Vitus Bering

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Vitus Bering

Vitus Jonassen Bering (auch Behring; russisch Витус Ионассен Беринг oder Иван Иванович Беринг Iwan Iwanowitsch Bering; getauft am 21. Augustjul./ 31. August 1681greg.[1] in Horsens in Jütland; † 8. Dezemberjul./ 19. Dezember 1741greg. auf der Insel Awatscha, der Beringinsel) war ein in russischen Diensten stehender Marineoffizier und Entdecker dänischer Herkunft. Er wurde auch der „Kolumbus des Zaren“ genannt und bewies unter anderem, dass Asien und Nordamerika nicht miteinander verbunden sind.

Leben und Tätigkeit[Bearbeiten]

Bering wurde 1703 von Zar Peter I. als Seekapitän der neugebildeten russischen Marine in Kronstadt angestellt. Von 1704 bis 1724 führte er die Linienschiffe der Baltischen Flotte und der Asow-Flottille. Er nahm an den Kämpfen im Dritten Nordischen Krieg gegen Schweden und im Russisch-Türkischen Krieg teil. 1725 wurde ihm die Leitung der Ersten Kamtschatka-Expedition Russlands übertragen, die das Vorhandensein einer Meerenge zwischen Asien und Amerika im Meer von Kamtschatka nachweisen sollte.

Nach seiner Ankunft in Nischne Kamtschatka 1728 ließ Bering die 18 Meter lange Schaluppe St. Gabriel bauen. Mit diesem Schiff untersuchte er ab Juli 1728 die Küste Sibiriens in nördlicher Richtung, entdeckte einige Inseln und drang immer weiter ins Nordpolarmeer vor, ohne eine Landverbindung zwischen Asien und Amerika zu finden. Am 26. August 1728 gab Bering aufgrund schlechten Wetters das Kommando zum Wendemanöver und kehrte bei 67°18' nördlicher Breite um. Er hatte die später nach ihm benannte Meeresenge zwar schon durchquert, den letzten Beweis dafür, dass es keine Landverbindung zwischen Asien und Nordamerika gibt, blieb er jedoch schuldig.

Nach seiner Rückkehr nach Sankt Petersburg im Jahr 1730 wurde Bering zum Kapitän-Kommandeur befördert, erntete aber auch viel Kritik, da er seinen Auftrag nicht vollständig erfüllt hatte. Bering schlug daher selbst eine zweite, größer angelegte Expedition vor, die im Wesentlichen drei Ziele verfolgen sollte: die endgültige Klärung der Frage, ob es einen Landweg nach Amerika gibt, die Erforschung der amerikanischen Küste und die des Seewegs nach Japan. Diese drei Punkte waren zur damaligen Zeit für Russland von sehr hohem geopolitischem Interesse. So wurde Bering 1733 Leiter der Zweiten Kamtschatka-Expedition, auch bekannt als Große Nordische Expedition (1733–1743).

Im Rahmen dieser Expedition entdeckte der deutsche Historiker Professor Gerhard Friedrich Müller, Mitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften, dass Bering 1728 keineswegs der erste Seefahrer war, der die Beringstraße durchfahren hatte. Im Archiv der Jakutsker Kanzlei fand er Belege dafür, dass schon Jahre vorher der Pelztierjäger und Händler Semjon Deschnjow mit seinen Leuten die Meerenge zwischen den beiden Kontinenten durchfahren hatte.

Am 15. Juni 1741 lief Vitus Bering mit den etwa 24 Meter langen Schiffen St. Peter und St. Paul aus, um die Küste Amerikas zu erkunden. Er entdeckte als erster Europäer Alaska. Dort angekommen, ließ Bering einige Wasserfässer füllen und wollte den Rückweg antreten. Der daraus resultierende Streit mit dem deutschen Naturforscher Georg Wilhelm Steller änderte nichts daran, dass schon wenige Stunden nach der Ankunft in Amerika die Anker gelichtet wurden und die Heimreise angetreten wurde. Auf dem Rückweg nach Kamtschatka geriet die St. Peter in einen schweren Sturm und strandete an der Küste der Awatscha-Insel, die später in Beringinsel umbenannt wurde. Aufgrund immer schlechter werdenden Wetters war Bering mit seiner Mannschaft gezwungen, auf dieser Insel zu überwintern. Am 19. Dezember 1741 starb hier Vitus Bering vermeintlich an Skorbut.[2] 18 weitere Besatzungsmitglieder überlebten diese Überwinterung ebenfalls nicht.

