ganz.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Es gibt zwei geographisch voneinander getrennte Verbreitungsgebiete: Das größere umfasst den Süden Argentiniens und Chiles, also die Landschaft Patagonien und die südlichen Anden. Ein weiteres Vorkommen des Darwin-Nandus gibt es weiter nördlich im Grenzgebiet der Staaten Bolivien und Chile, also in den Hochanden.

Obwohl sich das Verbreitungsgebiet des Darwin-Nandus mit dem des Großen Nandus überschneidet, bevorzugen beide Arten in der Regel unterschiedliche Habitate. Der Darwin-Nandu toleriert Strauch- und Buschland, in dem die große Art nicht vorkommt. Er lebt auch auf den Hochebenen der Anden in Höhen von 3500 bis 4500 m. In Patagonien kommt er bis in die kalt-gemäßigten Zonen an der Südspitze vor. Auch auf Feuerland kommt er vor, wurde hier allerdings 1936 durch den Menschen eingeführt.

Lebensweise[Bearbeiten]

In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich der Darwin-Nandu wenig vom großen Nandu. Die Lebensweise beider Arten ist daher ausführlich im Artikel Nandus beschrieben. In Anpassung an strauchbestandene Habitate läuft der Darwin-Nandu mit horizontal vorgestrecktem Hals und angelegten Flügeln, um nicht durch die Vegetation behindert zu werden.

Unterarten[Bearbeiten]

Neben der Nominatform (Rhea pennata pennata) gibt es geographisch von dieser getrennt zwei weitere Unterarten in den mittleren Anden der Grenzregionen Perus, Boliviens, Argentiniens und Chiles:

  • Rhea pennata tarapacensis
  • Rhea pennata garleppi

Diese beiden Unterarten bilden nach Ansicht mancher Fachleute eine eigene Art (Rhea tarapacensis). Sie sind mehr grau als braun gefärbt und haben eine weniger ausgeprägte Beschuppung der Läufe als die Nominatform.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josep del Hoyo et al.: Handbook of the Birds of the World, Band 1 (Ostrich to Ducks). Lynx Edicions, 1992, ISBN 84-87334-10-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Darwin-Nandu – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Neffe: Darwin – Das Abenteuer des Lebens. 2008, S. 125
  2. Proposal (#348) to South American Classification Committee Incluir Pterocnemia dentro de Rhea