Der illustrierte Mann

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Der Roman Der illustrierte Mann ist eine Sammlung von 18 Erzählungen des amerikanischen Schriftstellers Ray Bradbury, die durch eine nicht sehr umfangreich ausgearbeitete Rahmenhandlung, bestehend aus einem Prolog, wenigen Zwischenpassagen und einem kurzen Epilog, erzählerisch nur lose verbunden sind. Der Band gilt als Höhepunkt im Werk des Autors sowie als Meilenstein innerhalb der Science Fiction, da sich hier exemplarisch die Abkehr von der technisch-wissenschaftlich orientierten Beschreibung und die Hinwendung zur poetischen Science-Fiction-Literatur zeigt.

Veröffentlicht wurde das Buch erstmals 1951 im New Yorker Verlag Doubleday & Company, Inc. unter dem Originaltitel The Illustrated Man. Die deutsche Erstausgabe erschien 1962 im Diogenes Verlag.

Inhalt[Bearbeiten]

Bei einer Wanderung durch Wisconsin begegnet der Erzähler Anfang September auf einer einsamen Landstraße dem illustrierten Mann, einem Tramp auf Wanderschaft, ähnlich dem Ewigen Juden. Der Körper dieses Mannes ist über und über mit Tätowierungen bedeckt, die ihm eine alte Frau, eine Zauberin aus der Zukunft, auf die Haut tätowiert hat. Nachts beginnen die Körperbilder zu leben und erzählen Geschichten von möglichen Zukunftswelten.

„Jede Tätowierung enthält eine kleine Geschichte. Wenn man sie beobachtet, erzählen sie einem in wenigen Minuten ihre Geschichte. In drei Stunden kann man eine ganze Menge Geschichten auf meinem Körper aufgeführt sehen, Stimmen hören und Gedanken mitdenken. Alles ist da und wartet nur darauf, dass Sie zusehen.“ (Zitat aus Der Illustrierte Mann, Heyne-Taschenbuch Nr. 3057)

Die Geschichten[Bearbeiten]