Gedenkplatte im Vitus-Bering-Park in Horsens

Bering untersuchte und kartierte die arktische und pazifische Küste Russlands sowie die Küste Alaskas bis zu 69° nördlicher Breite. Er entdeckte mehrere Aleuten-Inseln sowie die Kommandeur-Inseln. Nach Vitus Bering sind elf geographische Orte benannt, zum Beispiel die Beringstraße und das Beringmeer, sowie die Beringkultur (ein Entwicklungsabschnitt der Inuit).

1991 wurden Berings Grab und die Gräber von fünf anderen Seeleuten von einem russisch-dänischen Expeditionsteam geöffnet, die Überreste nach Moskau transportiert und forensisch untersucht. Bei der Untersuchung seiner Zähne konnten keine Anzeichen von Skorbut festgestellt werden, so dass eine andere Erkrankung für Berings Tod ursächlich gewesen sein muss.[3] Georg Wilhelm Steller hatte bereits geschrieben: „Er starb eher an Hunger, Kälte, Durst und Gram als an Skorbut oder einer anderen Krankheit.“[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • V. Andreev: Dokumenty po ekspeditsii kapitan-komandora Beringa v Ameriku v 1741 g. [Dokumente über die Expedition von Kommandant Bering nach Amerika im Jahre 1741], in: Morskoi sbornik, No. 5, St. Petersburg, 1893.
  • Aleksandr I. Andreev [Andreyev]: Ekspeditsiia Beringa [Berings Expedition], in: Izvestiia VGO, tom 75, vyp. 2, Leningrad, 1943, S. 3-44.
  • Karl Ernst von Baer: Bering i Chirikov, in: Russkii invalid, nos. 121-123, St. Petersburg, 1849.
  • Nikolai K. Chukovskii: Bering: Biografiia [Bering: Eine Biografie], Pacific Northwest Quarterly, Vol. XXXVIII, 1961.
  • Raymond H. Fisher: Bering’s Voyages, Whither and Why, 1977.
  • Orcutt William Frost: Bering: The Russian Discovery of America, Pacific Northwest Quarterly 86, No. 1, Winter, 2003.
  • Frank A. Golder: Bering’s Voyages. An Account of the Efforts of the Russians to determine the Relation of Asia and America, 2 vols., Polar Geography and Geology 7 (July-September), 1922-1925.
  • Peter Lauridsen: Vitus J. Bering og de russiske Opdagelsesrejser fra 1725-43 [Vitus J. Bering und die russischen Entdeckungsreisen von 1725-43], Kopenhagen 1885, American Anthropology 87, No. 4 (December), 1985 (online).
  • V. D. Lenkov, Silantev: The Komandorskii Camp of the Bering Expedition, edited by O. W. Frost, translated by Katherine L. Arndt, American Anthropology 87, No. 4 (December), 1992.
  • G. W. Steller: Reise von Kamtschatka nach Amerika mit dem Commandeur-Capitän Bering, Sankt Petersburg 1793, herausgegeben von P. S. Pallas (online)
  • P. Werner Lange: Zum Land hinter den Nebeln. Das Leben des Vitus Bering und die zwei Kamtschatka-Expeditionen, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1985

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vitus Bering – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Kirchenbuch der Stadtgemeinde Horsens (Unser Heilands Kirche, dänisch: Vor Frelsers Kirke). Im Kirchenbuch (Pagina 26) wird das Taufdatum mit 12. Sonntag nach Dreifaltigkeit im Jahre 1681 angegeben. Dies entspricht dem 21. August 1681 nach dem damals in Dänemark gebräuchlichen Julianischen Kalender.
  2. Britannica Concise (englisch)
  3. biographybase über Vitus Bering (englisch)
  4. http://www.seemotive.de/html/dbering.htm