Erste Kamtschatka-Expedition

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Erste Kamtschatka-Expedition war eine zwischen 1728 und 1730 durchgeführte Forschungs- und Entdeckungsreise unter der Leitung des dänischen Marineoffiziers Vitus Bering (1681–1741), die noch der russische Zar Peter I. angeregt und geplant hatte.

Zu den Aufgaben der Expedition gehörte die Feststellung der Ostgrenze des Russischen Reiches sowie der Beweis einer Landverbindung zwischen Asien und Amerika.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Gründung der Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg[Bearbeiten]

Der Beginn der systematischen geografischen Erkundung und wissenschaftlichen Erforschung des östlichen Teils Asiens im 18. Jahrhundert geht auf die Initiative des ab 1689 in Russland regierenden Zaren Peter I. (1672–1725) zurück. Dieser war auf seiner in den Jahren 1697 und 1698 unternommenen Studienreise durch verschiedene Länder Europas zur Schaffung einer eigenen Akademie der Wissenschaften angeregt worden. In den Jahren 1723/24 nahm dieser Plan konkrete Gestalt an. Um auf wissenschaftlichem Gebiet Anschluss an das übrige Europa zu erlangen und die Ausbildung eigener Fachleute auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen, entschied Peter, ausländische Gelehrte nach Russland zu berufen und eine eigene russische Akademie in Sankt Petersburg zu schaffen.

Zeitgenössische Abbildung des Hauptgebäudes der russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. Tafel Durchschnitt von der Kayserlichen Bibliothec, und Kunstkammer gegen Morgen aus einer 1741 erschienenen Serie von 12 Radierungen, der ersten Gemeinschaftsarbeit aus der künstlerischen Werkstatt der Petersburger Akademie.

Im Dezember 1725 wurde diese Einrichtung feierlich eröffnet. Junge, zumeist deutschsprachige Wissenschaftler bildeten im ersten Jahrzehnt nach ihrer Gründung den personellen Kern der Akademie. Eine ihrer Aufgaben bestand in der Ausrichtung und wissenschaftlichen Begleitung von Expeditionen in bislang unbekannte Teile des russischen Kaiserreichs.

Erste Expeditionen nach Sibirien[Bearbeiten]

Zar Peter war im Laufe seines Lebens mehrmals mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) zusammengetroffen und war von diesem bei ihrem letzten Treffen in Bad Pyrmont 1716 mit der Frage konfrontiert worden, ob es eine Landverbindung zwischen der nordöstlichen Spitze Asiens und Nordamerika gebe. Diese Frage besaß unter anderem vor dem Hintergrund der Diskussion über den Ursprung der Menschheit beträchtliche Relevanz. Wollte man den Glauben an den gemeinsamen Ursprung aller Menschen nicht aufgeben, so stellte sich für den Fall, dass Asien und Nordamerika nicht miteinander verbunden waren, die Frage, auf welchem Weg der Mensch in die Neue Welt gelangt war. Um abschließende Gewissheit über die Existenz einer Landverbindung zwischen den beiden Kontinenten zu erlangen, schickte Peter 1719 die beiden russischen Geodäten Iwan Jewreinow (1694–1724) und Fjodor Luschin (1695–1727) an den östlichen Rand seines Reiches. Ihre Expedition blieb jedoch zumindest hinsichtlich der Beantwortung der Frage nach der Landverbindung erfolglos.

Zwischen 1720 und 1727 bereiste der deutsche Mediziner Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685–1735) West- und Zentralsibirien und stellte dabei Untersuchungen zur Geografie, Mineralogie, Botanik und Zoologie an. Außerdem trug er Beobachtungen in den Bereichen Philologie, Ethnografie, Wirtschaft und Handel zusammen. Heute gilt Messerschmidts Expedition als Auftakt zur wissenschaftlichen Erforschung Sibiriens.

Die Erste Kamtschatkaexpedition[Bearbeiten]

Da Jewreinows und Luschins Expedition die Frage nach der Landverbindung zwischen Asien und Amerika nicht geklärt hatte, unterzeichnete Peter der Große 1724 den Befehl zu einer weiteren großen Expedition gen Osten.[1] Die Erste Kamtschatkaexpedition dauerte von 1728 bis 1730. Geleitet wurde das Unternehmen von dem dänischen Kapitän Vitus Jonassen Bering (1681–1741), der seit 1704 als Marineoffizier in der kaiserlich-russischen Flotte diente. Mit seinem an der Mündung des Kamtschatkaflusses gebauten Schiff St. Gabriel brach Bering im Jahre 1728 in nordöstlicher Richtung auf und erreichte auf einer nördlichen Breite von 67 Grad einen Punkt, an dem sich die Küste nicht weiter nach Norden erstreckte. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen gelang es ihm jedoch nicht, das nordamerikanische Festland zu sichten. Trotz der neuen Erkenntnisse zur Geografie der nordöstlichen Küste Sibiriens wurde der von Bering nach seiner Rückkehr angefertigte Expeditionsbericht kontrovers diskutiert. Da die Beantwortung der Frage nach der genauen Lage Nordamerikas immer noch ausstand, schlug Bering selbst eine weitere Forschungsreise vor, die „Zweite Kamtschatkaexpedition“.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas von Heßberg: Kamtschatka. Zu den Bären und Vulkanen im Nordosten Sibiriens. Trescher Verlag 2006, 350 Seiten

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In bewusster Abgrenzung zu der traditionellen, etwa von Raymond H. Fisher in seiner 1977 erschienenen Schrift Bering's voyages: whither and why vertretenen Auslegung über die Suche nach einer Landverbindung als wichtigstem Ziel der Ersten Kamtschatkaexpedition hebt Carol Urness die kartographische Erfassung des östlichen Russlands als Hauptzweck der Reise hervor. Vgl. Carol Urness: The First Kamchatka Expedition in Focus, in: Møller / Lind (Hrsg.), Under Vitus Bering's Command, Århus 2003, S. 17–31 (Zusammenfassung der Thesen ihres 1987 erschienenen Buches Bering's First Expedition: A re-examination based on eighteenth-century books, maps, and manuscripts).