Demokratische Fortschrittspartei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen Partei in Tunesien siehe Demokratische Fortschrittspartei (Tunesien).
民主進步黨
Demokratische Fortschrittspartei
DPP-Taiwan.svg
Logo
DPP-Flagge (Taiwan).svg
Flagge
Partei­vorsitzende Tsai Ing-wen
Gründung 28. September 1986
Haupt­sitz Taipei
Aus­richtung Zentrismus, Liberalismus, Unabhängigkeit Taiwans
Farbe(n) Grün
Parlamentsmandate 33 von 113
Website www.dpp.org.tw

Die Demokratische Fortschrittspartei bzw. die Demokratische Progressive Partei (DPP) (chinesisch 民主進步黨Pinyin Mínzhǔ Jìnbù Dǎng, kurz chinesisch 民進黨Pinyin Mínjìndǎng) ist eine Partei in der Republik China auf Taiwan. Die als Opposition zur Kuomintang gegründete Partei stellte von 2000 bis 2008 mit Chen Shui-bian den Präsidenten der Republik China. Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 unterlagen die DPP-Kandidaten Hsieh Chang-ting (2008) bzw. Tsai Ing-wen (2012) gegen Ma Ying-jeou von der Kuomintang.

Geschichte und politische Ziele[Bearbeiten]

Die DPP wurde im September 1986 aus der Oppositionsbewegung Dangwai heraus entgegen dem bestehenden Parteienverbot gegründet. Im selben Jahr noch nahm sie (als illegale Partei) an den nationalen Zusatzwahlen zu Nationalversammlung und Legislativ-Yuan teil und erlangte dabei einen Achtungserfolg.

Die Dangwai entstand in den 1970er-Jahren, als ab 1972 regelmäßig Zusatzwahlen durchgeführt wurden. Diese Zusatzwahlen boten der Opposition eine politische Bühne. Nach den Achtungserfolgen bei den Wahlen 1977 bewegte sich die Dangwai auf eine Institutionalisierung in Form einer Parteigründung zu. Vor dem Hintergrund der Schließung der US-Botschaft in Taipeh 1979 suspendierte die Regierung die für 1979 anstehenden Zusatzwahlen, woraufhin es zu einer Radikalisierung der Dangwai-Bewegung und zu dem Kaohsiung-Vorfall kam. Kaohsiung ist nach der Hauptstadt Taipeh die zweitgrößte Stadt Taiwans.

In der Folge wurden zahlreiche Oppositionsführer inhaftiert, unter anderem auch die spätere Vizepräsidentin der Republik China, Lü Xiulian. Der Ruf nach politischen Reformen aus Washington, das Bekanntwerden zahlreicher Menschenrechtsverletzungen durch die Regierung in Taipeh und der damit verbundene Ansehensverlust machten es der Regierung jedoch unmöglich, eine Stabilisierung der Dangwai in den 80er Jahren zu verhindern. Im Rahmen des spätestens ab 1986 einsetzenden Demokratisierungsprozesses in Taiwan formierte sich dann die DPP, die Ende der 1980er Jahre legalisiert wurde. In den 1990ern errang sie zahlreiche Wahlerfolge und stellte von Mai 2000 bis Mai 2008 mit Chen Shui-bian zum ersten Mal den Präsidenten. Seit der Wahlniederlage des Kandidaten Hsieh Chang-ting gegen den Kuomintang-Kandidaten Ma Ying-jeou im Jahr 2008 befindet sich die DPP in der Opposition.

Im Gegensatz zu weiten Teilen der chinafreundlichen Kuomintang betont sie die lokale taiwanische Identität und tritt für die Bewahrung der Souveränität Taiwans, die, wenn auch unter dem Namen Republik China, nach Ansicht der Partei längst Realität sei [1] (siehe auch Taiwan-Konflikt).

Liste der Vorsitzenden[Bearbeiten]

  1. Chiang Peng-chian (1986–1987)
  2. Yao Chia-wen (1987–1988)
  3. Huang Shin-chieh (1988–1992)
  4. Hsu Hsin-liang (1992–1993)
  5. Shih Ming-teh (1994–1996)
  6. Hsu Hsin-liang (1996–1998)
  7. Lin Yi-hsiung (1998–2000)
  8. Hsieh Chang-ting (2000-2002)
  9. Chen Shui-bian (2002–2004)
  10. Su Tseng-chang (2005)
  11. Yu Shyi-kun (2006-2007)
  12. Chen Shui-bian (2007–2008)
  13. Tsai Ing-wen (2008–2012)
  14. Su Tseng-chang (2012-14)
  15. Tsai Ing-wen (2014-)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DPP Chair Tsai Ing-wen’s Comments on Proposed Freeze of Independence Platform, Webseite der Partei, 22. Juli 2014

Literatur[Bearbeiten]

  • Rigger, Shelley: From Opposition to Power: Taiwan's Democratic Progressive Party. Lynne Rienner Publishers, Boulder/London 2001, ISBN 1-55587-969-1
  • Wachman, Alan M.: Taiwan: National Identity and Democratization. M. E. Sharpe, Armonk, New York 1994, ISBN 1-56324-399-7
  • Weyrauch, Thomas: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 2 (1950 – 2011) . Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2

Weblinks[Bearbeiten]