Edward Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton

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Edward Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton

Edward George Bulwer-Lytton, 1. Baron Lytton (* 25. Mai 1803 in London; † 18. Januar 1873 in Torquay) war ein englischer Romanautor und Politiker des 19. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Edward Bulwer-Lytton

Bekannt ist Bulwer-Lytton hauptsächlich für seinen Roman Die letzten Tage von Pompeji. Darüber hinaus kennt man auch sein Spätwerk The Coming Race. In diesem beschreibt er eine unterirdisch lebende Gesellschaft, die eine geheime Kraft beherrscht. Dieser Mythos lebte später in der (fiktiven) Vril-Gesellschaft fort und wurde nationalistisch bis rassistisch entfremdet. Der Roman gilt heute als eine der ersten Science Fiction-Geschichten.

Mit okkulten Inhalten sind noch andere Werke versehen, so sein Roman Zanoni, in dem es um die Geschichte eines erhabenen Rosenkreuzers geht. Falsch sind jedoch die immer wieder hervorgebrachten Behauptungen, er sei Mitglied einer esoterischen Vereinigung gewesen. Tatsächlich existieren keinerlei historische Belege für eine solche Mitgliedschaft. So wurde er beispielsweise ohne sein Wissen, und sogar gegen seinen Willen, zum Grand Patron der britischen Societas Rosicruciana in Anglia ernannt. Aus einem Briefwechsel mit deren Mitglied Hargrave Jennings geht hervor, dass er darüber äußerst ungehalten war. Auch kann die Behauptung widerlegt werden, er sei Mitglied der deutschen Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe gewesen. Sein Zusammentreffen mit esoterischen Akteuren, wie etwa Eliphas Lévi, wurde nachträglich stark verklärt und entspricht nicht seiner kritischen Haltung.[1]

Bulwer-Lytton hatte auch eine beachtliche politische Karriere vorzuweisen. Er war lange Jahre Mitglied des britischen Unterhauses, zunächst für die Liberalen (1831–1841) und später für die Konservativen (1852–1866); außerdem war er 1858 unter Lord Derby – wenngleich nur recht kurz – Kolonialminister (Secretary of State for the Colonies).

Nachdem ihm 1838 bereits die Würde eines Baronets (of Knebworth) verliehen worden war, wurde er 1866 als Baron Lytton zum Peer ernannt. Im Jahre 1843, als er Knebworth House geerbt hatte, fügte er seinem Nachnamen „Bulwer“ entsprechend dem letzten Willen seiner Mutter den Namen „Lytton“ hinzu.

Seine Frau Rosina Bulwer-Lytton, von der er allerdings seit 1836 getrennt lebte, war ebenfalls Romanschriftstellerin. Sein Sohn Robert Bulwer-Lytton war von 1876 bis 1880 Generalgouverneur und Vizekönig von Indien, wofür ihm 1880 die Earlswürde verliehen wurde.Seine Tochter Emily Elizabeth Bulwer-Lytton (17. Juni 1828 - 29. April 1848) war stets kränklich und starb im Alter von zwanzig Jahren an Typhus.

Im 20. Jahrhundert gelangte Bulwer-Lytton zu ganz neuer und unerwarteter Popularität durch den nach ihn benannten „Bulwer-Lytton Fiction Contest“ der San Jose State University. In diesem Wettbewerb geht es in verschiedensten Kategorien darum, den schlechtestmöglichen Anfangssatz eines (fiktiven) Romans zu schreiben. Grund dafür, dass ausgerechnet Bulwer-Lytton als Namenspatron für diesen wenig ehrenhaften Wettbewerb herhalten musste, ist sein berühmt gewordener Anfangssatz zu seinem Roman Paul Clifford: „It was a dark and stormy night …“. Dieser Satz inspirierte selbst Peanuts-Hund Snoopy zu schriftstellerischen Meisterleistungen.

In Radioessays, mit der Übersetzung zweier Werke ins Deutsche und durch die aufnehmende Verarbeitung in eigenen Prosawerken unterstrich Arno Schmidt in den letzten Jahren seines Schaffens die Bedeutung von Bulwer-Lytton.

Richard Wagner schrieb seine Oper Rienzi nach dem gleichnamigen Roman Edward Bulwer-Lyttons.

Werke[Bearbeiten]

