Digital Addressable Lighting Interface

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Digital Addressable Lighting Interface (DALI) ist in der Gebäudeautomatisierung ein Protokoll zur Steuerung von lichttechnischen Betriebsgeräten wie z. B. Schaltnetzteilen („elektronischer Transformator“), elektronischen Vorschaltgeräten (EVG) oder elektronischen Leistungsdimmern.

Allgemeines[Bearbeiten]

DALI Komponenten

Jedes Betriebsgerät, das über eine DALI-Schnittstelle verfügt, kann über DALI-Kurzadressen einzeln angesteuert und in der Intensität verändert werden. Durch einen bidirektionalen Datenaustausch kann ein DALI-Steuergerät bzw. ein DALI-Gateway den Status von Leuchtmitteln bzw. von Betriebsgeräten einer Leuchte abfragen bzw. den Zustand setzen. Jedem Betriebsgerät an einem DALI Strang können bis zu 16 Gruppen zugeordnet werden, um eine synchrone Ansteuerung der Betriebsgeräte zu ermöglichen. Darüber hinaus können bis zu 16 Stimmungen (=vordefinierte Intensitätstellwerte) pro Betriebsgerät gespeichert und bei Bedarf aufgerufen werden. DALI kann als „Inselsystem“ mit maximal 64 Betriebsgeräten betrieben werden oder als Subsystem über DALI-Gateways in modernen Gebäudeautomationssystemen. Im Prinzip hat sich DALI als Nachfolger für den noch immer marktbeherrschenden 1-10 V-Standard (EVGs mit 1 bis 10 V-Schnittstelle) etabliert, außerdem gilt es als Nachfolger des Digital Serial Interface (DSI). Die Hauptunterschiede bestehen zum einen darin, dass jedes DALI Betriebsgerät individuell unterschiedliche Intensitätsstellwerte besitzen kann, während bei 1-10V bzw. DSI alle Betriebsgeräte stets denselben Intensitätsstellwert aufweisen. Zum anderen ist bei 1-10V bzw. DSI lediglich ein unidirektionaler Informationsfluss (von der Steuerung zum Betriebsgerät) möglich.

DALI verwendet ein serielles, asynchrones Datenprotokoll mit einer Übertragungsrate von 1200 Bit/s bei einem Spannungsniveau von 16 V. Die Steuerleitung ist galvanisch getrennt und polaritätsfrei (verpolungssicher). Im Standard ist keine Festlegung für zu verwendenden Stecker, Klemmen und Leitungen getroffen worden. Die Leitungen können in fast beliebigen Topologien, also Stern, Linien- oder Baumstrukturen verlegt werden. Eine ringförmige Verbindung von Komponenten muss jedoch vermieden werden. Die Leitungslänge zwischen zwei Systemteilnehmern ist (abhängig vom Leitungsquerschnitt) auf maximal 300 Meter begrenzt. Es sind keine Abschlusswiderstände am Ende einer Leitung notwendig.

DALI bietet die Möglichkeit, einen bestimmten "Systemfehlerwert" (sog. System Failure Level) einzunehmen, für den Fall, dass die Ruhespannung von 16V ausfällt und eine Kommunikation zu den Betriebsgeräten nicht mehr möglich ist.

Normung[Bearbeiten]

Das IEC-Unterkomitee SC 34C bearbeitet die Normenreihe IEC 62386 "Digital adressierbare Schnittstelle für die Beleuchtung".

