Anorthotiko Komma Ergazomenou Laou

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Das Anorthotiko Komma Ergazomenou Laou (AKEL; griechisch Ανορθωτικό Κόμμα Εργαζόμενου Λαού, ΑΚΕΛ), Fortschrittspartei des werktätigen Volkes[1] (oder Wiederaufbaupartei des arbeitenden Volkes)[2], ist eine ursprünglich kommunistische Partei in der Republik Zypern. Sie war eine Vertreterin des vom sowjetisch geprägten Kommunismus der Ostblockstaaten unabhängigen Eurokommunismus, bevor sie sich zunehmend sozialdemokratisierte.[1][3] Von 2008 bis 2013 stellte sie mit Dimitris Christofias den Staatspräsidenten.

AKEL kämpft für ein unabhängiges, demilitarisiertes und blockfreies Zypern und für eine föderale Lösung des Zypernkonfliktes. Die Partei legt besonderen Nachdruck auf eine Wiederannäherung mit den Zypern-Türken. Sie war gegen den EU-Beitritt Zyperns und hatte Bedenken gegenüber der Übernahme der Euro-Währung. Obwohl sie nominell eine kommunistische Partei ist, stellte sie während ihrer Regierungszeit 2008–2013 die in Zypern herrschende Marktwirtschaft nicht in Frage.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die Partei wurde 1926 als Kommunistische Partei Zyperns (KKK) gegründet. Die KKK trat für die Unabhängigkeit von Zypern ein und lehnte die Hauptforderung der meisten nichtkommunistischen Zypern-Griechen, den Anschluss Zyperns an Griechenland (Enosis = Vereinigung) ab. Nach nationalen Aufständen und den ihnen folgenden Einschränkungen der Bürgerrechte durch die britische Kolonialverwaltung wurde die Partei 1931 verboten. 1941 gründeten Mitglieder der Führungsriege der Untergrund-KKK die AKEL. Bei den ersten Kommunalwahlen von 1943 wurden die AKEL-Kandidaten Ploutis Servas und Adam Adamantos in Limassol und Famagusta zum Bürgermeister gewählt.

Anders als ihre Vorgängerin lehnte AKEL die Enosis nicht ab, sondern verlangte einen stufenweisen Prozess, angefangen bei der Einführung einer Verfassung und einer weitgehenden Autonomie als britische Kolonie, bis hin zur vollständigen Selbstbestimmung und der Enosis. Nach dem Scheitern einer verfassungsgebenden Versammlung änderte die AKEL 1949 ihre Parteilinie wieder und forderte die sofortige Enosis ohne Zwischenschritte.

Verfolgung durch griechische und türkische Nationalisten[Bearbeiten]

In den späten 1950er Jahren sah sich die AKEL der gewalttätigen Vorgehensweise der antibritischen Widerstandsbewegung EOKA ausgesetzt. Obwohl über beide Parteien ein Verbot verhängt worden war, beschuldigte die EOKA die AKEL der Kollaboration mit den Briten. Die EOKA ermordete mehrere AKEL-Mitglieder wegen „Verrats“, wie etwa den AKEL-Anhänger Savas Menikou, der zu Tode gesteinigt wurde. Die AKEL warf der EOKA-Führung ihrerseits Antikommunismus vor, insbesondere da der EOKA-Anführer Georgios Grivas im Griechischen Bürgerkrieg auf der Seite der konservativen griechischen Regierung gekämpft hatte.

1958 forderte die zypern-türkische nationalistische Organisation TMT Zypern-Türken auf, die AKEL zu verlassen. Der Herausgeber der Arbeiterzeitung Fazil Onder wurde umgebracht, und der Leiter der türkischen Abteilung der der AKEL nahestehenden Gewerkschaft PEO Ahmet Sadi floh aus Todesangst nach Großbritannien. 1965 ermordete die TMT Derviş Ali Kavazoğlu, den letzten türkischen Zyprioten im Zentralkomitee der AKEL.

