Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache

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Veröffentlichung der Deklaration im Telegram vom 17. März 1967

Die Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache (kroat. Deklaracija o nazivu i položaju hrvatskog književnog jezika) richtet sich gegen eine als zentralistisch empfundene jugoslawische Sprachpolitik und die damit verbundene Benachteiligung der kroatischen Schriftsprache gegenüber der serbischen. So soll sich die Dominanz der serbischen Sprache über die kroatische, z. B. in der Gesetzgebung, den Medien, der Verwaltung, der Diplomatie und im Sprachgebrauch der jugoslawischen Armee entwickelt haben.[1] Sie wurde im März 1967 von zahlreichen kroatischen kulturellen Organisationen, darunter der Matica hrvatska und dem kroatischen PEN-Club, unterzeichnet und veröffentlicht.

Die politische Führung Jugoslawiens verurteilte die kroatische Deklaration als „nationalistische Abirrung“.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Während die Regeln zur Rechtschreibung des Serbokroatischen mehr oder weniger stillschweigend zustande kamen (obwohl die Rechtschreibung sich stellenweise von der Broz-Boranićev-Rechtschreibung, dem „kroatischen Duden“, unterschied), wurde die neue Rechtschreibung von vielen kroatischen Sprachwissenschaftlern abgelehnt, die in der Folge die Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache ausarbeiteten.

Hauptforderungen[Bearbeiten]

In der Deklaration wird vor allem gefordert:

  • die bisher als „kroatoserbische Variante der serbokroatischen oder kroatoserbischen Sprache“ bezeichnete Standardvarietät in Zukunft als „kroatische Schriftsprache“ zu bezeichnen, „da es das unveräußerliche Recht jedes Volkes ist, seine Sprache mit dem eigenen Namen zu bezeichnen, unabhängig davon, ob es sich um ein philologisches Phänomen handelt, das in der Form einer besonderen Sprachvariante oder sogar in seiner Gesamtheit auch irgendeinem anderen Volk gehört“;
  • in der jugoslawischen Verfassung die Gleichberechtigung der kroatischen und der serbischen Standardvarietät zu unterstreichen, indem „die vier Schriftsprachen Slowenisch, Kroatisch, Serbisch und Mazedonisch“ in einem Atemzug genannt werden;
  • dass im öffentlichen Leben der kroatischen Teilrepublik ausschließlich die kroatische Standardvarietät benutzt wird „sowie dass Beamte, Lehrpersonen und in der Öffentlichkeit Tätige, unabhängig davon, woher sie stammen, im Dienst die Schriftsprache der Umgebung benutzen, in der sie tätig sind“.

Auswirkungen[Bearbeiten]

Die Matica hrvatska sagte sich von dem 1954 geschlossenen Abkommen von Novi Sad los und begann mit der Ausarbeitung eines neuen Rechtschreib-Standardwerkes.

Im Jahr 1971 erschien der Hrvatski pravopis (Kroatische Rechtschreibung) von Stjepan Babić, Božidar Finka und Milan Moguš, der verboten wurde, jedoch wenig später in London als fotokopierte Version erschien. Das im Jahr 1973 erschienene Werk Pregled gramatike hrvatskoga književnog jezika (Überblick über die Grammatik der kroatischen Schriftsprache) wurde ebenfalls verboten.

Entwicklung nach 1971[Bearbeiten]

Als eine der Folgen dieser Deklaration gilt der Kroatische Frühling.

Im Jahr 1974 kam es in Jugoslawien als Folge des Kroatischen Frühlings zu Verfassungsänderungen. Ende 1988 erklärte das Verfassungsgericht Jugoslawiens diese Änderungen für unwirksam, da nach deren Meinung die Bezeichnung Kroatische Sprache die Serben in Kroatien im öffentlichen Leben benachteilige.

Anlässlich des 45. Jahrestags der Deklaration ist diese 2012 in der kroatischen Wochenzeitung Forum erneut erschienen, begleitet von einer kritischen Analyse.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Srećko Matko Džaja: Die politische Realität des Jugoslawismus (1918–1991). Mit besonderer Berücksichtigung Bosnien-Herzegowinas. München: Oldenbourg 2002 (Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas 37), S. 138 f..
  2.  SOS ili tek alibi za nasilje nad jezikom. In: Forum. Nr. 27, Zagreb 16. März 2012, ISSN 1848-204X, S. 38–39 (online, abgerufen am 16. März 2012).