Die Killer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Killer ist eine Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, die zuerst 1927 unter dem englischen Titel The Killers im Scribner's Magazine erschien und dann in die Sammlung Men Without Women (ebenfalls 1927 von Scribner's veröffentlicht) aufgenommen wurde. Sie gilt als eine der besten Kurzgeschichten Hemingways und der nordamerikanischen Literatur überhaupt.[1]

Handlung[Bearbeiten]

Nick Adams wird als Stammgast in einem Kleinstadtlokal Zeuge eines Überfalls. Zwei Berufsverbrecher bedrohen Nick, den Wirt und den Koch mit einer Schrotflinte und lauern einem anderen Stammgast des Lokals auf. Das anvisierte Opfer, der frühere Boxer Ole Andreson, erscheint jedoch nicht, und die Gangster ziehen sich zurück. Nick sucht Ole Andreson auf, um ihn zu warnen, obwohl er sich dadurch selbst gefährden könnte. Andreson weiß um die Gefahr, erscheint aber zu niedergeschlagen, um etwas zu unternehmen; er lehnt es auch ab zu fliehen. Als Grund für den geplanten Mord an Andreson wird lediglich eine Vermutung genannt: „Er war wohl in Chicago in irgendwas verwickelt.“

Interpretationsansatz[Bearbeiten]

Die Handlung der Kurzgeschichte im ersten Teil läuft gleichsam rituell in einem bestimmten Zeitraum auf einem begrenzten Schauplatz nach festliegenden Regeln ab. Die Erzählung ist emotionslos; Gefühle bleiben dem Leser vorbehalten. Zwar wird in der Kurzgeschichte nicht getötet, der Leser hat dennoch die Gewissheit, dass Ole Anderson irgendwann ermordet wird. Obwohl Nick Adams versucht, Ole Andreson zu retten, ist das Schicksal nicht aufzuhalten. Es ist zeitlos und wird sich erfüllen. Dabei spielt es keine Rolle mehr, zu welchem Zeitpunkt das geschieht.[2]

Mit der Unbestimmtheit der Aussage „They‘ll kill him“ im Original wird auf eine undefinierbare Zukunft verwiesen ohne Nennung eines exakten Zeitpunktes. Im Hinblick auf die handelnden Subjekte in der Geschichte entsteht so durch diese Ausweitung ins Unbestimmte und Ungreifbare eine allgemeine Atmosphäre der Bedrohlichkeit, die durch die Ungewissheit über die Hintergründe, Motive, Auftraggeber und ausführenden Täter noch weiter verstärkt wird. Wie Kuno Schuhmann in seiner Interpretation der Kurzgeschichte ausführt, entspricht dem, „dass die entscheidenden Personen nicht im entscheidenden Augenblick auftreten. Ole Anderson begegnet dem Leser erst, als seine Zeit bereits verstrichen ist.”[3]

Auffällig an der Erzählweise Hemingways ist vor allem in dieser Kurzgeschichte, die auch im Hinblick auf den Spannungsaufbau als ein „Meisterwerk seiner episch-dramatischen Technik“ gilt,[4] seine Methode, nur anzudeuten und die Einzelheiten der Imagination des Lesers zu überlassen[5] (vgl. dazu auch Hemingways „Eisbergmodell”).

Das Thema, das Hemingway am Beispiel Ole Andresons darstellt, ist das „der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit“, jedoch behandelt er es eben nicht in der traditionellen Erzählform: es wird weder von tränenvollen Augen oder Oles Klagen erzählt, als Nick ihn aufsucht. Stattdessen erhält der Leser am Ende einen „visuellen Eindruck, in dem alle Einzelheiten der Hoffnungslosigkeit enthalten sind“. Oles Bewegung und schließlich sein regungsloser Blick auf die Wand, als Nick den Raum verlässt, deuten seinen Abschied von dieser Welt an (im Originaltext: „As he shut the door he saw Ole Andreson ... looking at the wall“). So heißt es in der Analyse von Broder Carstensen: „Ole ist tot, obwohl sein Körper noch lebt.”[6]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der junge Nick Adams ist der Protagonist mehrerer Kurzgeschichten von Hemingway. Wie etwa in „Indianerlager“ und „Der Kämpfer“ wird Nick mit einer rauen Wirklichkeit konfrontiert. In „Die Killer“ bleibt er jedoch nicht der passive Beobachter, sondern versucht verantwortungsvoll zu handeln, indem er sich bemüht, Ole Anderson zu warnen.

