DuPont

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E. I. du Pont de Nemours and Company
dupont Logo
Rechtsform AG
ISIN US2635341090
Gründung Juli 1802
Sitz Wilmington (USA)

Leitung

Mitarbeiter ca. 58.000 (2009)
Umsatz 26,1 Mrd. USD (2009)
Produkte Chemikalien, Kunststoffe, Lacke, SaatgutVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website dupont.de
Ellen J. Kullman, CEO Weltwirtschaftsforum Davos, 2009

E. I. du Pont de Nemours and Company (kurz: DuPont) ist ein US-amerikanischer Konzern. Er ist einer der weltweit größten Konzerne der Chemischen Industrie und in ca. 80 Ländern aktiv.[1] DuPont wurde 2010 im Fortune Global 500 an 296. Stelle geführt [2] und auf Platz 2 im Toxic 100 Index.

1802 als Unternehmen für Sprengstoffe gegründet, wandelte sich DuPont zu einem Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Heute erstreckt sich die Produktpalette von DuPont auf die Bereiche Landwirtschaft, Ernährung, Gesundheit, Elektronik, Kommunikation, Sicherheit, Haushalt, Bau, Verkehr und Bekleidung. Zu den bekanntesten Marken gehören neben DuPont®: Pioneer (Saatgut), Teflon (Fluorpolymere, Filme, Textilienschutz, Fasern und Dispersionen), Corian, Kevlar und Tyvek.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

DuPont wurde 1802 von Eleuthère Irénée du Pont gegründet, zwei Jahre nachdem er und seine Familie aus Frankreich in die USA ausgewandert waren, um der Französischen Revolution zu entfliehen. Zunächst begann er mit der Produktion von Sprengstoffen, da die Industrie dafür in Nordamerika noch nicht so weit wie die europäische entwickelt war und ein entsprechend großer Markt erwartet wurde. Die Firma wuchs schnell und war um die Mitte des 19. Jahrhunderts der größte Sprengstofflieferant für das US-Militär, der mehr als die Hälfte der Lieferungen für die Unionsarmee im Amerikanischen Bürgerkrieg bestritt.

DuPont setzte sein Wachstum fort und stieg in die Produktion von Dynamit und rauchschwachem Pulver ein. Im Jahre 1902 starb DuPonts Präsident Eugene du Pont und die anderen Partner verkauften ihren Anteil an die drei Urenkel des Unternehmensgründers. Es wurden mehrere kleinere Chemiefirmen zugekauft, bis im Jahre 1912 im Zuge des Sherman Antitrust Act ein Gericht die marktbeherrschende Stellung (Monopol) bei Sprengstoffen feststellte und die Zerschlagung in mehrere Teile anordnete. In der Folge wurden die Hercules Powder und die Atlas Chemical companies gegründet. Der Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 ließ den Gewinn des Unternehmens von 80 Mio. US-Dollar (1916) auf 250 Mio. US-Dollar (1918) anschnellen. DuPont lieferte vor allem Spezialmunition für Flugzeuge und Schwarzpulver-Pellets als Munitionsbestandteil.[3]

Neue Geschäftsfelder 1900 bis 1945[Bearbeiten]

In dieser Zeit baute DuPont auch zwei der ersten Industrieforschungslabore in den USA auf, wo mit der Arbeit an der Zellulose-Chemie, Lacken und anderen nicht-explosiven Produkten begonnen wurde.

1914 investierte Pierre S. du Pont in die noch junge Automobilindustrie, indem er ein Aktienpaket von General Motors (GM) kaufte. Im folgenden Jahr wurde er zum Vorstandsmitglied bei GM berufen. Dupont wollte die schwächelnde Autofirma unterstützen und kaufte ein weiteres GM-Aktienpaket im Wert von 25 Millionen Dollar. So wendete er den Konkurs von GM ab und übernahm 1920 den Vorsitz. In den Folgejahren wuchs GM zur weltweit größten Firma ihrer Zeit. Jedoch führte der große Einfluss von Dupont bei GM dazu, dass 1957, wiederum aufgrund des Sherman Antitrust Act, die Anteile verkauft werden mussten.

In den 1920er Jahren setzte DuPont seine Konzentration auf die Werkstoffwissenschaften fort. 1928 begann Wallace Carothers mit der Arbeit an Polymeren. Carothers entdeckte 1930 das Neopren, einen synthetischen Gummi, synthetisierte als erster Polyester und entwickelte 1935 die Polyamidfaser Nylon. Später entwickelte die Firma das Acrylglas Lucite und ließ das von Roy Plunkett entdeckte Teflon patentieren.