IEC 62386-1xx Teile 1xx: Allgemeine Anforderungen
IEC 62386-101:2009-06 Teil 101: System (PDF-Datei; 288 kB)
IEC 62386-102:2009-06 Teil 102: Betriebsgeräte (PDF-Datei; 268 kB)
IEC 62386-2xx Teile 2xx: Besondere Anforderungen an Betriebsgeräte
IEC 62386-201:2009-06 Teil 201: (PDF-Datei; 222 kB) Leuchtstofflampen (Gerätetyp 0)
IEC 62386-202:2009-06 Teil 202: (PDF-Datei; 269 kB) Notbeleuchtung mit Einzelbatterie (Gerätetyp 1)
IEC 62386-203:2009-06 Teil 203: (PDF-Datei; 223 kB) Entladungslampen (ausgenommen Leuchtstofflampen) (Gerätetyp 2)
IEC 62386-204:2009-06 Teil 204: (PDF-Datei; 229 kB) Niedervolt-Halogenlampen (Gerätetyp 3)
IEC 62386-205:2009-06 Teil 205: (PDF-Datei; 228 kB) Versorgungsspannungsregler für Glühlampen (Gerätetyp 4)
IEC 62386-206:2009-06 Teil 206: (PDF-Datei; 225 kB) Umwandlung des digitalen Signals in eine Gleichspannung (Gerätetyp 5)
IEC 62386-207:2009-06 Teil 207: (PDF-Datei; 233 kB) Besondere Anforderungen an Betriebsgeräte - LED-Module (Gerätetyp  6)
IEC 62386-208:2009-06 Teil 208: (PDF-Datei; 264 kB) Schaltfunktion (Gerätetyp 7)
IEC 62386-209:2011-06 Teil 209: (PDF-Datei; 404 kB) Farb-/Farbtemperatursteuerung (Gerätetyp 8)
IEC 62386-210:2011-04 Teil 210: (PDF-Datei; 301 kB) Sequenzer (Gerätetyp 9)

Zusätzlich wird bei der NEMA das DALI normiert:

NEMA 243-2004 Part 1 (Draft) (PDF-Datei; 1,09 MB)
NEMA 243-2004 Part 2 (Draft) (PDF-Datei; 347 kB)

Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Planung und Inbetriebnahme von DALI-Systemen bedarf guter Überlegung. So gibt es wichtige Randbedingungen zu beachten, welche sich direkt aus der IEC 62386 ableiten:

  • Es sind maximal 64 Aktoren pro DALI-Bus erlaubt.
  • Die maximale Stromaufnahme eines DALI-Kreises beträgt 250 mA.
  • Die Stromaufnahme pro DALI-Aktor (eine DALI-Last) beträgt maximal 2 mA.
  • Der maximale Spannungsabfall zwischen Sender und Aktor darf 2 V nicht überschreiten.

Weitere Randbedingungen ergeben sich indirekt aus der Norm:

  • Die Leitungslänge beträgt (bei Verwendung von 1,5 mm² Leitern) 300 m.
  • Bei Ausnutzung der maximalen Leitungslänge ist es nicht ratsam DALI in Kombination mit der Netzleitung zu verlegen.
  • Nicht alle Verlegearten des Busses sind erlaubt, Ringform ist gänzlich zu vermeiden.[1]

Die Energieversorgung der DALI-Komponenten erfolgt in der Regel über eine gesonderte Netzversorgung.

Die Isolation der digitalen Schnittstelle entspricht den Anforderungen der Basisisolierung; die Prüfung erfolgt nach dem Standard IEC 60 928. Somit ist SELV (Safety Extra LowVoltage) nicht gewährleistet. Eine Verlegung von Verbindungsleitungen der digitalen Schnittstelle mit den Netzversorgungsleitungen (z.B. 230 V) kann bei Einhaltung der Isolationsbedingungen (2 x Basisisolierung) durchgeführt werden. Oft werden daher die beiden „freien“ Leitungen eines 5x1,5 mm² NYM-Kabels für die Steuerleitungen (zusammen mit den restlichen Adern für Phase, Neutral- und Schutzleiter) verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Gerster: Moderne Beleuchtungssysteme für drinnen und draussen. 1. Auflage, Compact Verlag, München, 1997, ISBN 3-8174-2395-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Produktbeschreibung Vossloh-Schwabe