Verfilmung[Bearbeiten]

„Die Killer“ war Anlass für zwei Filme, an deren Anfang die Konfrontation der Killer mit dem Opfer steht. Die Filmhandlung entwickelt dann in Rückblenden, wie das Opfer in kriminelle Machenschaften verstrickt wurde.

Weiteres

  • Ubiitsy (1958), Kurzfilm von Andrei Tarkowski
  • The Killers (1998), Kurzfilm von Todd Huskisson

Deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

  • Ernest Hemingway: Um eine Viertelmillion. Zwei Stories. Einbandzeichnung von Werner Bürger, aus dem Amerikanischen von Annemarie Horschitz-Horst. Hyperion Verlag, Freiburg um 1958, OCLC 73445060.
  • Die Killer. In: Ernest Hemingway: 49 stories. Band 2: Männer ohne Frauen. aus dem Amerikanischen von Annemarie Horschitz-Horst. 1. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin 1977, DNB 780123948, S. 51–61.

Literatur[Bearbeiten]

  • Broder Carstensen: Das Zeitmoment und einige charakteristische Motive in Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. In: Franz H. Link (Hrsg.): Amerika · Vision und Wirklichkeit, Beiträge deutscher Forschung zur amerikanischen Literaturgeschichte. Athenäum Verlag, Frankfurt a. M. u. a. 1968, S. 294–305.
  • Hans Galinski: Beharrende Strukturzüge im Wandel eines Jahrhunderts amerikanischer Kurzgeschichte (dargelegt an E. A. Poes “The Masque of the Red Death” und Ernest Hemingways “The Killers”). In: Heinz Galinski, Klaus Lubbers (Hrsg.): Zwei Klassiker der amerikanischen Kurzgeschichte · Interpretationen zu Edgar Allan Poe und Ernest Hemingway. Diesterweg Verlag, Frankfurt a. M. 1971, ISBN 3-425-04213-0, S. 5–51.
  • Kuno Schuhmann: Hemingway • The Killers. In: Karl Heinz Göller u. a. (Hrsg.): Die amerikanische Kurzgeschichte. August Bagel Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3-513-02212-3, S. 268–277.

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Siodmaks Film wurde am 23. Januar 2012 von ARTE ausgestrahlt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Broder Carstensen: Das Zeitmoment und einige charakteristische Motive in Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. In: Franz H. Link (Hrsg.): Amerika · Vision und Wirklichkeit, Beiträge deutscher Forschung zur amerikanischen Literaturgeschichte. Athenäum Verlag, Frankfurt a.M. u. a. 1968, S. 294.
  2. Broder Carstensen: Das Zeitmoment und einige charakteristische Motive in Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. In: Franz H. Link (Hrsg.): Amerika · Vision und Wirklichkeit, Beiträge deutscher Forschung zur amerikanischen Literaturgeschichte. Athenäum Verlag, Frankfurt a.M. u. a. 1968, S. 299.
  3. Kuno Schuhmann: Heminway • The Killers. In: Karl Heinz Göller u. a. (Hrsg.): Die amerikanische Kurzgeschichte. August Bagel Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3-513-02212-3, S. 274f.
  4. Broder Carstensen: Das Zeitmoment und einige charakteristische Motive in Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. In: Franz H. Link (Hrsg.): Amerika · Vision und Wirklichkeit, Beiträge deutscher Forschung zur amerikanischen Literaturgeschichte. Athenäum Verlag, Frankfurt a.M. u. a. 1968, S. 295.
  5. Broder Carstensen: Das Zeitmoment und einige charakteristische Motive in Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. In: Franz H. Link (Hrsg.): Amerika · Vision und Wirklichkeit, Beiträge deutscher Forschung zur amerikanischen Literaturgeschichte. Athenäum Verlag, Frankfurt a.M. u. a. 1968, S. 301.
  6. Broder Carstensen: Das Zeitmoment und einige charakteristische Motive in Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers. In: Franz H. Link (Hrsg.): Amerika · Vision und Wirklichkeit, Beiträge deutscher Forschung zur amerikanischen Literaturgeschichte. Athenäum Verlag, Frankfurt a.M. u. a. 1968, S. 301 und 302.