Fahrradschlauch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fahrradschläuche für Rennrad (dünn) und MTB (dick)
Fahrradschlauch-Automat

Ein Fahrradschlauch ist ein Behältnis, gefüllt mit komprimierter Luft, das den Luftreifen (die Decke) von innen gegen Druckverlust abdichtet, wenn die Felge für schlauchlose Reifen nicht geeignet ist. Er ist Teil der Fahrradbereifung und besteht aus Butyl, früher auch aus Gummi.

Geschichte

Obwohl das in jüngerer Zeit bestritten wird, gilt John Boyd Dunlop als Erfinder des Luftreifens und somit auch des Fahrradschlauchs. Er hat den luftgefüllten Gummireifen am 7. Dezember 1888 zum Patent angemeldet, Édouard Michelin hat 1889 den austauschbaren Gummireifen mit Luftschlauch für Fahrräder entwickelt (Dunlop erfand nur einen Hilfsreifen für das Dreirad seines Sohnes). Die Vulkanisation des Kautschuks sowie der Hartgummi als Grundlage für die spätere Fahrradbereifung wurden bereits 1839 von Charles Goodyear erfunden. 1845 ließ sich der Schotte Robert William Thomson luftgefüllte Tierdärme als Reifen patentieren.

Aufbau

Butylschläuche sind etwas schwerer als Gummischläuche, haben eine geringe Hitzeempfindlichkeit, sind sehr luftdruckstabil und günstig in der Herstellung. Gummischläuche haben ein geringes Gewicht und einen geringeren Rollwiderstand, sind jedoch hitzeempfindlich und verlieren schnell Luft. In der Herstellung sind sie teurer als Butylschläuche. Neuerdings gibt es extraleichte Butylschläuche, die das Gewicht von Gummischläuchen unterbieten. Durch die geringere Wandstärke dieser leichten Schläuche sind sie aber weniger luftdruckstabil als Standard-Butylschläuche. Um das Verkleben der Schlauchinnenwände und der Schläuche mit dem Fahrradmantel oder dem Felgenband zu verhindern, werden sie meist innen und außen mit Talkum versehen. Schläuche werden mit Luftpumpen oder Kompressoren auf einen vorgegebenen Luftdruck gebracht.

Fahrräder mit einem eingesetzten Schlauch haben noch einen Fahrradmantel und ein Felgenband als einzelne Komponenten. Das Felgenband deckt Nippel oder Nippellöcher ab und schützt den Schlauch vor Beschädigungen.

Bei Rennrädern kommen oft die sogenannten Schlauchreifen zum Einsatz, bei denen Schlauch und Mantel als Einheit verbunden sind.

Auch muss nicht unbedingt ein Schlauch die Luft im Reifen halten. Seit einigen Jahren gibt es auch Schlauchlose Laufräder. Bei diesen bilden Reifen und Felge eine dichte Luftkammer und ein herkömmlicher Schlauch wird nicht mehr benötigt. Schlauchlose Reifen setzen sich beim Fahrrad jedoch bislang nicht durch.

Sofern der Schlauch nur durch eine Punktion beschädigt wurde, kann er in der Regel vom Radfahrer selbst repariert werden. Dazu werden spezielle Fahrradschlauch-Reparatur-Sets (Flickzeug) angeboten, die in Verbindung mit dem nötigen Werkzeug zur Demontage von Laufrad und Mantel auch eine Reparatur unterwegs erlauben.

Fahrradschläuche sind inzwischen auch rund um die Uhr an speziellen Automaten erhältlich, die meist gut sichtbar an der Außenwand von Fahrradgeschäften angebracht sind.

Größen

Seit etwa 1995 sind üblicherweise sogenannte Gruppenschläuche gebräuchlich, die einen breiteren Einsatzbereich abdecken als die vorher üblichen Schläuche mit genau einer Größe.

Generell wichtig ist die Verwendung von vor allem im Durchmesser passenden Schläuchen. Zu kurze Schläuche (falscher Umfang bzw. Raddurchmesser) lassen sich etwas schwieriger montieren. Im Durchmesser zu kleine Schläuche (Extrembeispiel: Schlauch für 25 mm Reifenbreite in 47 mm breiten Reifen) lassen sich montieren, werden aber überdehnt. Umgekehrt lassen sich zu große Schläuche in den Reifen einführen, liegen dann aber im Betrieb in Falten, was das Pannenrisiko erhöht.

Weiterhin ist darauf zu achten, dass die Version mit dem jeweils passenden Fahrradventil beschafft wird. Ein Aufbohren des Felgenlochs, um ein größeres Ventil zu verwenden, kann die Stabilität der Felge beeinträchtigen und führt zum Verlust der Garantie.

Literatur

  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld, 1999, ISBN 3-87073-131-1.

Weblinks