Falschalarm

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Ein Falschalarm oder Fehlalarm ist eine irrtümliche oder missbräuchliche Alarmierung beispielsweise von Feuerwehr, Rettungsdienst oder der Polizei, die zu keinem oder einem unnötigen Einsatz, einem so genannten Falschalarmeinsatz führt.

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten]

In Deutschland wird die Bezeichnung Fehlalarm häufig verwendet, obwohl der nach DIN VDE 0833-1 (Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall) vorgesehene Begriff Falschalarm ist. Laut Begriffsbestimmung der DIN VDE 0833-1 ist ein Falschalarm ein Alarm, dem keine Gefahr zugrunde liegt. In Österreich wird der Begriff Fehlalarm jedoch in verschiedenen Gesetzestexten, abgeleitet von auf Grund von Fehlern erhaltenen Alarm, verwendet, während der Ausdruck Falschalarm aus rechtlicher Sicht nicht vorkommt.

Zum Teil wird argumentiert, dass das Wort "Fehl" auf einen technischen Fehler hinweist, wie es bei einem technischen Alarm der Fall ist. Ein böswilliger Alarm bzw. Täuschungsalarm ist jedoch die Folge einer Handlung eines Menschen und nicht auf einem technischen Fehler begründet. Auch daher ist der "übergeordnete" Begriff "Falschalarm" berechtigt, da oft vorher nicht bekannt ist, was die Ursache des Alarmes war. Schlaue Argumentatoren könnten nach Berechnung eines "Fehlalarmes" zum Schluss kommen, dass es ja gar kein Fehlalarm gewesen sei, weil ja ein Alarm vorlag, der zwar falsch war, jedoch keinen "fehlenden" Alarm (also "Fehlalarm") darstellte. Die Begründung dürfte allerdings rechtlich kaum haltbar sein. In Deutschland wird daher empfohlen, den richtigen Rechtsbegriff nach den anerkannten Regeln der Technik, also den Normen, zu verwenden, dies vor allem in Gebührenordnungen der Behörden.

Klassifizierung[Bearbeiten]

Ein Falschalarm kann folgendermaßen allgemein klassifiziert werden:

  • Technischer Alarm, oft auch landläufig als Blinder Alarm bezeichnet: Der Begriff ist in der Normenreihe DIN VDE 0833 zwar nicht definiert, trägt jedoch zur Angabe der Ursache eines Falschalarmes bei. Ursachen können sein: Der Brandmelder ist defekt oder wurde z.B. durch elektromagnetische Felder (EMV) gestört.
  • Böswilliger Alarm: Auch dieser Begriff ist in der Normenreihe DIN VDE 0833 nicht definiert. Gemeint ist die missbräuchliche Alarmierung oder das Vortäuschen einer Gefahrenlage oder einer Straftat. Der Alarm wurde aufgrund einer absichtlichen Einwirkung ohne tatsächliches Erfordernis ausgelöst, z.B. an einem Druckknopfmelder oder durch Falschauslösung eines Rauchmelders, z.B. mittels Haarspray. Der Missbrauch von Notrufen ist in Deutschland strafbar, (§ 145 StGB), aber auch über die Notruftelefonnummern.
  • Täuschungsalarm: Dieser Begriff ist in der DIN VDE 0833-1 definiert als Falschalarm, der durch Vortäuschung einer physikalischen und/oder chemischen Kenngröße eines automatischen Melders entstanden ist. Der Brandmelder bzw. die Alarmanlage wurde somit durch Effekte getäuscht, die einer realen Gefahr ähnlich sind, wie Zigarettenrauch, Schweißen oder Küchendämpfe. Folgende organisatorische und technische Maßnahmen wirken sich positiv auf die Reduzierung der Täuschungsalarm-Anzahl aus:[1]
    • Einrichtung eines Brandschutzbeauftragten
    • Unterweisung und Information
    • Umbauarbeiten unter Einbeziehung von Brandschutz-Spezialisten
    • Umgang mit Fremdfirmen
    • Interventionsschaltung und Interventionsdienst
    • Technischer Zustand der Brandmeldeanlage (Instandhaltung und Revision)
    • Ausnahmen vom Schutzumfang
    • Definition von sogenannten „Non Fire Situations“. In Versuchen werden Situationen erzeugt, die physikalische oder chemische Kenngrößen produzieren aber keinen Brand darstellen (z.B. Schweißen). Moderne Multikriterien-Brandmelder werden dann – mit den aus den Versuchen gewonnenen Daten – parametriert, um zu vermeiden, dass die Brandmelder bei diesen Umgebungsbedingungen einen Brandalarm melden.

Manchmal sind auch Übermittlungsfehler (Unzuständigkeit bezüglich des Einsatzortes oder falsche Annahmen) Grund für einen Falschalarm.

Brandmelder[Bearbeiten]

Bei der Feuerwehr ist eine häufige Ursache für Falschalarme, dass ein Brandmelder bei sogenannten Heißarbeiten (beispielsweise Schweißen) nicht abgeschaltet wurde. Im Umkehrfall kommt es aber auch zu echten Bränden ohne Alarm, weil solche Brandmelder nach den Arbeiten nicht rechtzeitig reaktiviert werden.