Während dieser ganzen Zeit blieb DuPont ein Produzent von Kriegsgütern für die beiden Weltkriege und spielte ab 1943 im Manhattan-Projekt eine wichtige Rolle, wo es Konstruktion, Bau und Betrieb der Plutonium-Produktionsanlage in Hanford und des Oak Ridge National Laboratory in Tennessee übernahm.

Weiterentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich DuPont wieder auf neue Materialien wie Mylar (PET-Folie), Dacron (PET-Faser), Orlon (Polyacrylnitril-Faser) und Lycra (Elasthan) in den 1950er und Tyvek (PE-Vlies), Kevlar und Nomex (aromatische Polyamide) sowie Corian (66 % Gibbsit und ca. 34 % Polymethylmethacrylat (PMMA)) in den 1960er Jahren. DuPont-Werkstoffe waren für den Erfolg des Apollo-Programms von entscheidender Bedeutung.

Im Oktober 1985 gab es ein Joint-Venture zwischen dem bedeutenden Elektronikhersteller Philips und DuPont, aus dem sich das Unternehmen Philips & DuPont Optical (PDO) entwickelte, welches sich auf die Herstellung von Audio-CDs spezialisierte.[4] Es entstanden CD-Presswerke u. a. in Langenhagen (Deutschland), Blackburn (England), Wilmington (USA) und Frankreich.

1981 übernahm DuPont Conoco Inc., einen großen amerikanischen Öl- und Gas-Produzenten. Danach bestand ein eigener petrochemischer Zugang zu Rohstoffen für die Herstellung von Kunststoffen und Fasern. Diese Akquisition, die DuPont zu einem der Top-10 Öl- und Gas-Produzenten machte, passierte nach einem Übernahmeversuch durch Seagram Company Ltd., die als DuPonts größter Einzelaktionär vier Sitze im Vorstand beanspruchten. Am 6. April 1995 gab DuPont bekannt, dass alle von Seagram gehaltenen Aktien zurückgekauft würden.

Im März 1999 übernahm DuPont die Herberts GmbH (Autolacke) und führte diese unter dem Namen DuPont Performance Coatings weiter.

DuPont trennte sich 1999 wieder von Conoco, um das Geschäft in ein Joint-Venture mit Phillips Petroleum Company einzubringen, aus dem später ConocoPhillips hervorging. Im selben Jahr änderte CEO Carles O. (Chad) Holliday den Fokus von der Petrochemie hin zu nachwachsenden Rohstoffen. 1999 wurde außerdem das zu diesem Zeitpunkt weltweit größte Saatgutunternehmen Pioneer Hi-Bred übernommen.

Im Jahre 2003 wurde der traditionelle Faserbereich (DuPont Textiles and Interiors) in das neu gegründete Tochterunternehmen Invista ausgegliedert, deren Anteile im April 2004 an Koch Industries verkauft wurden.

2007 wurde das Unternehmen von der Europäischen Kommission wegen Beteiligung an einem Chloropren-Kautschuk-Kartell mit einer Geldbuße belegt. An dem laut Kommission zwischen 1993 und 2002 bestehenden Kartell waren ebenfalls die Konzerne Bayer, Denka, Dow Chemical, Eni und Tosoh beteiligt.[5]

Am 30. August 2012 gibt DuPont bekannt, dass mit der Carlyle Group eine Vereinbarung über den Verkauf von DuPont Performance Coating (DPC), für 4,9 Milliarden US-Dollar abgeschlossen wurde.

DuPont in Deutschland[Bearbeiten]

1961 startete DuPont sein Engagement in Deutschland und gründete die DuPont Chemie GmbH. Bereits im Jahr darauf erwarb das Unternehmen die Adox Fotowerke Schleussner GmbH mit Sitz in Neu-Isenburg. 1968 baute DuPont in Hamm-Uentrop ein neues Werk für die Herstellung von technischen Kunststoffen und Verbundglasfolien. Im Jahr 1999 übernahm DuPont die Herberts GmbH von Hoechst mit Hauptsitz in Wuppertal. Das Unternehmen wurde unter dem Namen DuPont Performance Coatings GmbH (DPC) weitergeführt bis es 2012 an die Carlyle Group verkauft wurde. Das Unternehmen trägt nun den Namen Axalta Coating Systems. Es entwickelt, produziert und vertreibt Lacke für die Automobilerstlackierung, die Autoreparaturlackierung und Beschichtungen für industrielle Anwendungen. Im Jahr 2000 kam durch die Übernahme von Pioneer in Buxtehude ein weiterer Standort hinzu.

