Die Islandglocke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Islandglocke (isl.Íslandsklukkan, geschrieben von 1943 bis 1946) ist der bekannteste Roman des isländischen Schriftstellers Halldór Laxness (1902–1998). Die deutschsprachige Erstausgabe ist aus dem Jahr 1951.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Handlung erstreckt sich über mehr als zwei Jahrzehnte und spielt im unter dänischer Herrschaft stehenden Island des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts; die zeitliche Verdichtung in Wirklichkeit weiter auseinander liegender Ereignisse der lokalen Geschichte macht eine genauere Datierung unmöglich. Einige kürzere Episoden spielen auch in den Niederlanden, Deutschland und vor allem Dänemark. Die soziale und politische Situation Islands spielt eine große Rolle; gezeigt werden die verelendeten Bauern, die stolze, aber gleichfalls recht einfach lebende Oberschicht und die reichen dänischen Profiteure, aber auch der Stolz auf das Land und seine alten Überlieferungen bei Isländern aller Schichten.

Sehr eng verknüpft, fast zu eng, um als verschiedene Handlungsstränge betrachtet zu werden, stehen zwei Geschichten im Mittelpunkt. Da ist einmal die nur abschnittsweise glückliche Liebesgeschichte zwischen der schönen, selbstbewussten und vornehmen blonden Richterstocher Snæfriður und dem Gelehrten Arnas Arnaeus, der auf dem Lande nach kostbaren alten Handschriften sucht, die teilweise zweckentfremdet und der Zerstörung ausgesetzt sind, für ihn das wichtigste Erbe aus den glanzvollen Zeiten des nun erniedrigten Landes. Später versucht er als königlicher Beauftragter vergebens, die Situation auf der Insel zu verbessern; seine Ideale von Gerechtigkeit treffen auf den Starrsinn der auf ihre althergebrachte Gesellschaftsordnung stolzen Isländer und auf den Widerstand der dänischen Kaufleute. Immer wieder entscheidet sich Arnaeus gegen Snæfriður und für andere Vorhaben, die, wie er glaubt, wichtiger sind für das Land.

Der zweite Handlungsstrang stellt den mit allen Wassern gewaschenen Bauern Jón in den Mittelpunkt. Er wird des Mordes angeklagt, kann sich einer Hinrichtung gerade noch entziehen und irrt anschließend jahrelang durch Europa. Nach seiner Rückkehr nach Island wird der Prozess immer wieder aufgerollt. Snæfriðurs Vater hat ihn das erste Mal aufgrund vager Indizien verurteilt, das Mädchen selbst ihm die Flucht ermöglicht, ihr Vater lässt ihn dann unbehelligt zum Hof zurückkehren; Arnaeus veranlasst im Namen der Gerechtigkeit die erste in einem harten Urteil gegen Snæfriðurs Vater endende Wiederaufnahme des Prozesses, Snæfriður die zweite, um durch eine Verurteilung Jons und Arnaeus' die Ehre ihres Vaters wiederherzustellen.

Zum Ende des Romans lehnt Arnaeus das Angebot eines Hamburger Kaufmanns, Island zu kaufen und ihn zum Herzog zu machen, ab, damit ist zugleich die letzte Möglichkeit einer Zukunft mit Snæfriður verstellt. Ein Brand Kopenhagens vernichtet Arnaeus' Bibliothek bis auf wenige Werke, seine Resignation verhindert die Rettung. Snæfriður heiratet ihren von ihr zuvor immer wieder demütigend zurückgewiesenen „ewigen Freier“, den gelehrten, zeitweise fanatisch asketischen und dem Katholizismus zugeneigten neuen Bischof von Skálholt. Jon, mittlerweile stark gealtert, wird schließlich freigesprochen.

Der Roman besteht aus drei Büchern bzw. Teilen: Íslandsklukkan (dt. Die Glocke Islands, 1943), Hið ljósa man (dt. Die lichte Maid, 1944), Eldur í Kaupinhafn (dt. Feuer in Kopenhagen, 1946).

Interpretatorische Einordnung und Hintergrund[Bearbeiten]

Der auf den Bauern Jón bezogene Handlungsstrang, der mit dem ersten um Arnas Árnaeus allerdings eng verknüpft ist, erinnert immer wieder an berühmte Schelmenromane wie etwa Grimmelshausens "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch".

Viele wichtige Personen und Ereignisse beruhen auf realen Fakten, die sich aus dem intensiven Quellenstudium des Autors ergaben. Tatsächlich ereignet haben sich etwa der Prozess gegen Jón Hreggvidson und der Brand Kopenhagens. Die Figur des Arnas Arnaeus ist an die historische Gestalt des Árni Magnússon (1663–1730, lat.: Arnas Magnaeus) angelehnt, der tatsächlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Island herumreiste und alte Schriften aufkaufte. Auf diese Weise wurden kostbare Manuskripte u.a. von Sagas vor dem Verfall und Verschwinden gerettet. Die Texte wurden zunächst in Kopenhagen aufbewahrt, aber in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts an Island zurückgegeben.

Weblinks[Bearbeiten]