  • Das Kinderzimmer (The Veldt): Das Kinderzimmer in einem hochtechnisierten Haus setzt die Fantasie der Kinder in reale Welten um. Die von ihrem Beruf völlig in Anspruch genommenen Eltern, die sich wenig um die Spiele ihrer Kinder kümmern, betreten eines Tages das Kinderzimmer und finden sich im afrikanischen Busch wieder, inmitten einer hungrigen Löwenherde. Die Geschichte thematisiert neben der Furcht vor fortschreitender Technisierung unserer Gesellschaft den Generationenkonflikt zwischen Alt und Jung. Um ihre Bedürfnisse beibehalten zu dürfen, greifen die Kinder zum Äußersten...
  • Kaleidoskop (Kaleidoscope): Ein Raumschiff wird von einem Kometen getroffen und aufgeschlitzt. Die Besatzung, die Raumanzüge mit Funkgeräten trägt, wird herausgeschleudert und treibt nun, jeder in eine andere Richtung, ins All davon und dem sicheren Tod entgegen. Nur die Funkverbindung bleibt als Kontakt. Beim Auseinandertreiben kommen trotz oder wegen der Todesangst alte Rivalitäten und Befindlichkeiten noch einmal zum Ausdruck, bevor alle Stimmen nach und nach verstummen.
  • Die andere Haut (The Other Foot): Zwanzig Jahre nach dem Atomkrieg lebt die schwarze Bevölkerung friedlich und unbehelligt auf dem Mars, als plötzlich ein Raumschiff mit Weißen angekündigt wird. Einer der Bewohner schwingt sich zum Anführer auf und sinnt auf Rache an den Weißen, indem er ihnen all das anzutun gedenkt, was sie selbst damals erlebt haben.
  • Die Landstraße (The Highway): Irgendwo in Mittelamerika wohnt ein armer einfältiger Bauer an einer Landstraße. Nach einer plötzlichen Ruhe taucht eine endlose Autoschlange auf, voll von zu Tode erschreckten, in Panik flüchtenden Insassen. Ein Auto hat eine Panne in der Nähe des Bauern, der seelenruhig seine kargen Felder bewirtschaftet. Die Insassen bitten ihn um Kühlwasser, und neugierig geworden, fragt er sie nach der Ursache der Autoschlange. Die Insassen, eine Familie, brechen in Tränen aus und sie sagen ihm „Der Atomkrieg hat begonnen“. Der Bauer sieht sie davon fahren und fragt sich: „Was meinen sie damit, der Atomkrieg hat begonnen?“
  • Der Mann (The Man): Eine Gruppe von Raumfahrern landet auf einem bewohnten Planeten. Sie bemerken, dass ein geheimnisvoller Besucher vor ihnen angekommen war. Ein Konflikt entsteht: Ein Teil der Raumfahrer vermutet, eine konkurrierende Gruppe von Raumfahrern sei ihnen hier zuvorgekommen. Andere meinen, dass ein Erlöser den Planeten besucht habe. Um nicht immerzu weiter zu hasten, den Konkurrenten hinterher, wollen sie bleiben, um ebenfalls an der Erleuchtung der Bewohner teilzuhaben. Die Sinnfrage ist der Kern der Geschichte.
  • Der lange Regen (The Long Rain): Die Venus ist ein feuchtheißer, nebliger Planet mit niemals aufhörenden Regengüssen. Eine kleine Gruppe von Soldaten macht sich nach einer Bruchlandung mit ihrem Raumschiff auf den Weg zur Sonnenkuppel, einem von Menschen geschaffenen Gebäude, welches Sicherheit und Wärme bietet. Unterwegs verfallen sie nacheinander dem Wahnsinn und suchen den Tod, nur einer erreicht das ersehnte Paradies.
  • Der Raumfahrer (The Rocket Man)
  • Die Feuerballons (The Fire Balloons): Ein Orden von Wanderpredigern will die Marsbewohner, intelligente Feuerkugeln aus reiner Energie, missionieren. Auf dem Mars angekommen, stellen sie fest, dass die Marsianer ohne Erbsünde sind.
  • Die letzte Nacht der Welt (The last Night of the World): Die letzte Nacht der Erde ist angebrochen, eine Familie bereitet sich auf den unausweichlichen Weltuntergang vor. Die letzten Stunden werden allerdings mit alltäglichen Verrichtungen, z.B. Geschirr abwaschen, Radio hören und dergleichen, verbracht, da niemand aufgrund der Unausweichlichkeit in Panik gerät. Die Mutter steht sogar nachts noch ein Mal auf, weil sie vergessen hatte, den Wasserhahn abzudrehen.
  • Die Verbannten (The Exiles): Ein Raumschiff reist von der Erde zum Mars als etliche Mitglieder der Besatzung über schreckliche Träume klagen und manche sogar ohne ersichtlichen Grund sterben. Der Mars ist seit dem 21. Jahrhundert zur Zuflucht der Dichter des Grauens und Entsetzens und Anhänger des Übernatürlichen bzw. ihrer Bücher, die auf der wissenschaftshörigen Erde verboten wurden, und der darin vorkommenden Charaktere geworden. So leben hier u.a. Poe, Bierce und Carroll, die gemeinsam mit Hexen, die durch Zauber die Raumfahrer töteten, die Landung der Erdbewohner verhindern wollen. Einzig und alleine der verbannte Dickens fühlt sich zu unrecht in die Gruppe der Anhänger des Übernatürlichen gesteckt und kooperiert nicht, um die Landung zu verhindern. Schlussendlich erreichen die Raumfahrer ihr Ziel und verbrennen die Bücher – und somit im übertragenen Sinne auch die Autoren und ihre Charaktere, weshalb ein Raumfahrer Schreie zu hören glaubt.
