Dreikönigskuchen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schweizer Dreikönigskuchen
Französische Galette de Rois
Dreikönigskuchen mit Pappkronen
Französische Dreikönigskuchen-Figuren aus dem 19. Jahrhundert

Der Dreikönigskuchen (englisch King Cake oder King’s Cake, französisch Galette des Rois, spanisch Roscón de Reyes, portugiesisch Bolo Rei) ist ein traditionelles Festtagsgebäck, das zum 6. Januar, dem Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), dem Festtag der heiligen drei Könige gebacken wird. Der darauf verweisende alte Brauch des Bohnenkönigs wurde in den 1950er Jahren wiederbelebt und ist heute vor allem in der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, England und Spanien, aber auch in Mexiko und New Orleans sehr verbreitet.

Regional sind die Rezepturen sehr unterschiedlich, gemeinsam ist aber allen Dreikönigskuchen, dass eine getrocknete Bohne, eine Mandel, eine Münze oder ein anderer kleiner Gegenstand, heute oft eine kleine Figur in Form eines Königs oder eines Babys eingebacken wird. Wer beim Essen auf diesen Glücksbringer stößt, ist für einen Tag Königin oder König der Familie.

In der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wird der Dreikönigskuchen aus süßem Hefeteig hergestellt, der zu Kugeln geformt, blütenförmig angeordnet und mit Mandelblättchen und Hagelzucker bestreut wird. Die meisten Schweizer backen ihren Dreikönigskuchen nicht mehr selbst, sondern kaufen ihn samt goldener Papierkrone zum Aufsetzen im Supermarkt oder beim Bäcker. In diesen industriell gefertigten Dreikönigskuchen ist ein kleiner König aus Kunststoff eingebacken.

Beim Dreikönigskuchen handelt um einen der erfolgreichsten aktuellen Bräuche mit einer gesamtschweizerischen Verbreitung und einem festen Termin im Jahreslauf. Die Verkaufszahlen belegen die Relevanz dieses Phänomens für die Schweiz. Allein die Jowa AG, die Bäckerei des Großverteilers Migros, produzierte im Jahr 2000 mehr als 500.000 Dreikönigskuchen, bei der schweizerischen Lebensmittelgenossenschaft Coop wurden rund 250.000 Kuchen produziert. Die Pistor als Zulieferbetrieb für die gewerblichen Bäckereien in der Schweiz, die unter anderem auch die Königs-Plastikfigürchen liefert, gibt die Produktionsmenge für die Bäckereien mit «mehreren hunderttausend» an. Auf den enormen Erfolg und die große Verbreitung deuten auch die Verkaufszahlen der Königsfigürchen hin: 2004 wurden gegen eine halbe Million Kunststoffkönige an die gewerblichen Bäckereien geliefert, wobei die Migros und der Coop über separate Figürchenlieferanten verfügen. Insgesamt dürften aktuell in der Schweiz jährlich also gegen 1,5 Millionen Dreikönigskuchen verkauft werden, wobei die Tendenz nach wie vor klar steigend ist. Dies würde ungefähr ein Kuchen pro schweizerischen Haushalt bedeuten – eine Verbreitung, die kaum ein anderer Brauch in der Schweiz findet.[1]

Der Brauch des Dreikönigskuchens wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Brotforscher Max Währen wiederbelebt. Währen zufolge lässt sich der Brauch in der Schweiz erstmals im Jahr 1390 urkundlich belegen. Währen führte den Brauch des "Königs für einen Tag" auf römische Saturnalienfestspiele zurück, bei denen die Sklaven für einen Tag hätten König sein dürfen im Sinne einer "verkehrten Welt". Währen leitete daraus eine positive Verwurzelung des Brauchs in einem egalitären Grundgedanken als "Fest ohne Standesunterschiede" ab. Die neuere volkskundliche Forschung sieht Währens Forschungsergebnisse kritisch und als zu sehr von dem Wunsch getragen, einen ideologisch unbelasteten Brauch wiederzubeleben. Die Herleitung aus einem römischen Fest beruht demnach auf dünnen Indizien und lässt sich wissenschaftlich nicht belegen.[1]

In Griechenland[Bearbeiten]

In Griechenland wird eine Münze in den Vasilopita (wörtlich: Königs-Brot) genannten Dreikönigskuchen eingebacken, der traditionell am 1. Januar verzehrt wird.

In Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich gibt es zwei Arten von Kuchen. Im Norden Frankreichs isst man traditionell die Galette des Rois aus Blätterteig, häufig mit einer Marzipanfüllung. Im Süden gibt es die Couronne oder den Gâteau des Rois, ähnlich der katalanischen Tortell, die aus Briocheteig hergestellt und mir kandierten Früchten gefüllt bzw. verziert wird. In jedem Kuchen wird eine Porzellanfigur versteckt.

In Spanien[Bearbeiten]

Der Roscón de Reyes („Königskranz“) ist ein traditioneller Kranzkuchen aus Hefeteig, der in Spanien nur für das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gebacken wird. Es gibt ihn ohne Füllung, mit Schlagsahne oder mit Trüffelfüllung.

