Schreiben

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Schreiben als Tätigkeit. Zum Schreiben als Gegenstand siehe Schriftstück.
Codex Manesse
Thomas Schweicker schreibt mit den Füßen (ca. 1600)
Rembrandt: Titus schreibend am Tisch

Schreiben (von althochdeutsch scriban, aus lat.: scribere mit dem Griffel auf einer Tafel einritzen) bezeichnet das Aufzeichnen von Schriftzeichen, Buchstaben, Ziffern oder musikalischen Noten. Sein Gegenstück ist das Lesen, der Prozess, schriftlich niedergelegte Informationen und Ideen aufzunehmen und zu verstehen. Das Schreiben ist eine elementare Kulturtechnik. Die Geschichte des Schreibens ist untrennbar verknüpft mit der Geschichte der Schrift.

Aspekte des Schreibens[Bearbeiten]

Um zu schreiben, sind ein Medium und ein Werkzeug nötig (siehe manuelles Schreiben). Eine weitere Voraussetzung ist die Fähigkeit zu schreiben (Schreibkompetenz).

Schreiben bezeichnet in der übertragenen Bedeutung auch den kreativen Prozess des Verfassens von lyrischen und poetischen Texten, das sogenannte kreative Schreiben. Das Ergebnis des kreativen Schreibens ist die Literatur. Die Oberflächen- und Tiefenstruktur von Texten kann vom eigentlichen Ausdruck abweichen; dies ist Gegenstand der Literaturwissenschaft.

Nicht nur der Text, auch die Form der Schrift kann Ausdruck künstlerischen Schaffens sein, in der Kalligrafie. Jeder Schreiber hat eine eigene, mehr oder weniger leserliche Handschrift; diese kann Gegenstand einer Schriftvergleichung sein. Ein handgeschriebenes Schriftwerk nennt man Manuskript. Die persönliche Eigenart (die Handschrift eines Künstlers oder Autors) nennt man Manier. Sie beeinflusst die Textverständlichkeit.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in der Antike war eine Vielzahl von Techniken in Gebrauch, etwa das Einmeißeln in Stein, das Einritzen in Ton und das Schreiben mit Tinte auf Palmblätter, Papyrus, Pergament und Papier. Bis zur Erfindung des Buchdrucks war das Schreiben die einzige Möglichkeit, Sprache auf einem Medium festzuhalten. Die Schreibmaschine und der Computer bzw. die Textverarbeitung haben das Schreiben revolutioniert.

In der Antike war die Fähigkeit zu schreiben so wertvoll, dass ein ganzer Berufsstand, die Schreiber, davon lebte. Dies hielt sich in vielen Gegenden der Welt bis zur Einführung von Grundschulen und allgemeiner Schulpflicht, die es ermöglichten, breite Volksschichten im Lesen und Schreiben zu unterrichten.

Auch in der modernen Wissensgesellschaft ist das Schreiben nach wie vor die wichtigste Kulturtechnik zur Weitergabe tradierten und zur Schaffung neuen Wissens.

Schreiben als mentaler Prozess[Bearbeiten]

Aussagen über die vielschichtige Interaktion unterschiedlicher Wissensbestände beim Schreiben liefert die Erforschung des Schreibprozesses, für die Janet Emig 1971 mit ihrem Aufsatz The Composing Process of Twelfth Graders[1] einen Grundstein legte. Anfang der 1980er veröffentlichten Linda Flower und John R. Hayes dann ein Modell, in dem sie das Schreiben als kognitiven Prozess darstellten; das Flower/Hayes-Modell des Schreibprozesses gilt bis heute als das Standardmodell in schreibwissenschaftlichen und schreibdidaktischen Kontexten.[2]

Schreibunfähigkeit[Bearbeiten]

Die Unfähigkeit zu schreiben (und zu lesen) stellt ein elementares Hindernis zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft dar. Diejenigen, die es nicht können nennt man Analphabeten. Industrienationen erreichen eine Alphabetisierungsrate von 95 % und mehr. Fehlende körperliche Voraussetzungen für das Schreiben können durch technische Hilfsmittel wie Diktiersysteme ausgeglichen werden.

Schwieriger auszugleichen sind psychische Ursachen, die das Schreibenlernen erschweren oder unmöglich machen, dies sind unter anderem Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Agrafie. Eine partielle oder totale Schreibunfähigkeit geht nicht notwendigerweise mit anderen intellektuellen Einschränkungen einer Person einher.

Erscheinungen wie die Schreibblockade oder der muskuläre Schreibkrampf entsprechen einer zeitweiligen Schreibunfähigkeit.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schreiben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Schreiben – Zitate
 Wiktionary: schreiben – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Deutsches Schreiben – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janet Emig: The Composing Processes of Twelfth Graders. NCTE, Urbana 1971.
  2. Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald (Hrsg.): Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung. Verlag Barbara Budrich, Opladen 2014.