Nach der Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit unterstützte die AKEL bei den ersten Präsidentschaftswahlen Ioannis Kliridis (Vater des späteren Präsidenten Glafkos Klerides), der gegen den Erzbischof Makarios III. antrat. 1988 unterstützte sie die erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur des parteilosen liberalen Unternehmers Georges Vassiliou. 1998 sprach sie sich für den ebenfalls parteilosen Diplomaten Georgios Iacovou aus, der allerdings im zweiten Wahlgang knapp scheiterte.

Bei den Parlamentswahlen vom 27. Mai 2001 erhielt die Partei 34,7 % der abgegebenen Stimme und 20 von 56 Mandaten, damit war sie stärkste Kraft im Repräsentantenhaus. Mit Dimitris Christofias wurde mit Unterstützung der Sozialdemokratischen Bewegung (EDEK) und der in der Mitte positionierten Demokratischen Partei (DIKO) erstmals ein Kommunist zum Parlamentspräsidenten Zyperns gewählt. 2003 unterstützte AKEL die erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur von Tassos Papadopoulos von der DIKO. Wie Papadopoulos rief AKEL beim Referendum über den Annan-Plan zur Wiederveinigung Zyperns zu einem Nein-Votum auf.[4] Bei den Parlamentswahlen in Zypern 2006 verlor die AKEL zwei Sitze, blieb aber mit 31,1 % stärkste Kraft und stellte vier Minister in der Regierung Papadopoulos.

Regierung Christofias[Bearbeiten]

Ein großer Erfolg der AKEL war die Präsidentschaftswahl 2008, aus deren erstem Wahlgang Christofias zunächst mit den zweitmeisten Stimmen hervorging. Die folgende Stichwahl, bei der er die Unterstützung der DIKO des scheidenden Präsidenten Papadopoulos und der sozialdemokratischen EDEK hatte, gewann er mit 53 % gegen den konservativen Kandidaten Ioannis Kasoulidis. Er wurde das erste kommunistische Staatsoberhaupt Zyperns. Christofias bildete eine Koalitionsregierung aus AKEL, DIKO und Sozialdemokraten. Er erklärte die Wiedervereinigung Zyperns zum wichtigsten Ziel. Unter seiner Führung verbesserte Zypern außerdem sein Verhältnis zu Russland. 2011 nahm die Regierung russische Finanzhilfe in Form eines Kredits in Höhe von 2,5 Milliarden Euro in Anspruch.[5] Nach der schweren Munitionsexplosion auf der Marinebasis Evangelos Florakis zerbrach die Koalition im August 2011 und AKEL stellte anschließend allein eine Minderheitsregierung. Bei der Präsidentschaftswahl 2013 trat Christofias nicht mehr an. Der AKEL-Kandidat Stavros Malas unterlag dem Konservativen Nikos Anastasiadis in der Stichwahl mit 42,5 %.

Im Europäischen Parlament wird die AKEL von Adamos Adamou und Kyriakos Triantaphyllides vertreten. Sie ist Mitglied der Konföderalen Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke und besitzt bei der Europäischen Linkspartei Beobachterstatus.

Generalsekretäre der AKEL[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Egbert Jahn: Vorläufiges oder endgültiges Scheitern des Zypern-Plans der Vereinten Nationen? (2009/2011) In: Politische Streitfragen. Band 3: Internationale Politik, VS Verlag, Wiesbaden 2012, S. 113.
  2. Lambros Kaikitis: Zypern und die Europäische Union. Erwartungen und Probleme einer eventuellen Vollmitgliedschaft Zyperns. Alano Herodot-Verlag, 1998, S. 29.
  3. Klaus Hillenbrand: Präsidentschaftswahl im griechischen Zypern. Kommunismus out, Nationalismus nicht. taz.de, 23. Februar 2008.
  4. Christiane Schlötzer: Flucht in Russlands Arme. Süddeutsche.de, 19. März 2013.
  5. Helena Smith: Russia prepared to ride to Nicosia's aid. In: The Guardian, 14. September 2011.