Darin versteckt sind jeweils ein Porzellanfigürchen und eine Bohne, die keinesfalls verzehrt werden darf. Die Tradition besagt, dass derjenige, der die Bohne in seinem Kuchenstück findet, den Kuchen für alle Gäste bezahlen muss. Andererseits wird derjenige, der das Glück hat, die kleine Porzellanfigur zu finden, von allen zum „König“ gekrönt. Der Kranzkuchen ist verziert mit kandierten Früchten wie Orangenscheiben, roten und grünen Kirschen u. ä.

In Katalonien kennt man dasselbe Brauchtum und einen sehr ähnlichen Kuchen als Tortell de Reis („Königskuchen“). Gefüllt wird er u. a. mit Marzipan, Cabello de ángel oder Schlagsahne.

In Portugal[Bearbeiten]

In Portugal (und in Brasilien) ist der Dreikönigskuchen als Bolo Rei bekannt. Er wird aus Hefeteig gefertigt und ähnlich wie in Spanien und Südfrankreich mit kandierten Früchten kandiert. Anders als dort, wird er aber als kugeliger Laib und nicht als Kranz geformt.

In Mexiko[Bearbeiten]

Die Tradition der Rosca de Reyes („Königskranz“) wurde in Mexiko im 16. Jahrhundert von Spanien eingeführt. Der Kuchen wird aus Hefeteig und normalerweise ohne Füllung, nur für das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gebacken. Der Kranzkuchen ist verziert mit kandierten Wüstenfrüchten wie Datteln, Feigen, u. ä.

Darin versteckt sind jeweils, nach Wahl, mehrere Porzellan- oder Keramikfigürchen. Die Tradition besagt, dass derjenige, der ein Porzellankind findet, eine Nachfolge zum Fest machen und ebenfalls Tamales für alle Gäste backen muss. Das Fest wird dann am 2. Februar, der Fiesta de la Candelaria (Mariä Lichtmess), gefeiert.

Louisiana[Bearbeiten]

Die Tradition des King Cake in Louisiana und insbesondere in New Orleans wurde von französischen Einwanderern begründet und reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Diese Einwanderer brachten sowohl die nordfranzösische Galette des Rois aus Blätterteig mit Marzipanfüllung (heute als French King Cake bekannt) als auch die südfranzösische Variante des bunt dekorierten Hefeteigrings (heute als King Cake bekannt) nach New Orleans, wo beide Versionen bis heute existieren. Gemeinsam haben beide Sorten, dass eine kleine Babyfigur aus Plastik, die das neugeborene Christuskind symbolisiert, im Kuchen versteckt wird (früher wurden Nüsse, Bohnen, Erbsen oder Münzen benutzt). Der Finder ist der König oder die Königin des Tages und muss die nächste Kin-Cake-Party ausrichten.[2][3][4][5]

Der ringförmige King Cake, aus Brioche-Teig oder auch dänischem Plundert-Teig, wird in der Mardi-Gras-Season oder Carneval Season, die in New Orleans vom Dreikönigstag (6. Januar) bis Fasnachtsdienstag dauert, gebacken und auf King-Cake-Parties verzehrt. Die Kuchen sind mit Zuckerguß und bunten Zuckerstreuseln in den traditionellen Farben des Mardi Gras, Grün, Purpur und Gold, verziert. Die Farben stehen für Gerechtigkeit, Treue und Macht und erinnern an die Juwelen in den Kronen der weisen Könige, die das Jesuskind aufsuchten. Wurden die Kuchen früher eher zuhause gebacken, zählen sie seit den 1950er Jahren zum Angebot von Bäckereien und Supermärkten und werden in großer Zahl verkauft. Seit den 1980er Jahren existiert der früher meist ungefüllte oder nur mit Zimt gewürzte King Cake in vielen Varianten mit verschiedenen Füllungen, wie beispielsweise Cream Cheese and Apple, Triple Chocolate oder Vodka und wird von New Orleans in viele andere Bundesstaaten der USA und darüber hinaus[6] exportiert. Ende der 1980er Jahre stieß die Spezialität zunehmen auf Interesse bei Journalisten, die über den King Cake in überregionalen Zeitungen berichteten, was die Nachfrage weiter wachsen ließ.[2][3][4][5]

Die Variante aus Blätterteig ist etwas seltener anzutreffen und wir meist von den French Bakeries produziert und angeboten.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Konrad J. Kuhn: Dreikönigskuchen: Ein Brauch der Gegenwart zwischen ritueller Funktion, Archaisierung und Kommerz. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 105. Reinhardt, Basel 2009, S. 109–126. Postprint abrufbar bei http://www.zora.uzh.ch

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dreikönigskuchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Konrad J. Kuhn: Dreikönigskuchen: Ein Brauch der Gegenwart zwischen ritueller Funktion, Archaisierung und Kommerz. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 105. Reinhardt, Basel 2009, S. 109–126. Postprint abrufbar bei http://www.zora.uzh.ch
  2. a b c http://www.nola.com/mardigras/index.ssf/2012/02/history.html abgerufen 9. Juni 2014
  3. a b http://www.neworleansshowcase.com/hisofkincak.html#.U5WDXChMETB 09.06.2014
  4. a b https://www.kingcakes.com/lagniappe.php abgerufen am 9. Juni 2014
  5. a b Susan Tucker:King Cakes. In: The New Encyclopedia of Southern Culture. Vol 7: "Foodways". Chapel Hill, 2007, S. 190
  6. http://www.npr.org/2011/03/04/134272508/new-orleans-haus-bringing-louisiana-food-culture-to-berlin abgerufen am 9. Juni 2014