Federkiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Federkiele

Der Federkiel ist der mittlere Teil (Steg) einer Vogelfeder. Der obere Teil des Kiels wird Federschaft (Rhachis) genannt, der untere Federspule (Calamus) oder Spindel. An der Spule gibt es zwei Öffnungen: einen oberen Nabel (Umbilicus superior) und einen unteren Nabel (Umbilicus inferior). Bei den zu den Konturfedern gehörenden Deckfedern findet man bei vielen Vogelarten oberhalb des oberen Nabels noch eine sogenannte Nebenfeder (Hypopenna).

Der Federkiel als Schreibgerät[Bearbeiten]

Mehrere Federkiele

Federkiele als Schreibfedern ersetzten in Europa seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. das Schilfrohr (calamus) als Schreibgerät.[1] Sie sind die Vorläufer der Schreibfedern aus Metall, meist aus Stahl oder Gold, wie häufig bei Füllfederhaltern verwendet. Da meist Federn von Gänsen verwendet wurden, werden sie auch Gänsekiel oder (älter) Gantenkiel genannt. Zum Schreiben wurden in der Regel die äußersten fünf Federn eines Flügels genommen. Wer mit einem Federkiel zu schreiben wünscht, sollte wegen der Form des Kiels als Linkshänder die Federn des rechten Flügels benutzen, als Rechtshänder die Federn des linken Flügels, denn die leicht gekrümmte Form der Federn an den Flügeln ist spiegelbildlich und wirkt sich auf die Handlichkeit beim Schreiben aus. Zum Schreiben wurde die störende Befiederung des Kiels meist entfernt.

Will man einen Kiel zuschneiden, so muss man ihn zunächst härten. Dazu wird der Kiel schräg angeschnitten und das Mark entfernt oder zurückgedrückt. Anschließend weicht man die Kiele in einem Glas Wasser solange ein, bis sie gänzlich weiß erscheinen. Den eingeweichten Kiel steckt man nun in ein Behältnis mit heißem Sand, der so heiß sein muss, dass die Kiele zwar zischen, aber nicht reißen. Man belässt sie solange darin, bis sie an ihren Spitzen transparent sind. Zum Abschluss wird die auf dem Kiel befindliche Haut mit einem scharfen Messer heruntergekratzt und abgewischt. Anschließend kann der Zuschnitt erfolgen.

Erst zum Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte man die Stahlfeder, welche in einem Halter, dem Federhalter, eingelassen wurde. Zuvor waren die Federkiele verbreitet und wurden allmählich verdrängt.

Weitere Verwendungen[Bearbeiten]

  • In der alpenländischen Federkielstickerei wird mit Pfauenfederkielen Leder bestickt.
  • Federkiele wurden in der Renaissancemusik als Plektren verwendet.
  • Kräftige Federkiele wie beispielsweise die des Kolkraben wurden nicht nur historisch als Kiele (Plektren) für das Cembalo eingesetzt,[2] sondern noch heute (neben Kielen aus Kunststoff, Leder oder Messing). Auf dem Markt für Cembaloteile sind zum Beispiel Vogelfedern der Sorten Bussard, Gans, Geier, Krähe, Schwan und Truthahn erhältlich.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Federkiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Federkiel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Res medii aevi. Kleines Lexikon der Mittelalterkunde. Hrsg. von Renate Neumüllers-Klauser. Harrassowitz Wiesbaden 1999, S. 227. ISBN 3-447-03778-4.
  2. Saal der Tasteninstrumente: Kielinstrumente Deutsches Museum, Musikinstrumente-Ausstellung
  3. Produktkatalog des Cembaloteile-Händlers Marc Vogel, Abschnitt Mechanik (PDF-Download), Tabellen Vogelfedern und Vogelfedern Krähe