Europäische Schlafkrankheit

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Klassifikation nach ICD-10
A85.8 Encephalitis lethargica sive epidemica
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Europäische Schlafkrankheit (Syn.: (Von-)Economo-Krankheit, Encephalitis lethargica und Encephalitis Vienna) ist eine Gehirnentzündung, die Lethargie, unkontrollierte Schlafanfälle und eine temporäre, der Parkinson-Krankheit ähnliche Störung auslöst. Die Krankheit trat etwa zwischen 1915 und 1927 in Europa auf[1][2] und wurde auch nach Constantin von Economo benannt, der sie im Jahre 1916 erstmals beschrieb.

Die Betroffenen fielen während der Einnahmen von Mahlzeiten oder während der Arbeit in Schlaf. Es folgten Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber häufig am nächsten Tag. Die Betroffenen schliefen häufig in völlig unkomfortablen Körperhaltungen ein. Sie waren aufweckbar, aber in den schlimmeren Fällen folgte ein schneller Tod. Lähmungen der Augenmuskulatur, insbesondere Dysfunktion des Nervus oculomotorius und Augenlidlähmung waren häufig, beschrieb von Economo. Er recherchierte ähnliche Fallbeschreibungen aus vorangegangenen Jahrhunderten in Europa.

Zwischen 1917 und 1927 scheint es eine besondere Häufung von Encephalitis-lethargica-Fällen gegeben zu haben. Danach kam es zu keinem epidemieartigen Auftreten mehr, Neuerkrankungen wurden seither nur in Einzelfällen beschrieben. Aufgrund des nahezu gleichzeitigen Auftretens der Encephalitis lethargica mit der Spanischen Grippe vermuteten Ravenholt und Foege 1982, dass diese beiden Krankheiten miteinander verbunden seien. McCall und Kollegen konnten jedoch 2001 keine Influenza-RNA in archivierten Gewebeproben nachweisen und diese Vermutung somit nicht bestätigen.[1]

Oliver Sacks’ Buch Awakenings[3] handelt von Opfern dieser Epidemie um 1920, mit denen der Autor Ende der 1960er Jahre als junger Arzt in der neurologischen Pflegeabteilung eines Hospitals in den USA zusammentraf. Sacks konnte die Patienten mit L-Dopa, einer Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, kurzfristig zu Bewusstsein bringen. Der Film Zeit des Erwachens basiert auf diesem Buch.

Howard und Lees dokumentierten 4 Fälle im Jahre 1987.[4]

Die Autorin Susanne Schäfer behauptet in ihrem autobiographischen Buch „Sterne, Äpfel und rundes Glas“, dass sie aufgrund einer Encephalitis lethargica zahlreiche Folgeschäden entwickelt habe, unter anderem Autismus, Narkolepsie und Epilepsie.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Russell C. Dale, Andrew J. Church, Robert A. H. Surtees et al: Encephalitis lethargica syndrome: 20 new cases and evidence of basal ganglia autoimmunity. In: Brain. Vol. 127, Nr. 1, 2004, S. 21–33, doi:10.1093/brain/awh008, PMID 14570817., Volltext, abgerufen am 16. Februar 2013
  2. Reuter P.: Springer Lexikon Medizin, Gabler Wissenschaftsverlage, 2004, S. 1924, ISBN 3540204121, hier online
  3. Oliver Sacks: Bewußtseinsdämmerungen. Zur Geschichte der Weckdroge L-DOPA. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1989. ISBN 3-326-00349-8
  4. Howard R, Lees A. Encephalitic lethargica: a report of four recent cases. Brain 1987; 110; 19-28
  5. Susanne Schäfer: Sterne, Äpfel und rundes Glas. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 5. Auflage 2012, ISBN 978-3772518140
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