Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH

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Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH
Logo der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 29. August 1990[1]
Sitz Frankfurt am Main
Leitung Tammo Diemer, Carsten Lehr
Mitarbeiter ca. 250 (2015)
Branche Finanzen
Produkte Sammelbegriff: Bundeswertpapiere; im Einzelnen: Bundesanleihen, Bundesobligationen, Bundesschatzbriefe, Tagesanleihe, Bundesschatzanweisungen, Unverzinsliche Schatzanweisungen, Inflationsindexierte Bundeswertpapiere zur Finanzierung am Geld- und KapitalmarktVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.deutsche-finanzagentur.de

Die Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH (kurz: Deutsche Finanzagentur) ist ein Finanzdienstleistungsunternehmen im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland. Rechtsgrundlagen sind § 1 der Verordnung zur Übertragung von Aufgaben nach dem Bundesschuldenwesengesetz "BSchuWV" und § 1 des Gesetzes zur Regelung des Schuldenwesens des Bundes "BSchuWG".

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde am 19. September 2000 durch Änderung des Gesellschaftsvertrags vom 29. August 1990[1] aus dem Firmenmantel der Berliner CVU Systemhaus Abwicklungsgesellschaft mbH[2][3] vom Bund gegründet und hat seinen Sitz in Frankfurt am Main.

Seit 2001 führt die Finanzagentur als zentraler Dienstleister die Kreditaufnahme des deutschen Staates und dessen Schuldenmanagement durch. Zuvor wurden diese Aufgaben dezentral vom Bundesministerium der Finanzen, Deutscher Bundesbank und der Bundeswertpapierverwaltung wahrgenommen. Am 1. August 2006 wurde die Finanzagentur mit der ehemaligen Bundeswertpapierverwaltung (ehemals Bundesschuldenverwaltung) zusammengelegt. Seither bot die Finanzagentur im Rahmen des Privatkundengeschäfts auch für Privatanleger die kostenlose Schuldbuchverwaltung für Bundeswertpapiere in Form eines Schuldbuchkontos und den gebührenfreien Erwerb von Bundesschatzbriefen, Finanzierungsschätzen sowie seit 1. Juli 2008 der Tagesanleihe an.

Das immer umfangreichere und aktiv vermarktete Angebot von Geldanlageprodukten der Kreditinstitute sorgte seit Ende der 90er Jahre für einen Attraktivitätsverlust und damit eine rückläufige Nachfrage nach Bundeswertpapieren seitens der Privatanleger. Verstärkt wurde dieser Trend durch das, sich in Folge der Finanzkrise ab 2009 immer stärker etablierende, sehr niedrige Zinsniveau für als sicher geltende deutsche Staatsanleihen. In Summe führten beide Entwicklungen zu einem spürbaren Bedeutungsverlust des Privatkundengeschäfts für die Finanzierung des Bundes. So fiel der Anteil der Bundeswertpapiere für Privatanleger an der Kreditaufnahme des Bundes von fast 40 % Anfang der 90er Jahre nach 2009 auf weniger als 1 %.[4] 2012 wurde daraufhin entschieden, das Privatkundengeschäft einzustellen.[5][6]

In den Jahren 2010 bis 2013 erbrachte die Finanzagentur Dienstleistungen für die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität "EFSF". Im Juni 2013 übernahm sie die Emission der Bund-Länder-Anleihe einer gemeinsamen Anleihe des Bundes mit zehn Ländern.[7]

Aufgaben, Ziele, Geschäftsführer, Gesellschafter[Bearbeiten]

Die bundeseigene Gesellschaft erfüllt Aufgaben bei der Haushalts- und Kassenfinanzierung des Bundes. Sie stellt damit sicher, dass alle im Bundeshaushaltsplan festgeschriebenen Ausgaben bestritten und fällig werdende Kredite pünktlich getilgt werden können. Zu ihrem Aufgabenspektrum zählen im Einzelnen Dienstleistungen bei der Emission von Bundeswertpapieren, die Kreditaufnahme mittels Schuldscheindarlehen, der Einsatz derivativer Finanzinstrumente zur (Schulden-)Portfoliooptimierung sowie Geldmarktgeschäfte zum täglichen Ausgleich des Kontos der Bundesrepublik Deutschland bei der Bundesbank. Ergänzend erstellt sie Marktanalysen und erarbeitet Kreditaufnahmestrategien, Überwacht die Risiko- sowie die Liquiditätssituation. Bei Ihren Finanzierungstätigkeiten wird sie ausschließlich im Namen und auf Rechnung des Bundes tätig.[8]

Seine Zahlungsfähigkeit permanent sicherzustellen, ist ihre wichtigste Aufgabe. Dabei ist es ihr Unternehmensziel, sowohl die Zinskostenbelastung für den Bund als Schuldner (und damit den Steuerzahler) so gering wie möglich zu halten, als auch die Risiken, bspw. die Auswirkungen von Zinsänderungen am Rentenmarkt auf das Schuldenportfolio, zu begrenzen. Aufgrund der hohen Bedeutung der Kreditaufnahme und des Schuldenmanagements wird die Arbeit der Finanzagentur seit Jahrzehnten vom Bundesfinanzierungsgremium überwacht.[9]

Geschäftsführer der Finanzagentur sind Dr. Tammo Diemer[10] und Dr. Carsten Lehr.

Alleiniger Gesellschafter der Finanzagentur ist der Bund, vertreten durch das Bundesministerium der Finanzen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Handelsregister B des Amtsgerichts Frankfurt am Main: HRB 51411, 25. Mai 2009, S. 1 und 2 (Abruf vom 22. März 2010)
  2. Handelsregister Frankfurt am Main: Neueintragung HRB 51411, 18. Januar 2001
  3. Handelsregister Berlin: HRB 40774, 21. Februar 2001
  4. Der Schatzbrief geht, die Sicherheit bleibt eFORUM:Bundeswertpapiere 2012 (PDF; 801 kB), abgerufen am 2. März 2015.
  5. Bundeswertpapiere: Aus für Bundesschatzbriefe, FAZ vom 3. Juli 2012, abgerufen am 2. März 2015.
  6. Anpassungen im Vertrieb und in der Verwahrung von Bundeswertpapieren, Pressemitteilung Nr. 22 der Finanzagentur des Bundes vom 22. November 2012 (PDF; 36,3 kB), abgerufen am 18. März 2015.
  7. Historie der Finanzagentur, Internetseite, abgerufen am 2. März 2015.
  8. Schuldenmanager des Bundes - Die Finanzagentur und ihre Aufgaben, eFORUM:Bundeswertpapiere Oktober 2011 (PDF; 1,21 MB), abgerufen am 18. März 2015.
  9. Finanzagentur "über uns", Internetseite, abgerufen am 2. März 2015.
  10. Siehe dazu weiterführend: Finanzagentur: Tammo Diemer wird oberster Schuldenmanager, Frankfurter Rundschau, abgerufen am 6. Februar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

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