Prolog (Literatur)

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Der Prolog (griechisch πρόλογος /prólogos/ „das Vor-Wort, die Vor-Rede“) bedeutet so viel wie „Vorwort“. Es besteht aus den Bestandteilen „pro“ (griechisch „vor“) und „logos“ (griechisch „Wort“). Entsprechend bezeichnet der Epilog das Nachwort.

Ein Prolog ist eine Einleitung, Vorrede oder auch ein Vorwort. Bekannt für seine Vorworte war beispielsweise Erich Kästner, der seinen „heiteren Romanen“ für Erwachsene gern ein ausführliches, ironisches und teilweise selbstkritisches Vorwort voranstellte.

Im Drama wird der Prolog auf verschiedene Weise eingesetzt. Aristoteles definiert den Prolog formal als den „ganzen Teil der Tragödie vor dem Einzug des Chors“ (12, 1452b).[1] Im antiken Prolog treten die Schauspieler auf, meist in jambischen Sprechversen, bevor der Chor einzieht (Parodos): „Gemeinsam mit dem Parodos dient der Prolog der Exposition des ‚Mythos‘ des Dramas; es werden Personen, Ort und Zeit der Handlung fixiert. Mit Blick auf ihre Funktion bilden sie eine Einheit, hinsichtlich ihrer Form sind sie zu trennen.“[2]

Ein Prolog dient oft der Erläuterung der Intention des Stücks. Dabei kann die Handlung des Prologes mit dem Stück verbunden sein, jedoch auch losgelöst von dem eigentlichen Drama in die Thematik einführen. Der Prolog kann ein Dialog von zwei oder mehreren Figuren des Dramas sein, jedoch auch ein Monolog einer dem Stück zugehörigen oder neutralen Person sein.

Im Prolog von Goethes Faust I wird eine Wette zwischen Gott und dem Teufel dargestellt, ob Faust durch den Teufel vom rechten Weg abzubringen sei, wenn Gott ihm freie Hand lasse. Das Stück erhält dadurch zugleich einen Rahmen und einen Bezug zur Bibel. „Die „Exposition meines Faust“ hat „mit der des Hiob einige Ähnlichkeit“[3] Im Faust ist der Prolog „funktioneller Teil des Dramas“, „er führt in die augenblickliche Situation Fausts ein und bringt die Faust-Mephisto-Handlung schon in Bewegung“.[4] Hugo von Hofmannsthal verwendet für den „Prolog“ in mehreren Dramen eine Figur, welche einleitende Worte zum Publikum spricht.

Bei Bertolt Brecht haben Prologe oft die Funktion, die Handlung zu relativieren und den Zuschauer zu desillusionieren. Das modellhafte Geschehen auf der Bühne wird auf die Wirklichkeit bezogen. Im Stück Herr Puntila und sein Knecht Matti wird dem Publikum von einer der Darstellerinnen Charakter und Intention der Inszenierung vorgestellt. Es wird verdeutlicht, dass die Bühnenfigur des Gutsbesitzers für eine soziale Klasse steht, nicht nur für ein Einzelschicksal.

„Geehrtes Publikum, die Zeit ist trist.
Klug, wer besorgt, und dumm, wer sorglos ist!
Doch ist nicht überm Berg, wer nicht mehr lacht
Drum haben wir ein komisches Spiel gemacht.
Wir zeigen nämlich heute abend hier
Euch ein gewisses vorzeitliches Tier
Estatium possessor, auf deutsch Gutsbesitzer genannt
Welches Tier, als sehr verfressen und ganz unnützlich bekannt …“[5]

Das Wort „Prolog“ hat seinen Weg auch in andere Bereiche gefunden: So gibt es etwa bei vielen Fernsehserien, insbesondere Sitcoms, einen Prolog noch vor dem Vorspann, der den oben beschriebenen gleicht. Ein anderes Beispiel gibt es im Radsport. Am ersten Tag der Tour de France gibt es oft einen Prolog, bei dem es sich normalerweise um ein kurzes Einzelzeitfahren handelt, welches bereits in die Gesamtwertung eingeht.

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Entsprechungen in anderen Bereichen:

Andere Bestandteile des antiken Dramas:

  • der Epeisodion (gesprochene Zwischendialog)
  • der Stasimon (Chorgesänge zwischen den Epeisodien)

Literatur[Bearbeiten]

  • Juliane Vogel: Schattenland des ungelebten Lebens. Zur Kunst des Prologs bei Hugo von Hofmannsthal. In: Hofmannsthal Jahrbuch 1 (1993), ISSN 0946-4018, S. 165–181.
  • Uwe Wirth: Das Vorwort als performative, paratextuelle und parergonale Rahmung. In: Rhetorik. Figuration und Performanz. Hrsg. von Jürgen Fohrmann. Metzler, Stuttgart/Weimar 2004, ISBN 3-476-02009-6, S. 603–628.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach der digitalen Bibliothek.
  2. Michael Erler: Psychagogie und Erkenntnis. In: Otfried Höffe (Herausgeber): Aristoteles: Poetik. Oldenbourg Akademieverlag 2009, ISBN 978-3050044521, S. 138.
  3. Goethe zu Eckermann am 18. Januar 1825, zitiert nach: Goethe, Sämtliche Werke 6.1, München, Wien 1986, S. 996.
  4. Walter Hinck: Die Dramaturgie des späten Brecht. S. 31.
  5. Bertolt Brecht: Herr Puntila und sein Knecht Matti, BFA Bd. 6, S. 285.