  • Kein Abend, kein Morgen... (No Particular Night and Morning)
  • Der Fuchs und die Hasen (The Fox and the Forest)
  • Der Besucher (The Visitor): Menschen, die von einer hochinfektiösen Seuche befallen sind, werden auf dem Mars isoliert, um dort langsam zu sterben. Sie sehnen sich jedoch nach der Erde, dem verlorenen Paradies zurück. Eines Tages kommt der Besucher an, der in der Lage ist, die Illusion von einem Leben auf der Erde in den Köpfen der Menschen zu erzeugen. Da jeder den Besucher für sich alleine beansprucht, kommt es zum Konflikt, in dessen Verlauf der Besucher getötet wird.
  • Zementmixer (The Concrete Mixer): Ein Soldat vom Mars bereitet die Invasion der Marsarmee auf der Erde vor. Er besucht die Erde, wird begeistert empfangen, ein Filmboss umwirbt ihn und stellt ihm Geschäftsideen vor. Angewidert von Entartungen des „american way of life“, versucht er, zum Mars zu entfliehen, und wird von einer Horde lärmender Jugendlicher in einem Straßenkreuzer überfahren.
  • Marionetten, e.V. (Marionettes, Inc.): Eine Firma bietet individuell gestaltete, künstliche Menschen an, die von ihren realen Vorbildern, bis auf ein leises „Tick-tick-tick-tick-tick-tick-tick-tick-tick“ in der Brust, nicht zu unterscheiden sind. Ein Mann, der seiner Ehe mit den Jahren überdrüssig geworden ist, kauft eine Replik seiner selbst, die fortan seine Rolle bei der Ehefrau übernehmen soll und erzählt einem Freund von der Herstellerfirma. Dieser Freund möchte nun auch seine eigene Freiheit genießen und seine Frau täuschen, jedoch kam diese auf die gleiche Idee, hatte sich bereits durch eine Androidin ersetzt und vergnügt sich mit einem jungen Liebhaber im sonnigen Süden.
  • Die Stadt (The City): Eine weit entfernte Zivilisation im All wurde einst durch Bakterien ausgerottet, welche von raumfahrenden Menschen eingeschleppt wurden. In dieser Erkenntnis bauten die dem Tode geweihten Bewohner eine Stadt ihres Planeten zu einer Falle um, um darin in der Zukunft landende Menschen automatisch gefangen zu nehmen und deren Körper mit künstlichen Apparaten zu bestücken. Nach tausenden von Jahren tritt dieser Fall ein und derart manipuliert treten die umprogrammierten Raumfahrer den Heimflug zu Erde an, um sie mit Bakterien zu verseuchen.
  • Stunde Null (Zero Hour): Die Erde der Zukunft ist perfekt geschützt vor außerirdischen Eindringlingen, die Menschheit hat einen hohen technischen Standard erreicht. Die Marsbewohner finden die entscheidende Lücke: Die Begeisterungsfähigkeit von Menschenkindern. Getarnt in einem Spiel, das die Erwachsenen nicht ernst nehmen, die Kinder der Erde jedoch begeistert, dringen sie ein.
  • Das Raumschiff (The Rocket): Ein Vater erfüllt mit seinem letzten Geld den sehnlichsten Wunsch seiner Kinder, einen Raumflug mit einer Rakete. Mit ausgedienten Teilen vom Schrottplatz baut er eine Weltraumrakete und simuliert einen Raumflug, ohne dass sich die Rakete vom Boden erhebt. Die Kinder sind überglücklich.

Verfilmung[Bearbeiten]

Jack Smight verfilmte das Buch von Bradbury 1963 und brachte den Film im Sommer 1969 unter seinem Originaltitel The Illustrated Man unter anderem mit Rod Steiger in einer der Hauptrollen in die amerikanischen Kinos. In Deutschland wurde der Film unter dem Namen Der Tätowierte bekannt. Bradbury war mit dem Film jedoch nicht zufrieden.

„Den 'Illustrierten Mann' habe ich verabscheut; ein schrecklicher Film.“

Ray Bradbury, zitiert in: Alpers/ Fuchs/ Hahn: Lexikon des Science-Fiction-Films, Heyne Sachbuch Nr. 93

Erwähnung in anderen Medien[Bearbeiten]

In Folge 20 der 5 Staffel „...A Thousand Words“ der US-amerikanischen Fernsehserie Criminal Minds wird sowohl auf das Buch als auch auf den Film Der illustrierte Mann Bezug genommen. Auf dem Körper des Mörders sind Gesichter und Namen seiner Opfer tätowiert.

Literatur[Bearbeiten]