  • Ismael. Hatchard, London 1820
  • O’Neill, or, The rebel. Colburn, London 1827
  • Falkland. Colburn, London 1827 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann, Zwickau 1835)
  • Pelham, or, The adventures of a gentleman. Colburn, London 1828 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann, Zwickau 1833)
  • Devereux. Colburn, London 1829 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann als Devereux, Zwickau 1834)
  • The Disowned. Colburn, London 1829
  • Paul Clifford. Colburn, London 1830 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann als Paul Clifford, Zwickau 1834)
  • Eugene Aram. A Tale. Colburn, London 1832 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann, Zwickau 1833)
  • Godolphin. Bentley, London 1833
  • Alice, or, The Secrets. London (deutsch von Gustav Pfizer, Stuttgart 1841)
  • England and the English, 1833 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann, England und die Engländer, Zwickau 1833)
  • The Pilgrims of the Rhine. Saunders, London 1834 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann als Die Pilger am Rhein, Zwickau 1834)
  • The Last Days of Pompeii. Bentley, London 1834 (an den archäologischen Ausgrabungen orientierte Schilderung des Untergangs von Pompeji, deutsch als Pompeji's letzte Tage von Georg Nicolaus Bärmann, Zwickau 1835; aktuelle Neuübersetzung von Günter Jürgensmeier: München 2000, ISBN 3-423-12778-3)
  • Rienzi, The Last of the Roman Tribunes, 1835 (deutsch von Georg Nicolaus Bärmann als Rienzi, der Letzte der Tribunen, Zwickau 1836)
  • Leila, or, The siege of Granada (deutsch als Leila oder Die Belagerung von Granada, Lorch 1934)
  • Night and Morning, 1841 (deutsch als Nacht und Morgen, Leipzig 1920)
  • Zanoni, 1842 (deutsch als Zanoni – Die Geschichte eines Rosenkreuzers; aktuell Darmstadt 2004, ISBN 3-89767-418-1)
  • King Arthur. Colburn, London 1848; rev. ed. Tucker, London 1870
  • My Novel, 1853 (deutsch von Arno Schmidt als Dein Roman, Frankfurt am Main 1973)
  • What will he do with it?, 1857/59 (deutsch von Arno Schmidt als Was wird er damit machen?, Stuttgart 1971 und Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-10605-2)
  • The Haunted and the Haunters or The House and the Brain, 1859 (deutsch von Heiko Postma als Heimgesuchte und Spukgestalten oder Das Haus und das Hirn, Hannover 2011, ISBN 978-3-940970-74-9)
Teilausgabe davon als Incantation, 1861 (deutsch als Beschwörung, Lengede 2012; ISBN 978-3-943739-00-8)
  • A Strange Story, 1862 (deutsch als Eine seltsame Geschichte, Berlin 1912; Norderstedt 2000, ISBN 3-934826-00-8; als Das Lebenselixier Weilersbach 2000, ISBN 3-926388-50-1)
  • The Coming Race, 1871 (deutsch als Das Geschlecht der Zukunft, Leipzig 1924, übersetzt von Jenny Pirokowska; als Vril oder Eine Menschheit der Zukunft übersetzt von Guenther Wachsmuth, Stuttgart 1922, 6. A. 2003, ISBN 3-7235-0023-4; als Das kommende Geschlecht von Michael Walter, Frankfurt am Main 1980)
  • Harold. The Last of the Saxon Kings (deutsch von Friedrich Gerstäcker 1848 für die Novellen-Zeitung von J.J. Weber, Leipzig, unter dem Titel: Harold – Der Letzte der Sachsenkönige)
  • Kenelm Chillingly. His Adventures and Opinions. Edinburgh, William Blackwood 1873 (deutsch von Emil Lehmann als Kenelm Chillingly - seine Abenteuer und Ansichten, Leipzig 1873, Neuausgabe 2009)
  • The Parisians. Edinburgh, 1873

Einen bibliographischen Überblick bietet:

  • Gerhard Lindenstruth: Edward Bulwer-Lytton. Eine Bibliographie der Veröffentlichungen im deutschen Sprachraum. Lindenstruth, Gießen 2001, ISBN 3-934273-26-2

Die meisten Texte sind beim Project Gutenberg auf englisch verfügbar, viele auch bei Google Book Search.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd-Peter Lange: Edward Bulwer-Lytton: The Coming Race. In: Hartmut Heuermann (Hrsg.): Der Science-Fiction-Roman in der angloamerikanischen Literatur. Interpretationen. Bagel, Düsseldorf 1986, S. 31–46. ISBN 3-590-07454-X
  • Walter Göbel: Edward Bulwer-Lytton. Systemreferenz, Funktion, literarischer Wert in seinem Erzählwerk. Winter, Heidelberg 1993, ISBN 3-8253-0028-5.
  • Joachim Mathieu: Edward Bulwer-Lytton’s England and the English. A Description of England in the „Age of Reform“. Kovac, Hamburg 2001, ISBN 3-8300-0347-1.
  • Leslie Mitchell: Bulwer Lytton: The Rise and Fall of a Victorian Man of Letters. Hambledon, London 2003, ISBN 1-85285-423-5. (A High Victorian shocker, Rezension des Daily Telegraph)
  • Heiko Postma: „Und der Name des Stromes ist Zeit“ Leben und Werk des viktorianischen Romanciers Edward Bulwer-Lytton. jmb, Hannover 2009, ISBN 978-3-940970-10-7.
  • Charles W. Snyder: Liberty and morality. A political biography of Edward Bulwer-Lytton. Lang, New York 1995, ISBN 0-8204-2471-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edward Bulwer-Lytton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Edward Bulwer-Lytton – Quellen und Volltexte

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Julian Strube: Vril. Eine okkulte Urkraft in Theosophie und esoterischem Neonazismus. Wilhelm Fink, München/Paderborn 2013, ISBN 978-3-7705-5515-4, vor allem S. 55–64.
Vorgänger Amt Nachfolger
Titel neu geschaffen Baron Lytton
1866–1873
Robert Bulwer-Lytton