Für DuPont ist Deutschland hinter den USA weltweit der zweitgrößte Markt. Allein an den vier genannten Standorten werden mit knapp 3.500 Mitarbeitern ein Viertel aller Mitarbeiter aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika beschäftigt.[6]

Produktpalette[Bearbeiten]

Viele Kunststoffe sind unter den Handelsnamen von DuPont bekannt geworden, so zum Beispiel:

Im Bereich Lacke zählt DuPont mit den Marken DuPont Refinish, Spies Hecker und Standox zu den weltgrößten Herstellern von Autoreparaturlacken.

FCKW und PFOA[Bearbeiten]

DuPont hat immer wieder mit schwerwiegenden Imageproblemen zu kämpfen, da es sich einerseits früher um einen der Haupthersteller von FCKW gehandelt hat, andererseits auch heute noch hohen Schadstoffausstoß bewirkt und damit im Jahr 2008 den Toxic 100 Index anführt. Im Dezember 2005 hat DuPont der US-Bundesumweltschutzbehörde (EPA) eine Vergleichssumme in Höhe von ca. 16 Millionen Dollar zahlen müssen, da interne Studien über die von DuPont hergestellte Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) verschwiegen worden waren, die Anhaltspunkte für eine Kanzerogenität dieses Stoffes beinhalteten. Dies ist von besonderer Brisanz, da PFOA fast unzerstörbar (persistent) und bioakkumulativ ist. So wurde PFOA in arktischen Eisbären und ca. 95 % der Blutproben von US-Bürgern nachgewiesen. Inzwischen gibt es eine vorläufige Risikobewertung der EPA, die Basis für eine Zusammenarbeit mit DuPont und anderen Unternehmen auf freiwilliger Basis mit dem Ziel einer Reduzierung der Risiken durch PFOA ist.[7]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Mit der Übernahme von Pioneer Hi-Bred 1999 wurde DuPont zum zweitgrößten Saatguthersteller (hinter Monsanto) weltweit. Der Konzern hatte laut Schätzungen 2008 einen Anteil von 14 % am Markt für rechtlich geschütztes Saatgut.[8] Pioneer stellt unter anderem auch transgenes Saatgut her.

DuPont wird von NGOs wie der ETC Group und Greenpeace vorgeworfen, auf Kosten nicht ausreichend untersuchter möglicher Probleme, die Kontrolle über die weltweite Landwirtschaft erringen zu wollen.[9]

Biotechnologie[Bearbeiten]

Mit Genencor, einer ursprünglich 1982 von Genentech and Corning Glassworks gegründeten Joint-Venture, übernahm DuPont 2011 einen der größten Hersteller von Lebensmittelzusatzstoffen und Enzymen (industrielle Biotechnologie).[10] 1995 übernahm DuPont außerdem die Enzymabteilung von Solvay.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

DuPont ist Mitglied des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland und bei HRAC (Verbund zur Entwicklung von Maßnahmen gegen Herbizidresistenzen).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Dupont Chandler, Stephen Salsbury: Pierre S. Du Pont and the Making of the Modern Corporation. Beard Books, 2001, ISBN 1-58798-023-1
  • Adrian Kinnane: DuPont: From the Banks of the Brandywine to Miracles of Science. The Johns Hopkins University Press, 2002, ISBN 0-8018-7059-3
  • John K. Winkler: The Dupont Dynasty. Kessinger Publishing, 2005, ISBN 1-4191-2857-4
  • Madsen, Axel: The Deal Maker: How William C. Durant made General Motors, John Wiley & Sons, Inc., ISBN 0-471-39523-4(pbck) (Englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Company at a Glance. DuPont Website, 2010.
  2. Fortune Global 500 Rannking, 2009.
  3. Madsen: The Deal Maker: How William C. Durant made General Motors, S. 180
  4. Chronomedia 1985. terramedia.co.uk/Chronomedia, abgerufen am 22. Dezember 2009 (engl): „October Philips and Du Pont Company form Philips Du Pont Optical (PDO) joint venture to manufacture and market optical discs.“
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKartellrecht: Kommission ahndet Marktaufteilung und Preisabsprachen der Chloropren-Kautschuk-Hersteller mit Kartellstrafe von 247.6 Mio. EUR. portal site of the European Union (europa.eu), 5. Dezember 2007, abgerufen am 22. Dezember 2009.
  6. DuPont in Deutschland Abgerufen am 23. Oktober 2012
  7. US EPA-Studie: Preliminary Risk Assessment of the Developmental Toxicity Associated with Exposure to Perfluorooctanoic Acid and its Salts. Vom 16. Dezember 2005.
  8. Global Proprietary Seed Market Shares, Context Network.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  9. DuPont:Corporate Crimes. Corporate Watch UK, 2002.
  10. http://www.process.vogel.de/management_und_it/branchen_maerkte/merger/articles/298405/