Kostenübernahme[Bearbeiten]

In Deutschland ist ein Falschalarm, der einen Feuerwehr- oder Polizeieinsatz nach sich zieht, in der Regel kostenpflichtig. Personen, die vorwerfbar einen Falschalarm auslösen, sind schadenersatzpflichtig und strafrechtlich verantwortlich (§ 145, § 145d StGB). Hat die alarmierende Person aus bestem Wissen und Gewissen gehandelt und ist kein Vorsatz erkennbar, so übernimmt die Allgemeinheit die Kosten. Insofern besteht kein Grund, die Feuerwehr bei vermuteter, aber nicht gesicherter Gefahr nicht zu alarmieren.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen stellt Grundstückseigentümern zu deren Haus sie aufgrund eines Falschalarms einer Einbruchmeldeanlage ausgerückt ist, regelmäßig 87 € je Einsatz in Rechnung.[2]

Die Polizei in Hessen stellt bei einem Polizeieinsatz bei Falschalarm, d.h. bei Auslösung einer Alarm-, Gefahrenmelde-, Signal-, Warn- oder Notrufanlage, eines Notrufsystems oder einer vergleichbaren Anlage oder eines vergleichbaren Systems einschließlich technischer Störungen oder Unterbrechungen des Übertragungsweges zur Alarmweiterleitung, wenn von der Polizei Anhaltspunkte für eine Straftat oder eine Gefahrenlage nicht festgestellt werden, 125 € in Rechnung (siehe 5311 der Verwaltungskostenordnung).[3]

Eine Wohnungseigentümergemeinschaft hat die Kosten für einen Feuerwehreinsatz, ausgelöst durch einen Falschalarm eines Brandmelders, zu tragen.[4] Dies ist unabhängig davon, ob der Mieter oder Vermieter den Brandmelder eingebaut hat. Der Vermieter muss für den Schaden aufkommen.[5]

Testmeldungen[Bearbeiten]

Eine weitere Alarmart ohne echten Alarmfall sind Testmeldungen, die vorher bei der Notruf- und/oder Serviceleitstelle, bei der die Alarmanlage angeschlossen bzw. aufgeschaltet ist, angezeigt werden müssen. Sinnvollerweise spricht man nicht von einem Testalarm, da hier kein gefahrenabwehrendes Potential zu Grunde liegt, sondern nur eine Testmeldung, die meist im Rahmen einer Inspektion bzw. einer Wartung durchgeführt werden muss.

Folgen[Bearbeiten]

Falschalarme bergen auch die Gefahr einer Gewöhnung der alarmierten Personengruppen. Dadurch werden evtl. auch berechtigte Alarme nicht mehr ernst genommen. Ein Beispiel dafür dürften die Alarmanlagen von Fahrzeugen sein, die zumindest in urbaner Umgebung von den allermeisten Menschen ignoriert werden und zumeist nur als lästig empfunden werden, da eine Funktionsstörung oder andere Ursachen, die nicht zwangsläufig mit einem Verbrechen zu tun haben, vermutet werden.

Signalentdeckungstheorie[Bearbeiten]

Falschalarm ist auch ein Fachbegriff der Signalentdeckungstheorie und kann zum Beispiel bedeuten, dass ein Arzt auf einem Röntgenbild einen Tumor zu sehen glaubt, der gar nicht da ist. Ebenso kann ein HIV- oder Schwangerschaftstest falsch positiv sein.

Häufigkeit[Bearbeiten]

In Viersen sind weit mehr als 90 % der signalisierten Einbruchmeldungen Falschalarme.[2]

Die Alarmmeldungen von Brandmeldeanlagen sind häufig Falschalarme. Beispiel: Im Landkreis München lag die Häufigkeit 1996 bei 97 % und 2007 bei 91 %.[6]

Eine Falschalarmrate von 100 % besagt, dass mindestens ein Falschalarm aber kein einziger echter Alarm vorlag. Die Anzahl der Falschalarme kann bei dieser Angabe also beliebig hoch sein. Daher wird im polizeilichen Bereich nun die Anzahl der Falschalarme pro Anlage pro Jahr angegeben. Im Bereich der Überfall- und Einbruchmeldeanlagen (ÜMA/EMA) zeigen polizeiliche Studien, dass in Deutschland noch relativ geringe Falschalarmraten von ca. 1,1 Falschalarme pro Anlage pro Jahr zu verzeichnen sind.[7] Dies ist insbesondere auf die in Deutschland definierte Zwangsläufigkeit zurückzuführen. Diese verhindert nach Polizeierfahrungen wirkungsvoll die Entstehung von Falschalarmen, weshalb dies eine der wesentlichsten Forderungen in polizeilichen Regelwerken, wie die ÜEA-Richtlinie, bzw. in Richtlinien der VdS Schadenverhütung darstellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adam Merschbacher: Sicherheitsanalyse für Gewerbebetriebe. VdS Schadenverhütung Verlag, Köln 2003, ISBN 3-936050-04-X.
  • Adam Merschbacher: Sicherheitsanalyse für Haushalte. VdS Schadenverhütung Verlag, Köln 2002, ISBN 3-936050-03-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Haltmeier, Marcel (2014): Reduktion der Feuerwehreinsätze durch die Verringerung von Täuschungsalarmen automatischer Brandmeldeanlagen. Krems, 16. Oktober 2014
  2. a b Falschalarm kann Geld kosten
  3. (Verwaltungskostenordnung für den Geschäftsbereich des Ministeriums des Innern und für Sport (VwKostO - MdI))
  4. Verwaltungsgericht Schleswig Urteil vom 27. Mai 2003, Az. 3 A 133/02.
  5. Amtsgericht Hannover Az. 537 C 17077/05.
  6. merkur-online.de
  7. Blaulichtfahrt trotz Falschalarms.
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