Fensterrecht

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Das Fensterrecht war eine Idee und Forderung des Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser. Jeder Bewohner sollte demnach das Recht haben, die Aussenfassade rund um sein Fenster so weit zu bemalen, wie sein Arm reicht.

Fensterrecht und die "Dritte Haut"[Bearbeiten]

Für Hundertwasser war das Haus die "Dritte Haut" des Menschen - nach der Haut des Körpers und der Bekleidung genauso intim und persönlich. Sie müsse vom Menschen selbst gestaltet werden. Bunte Farben, verspielte Formen und verschiedenste Materialien wurden in seiner Architektur dafür eingesetzt. Da aber vielerorts eine einschränkende Bauordnung keine kreative Gestaltung zulässt, verkündete er das "Fensterrecht":

„Ein Bewohner muss das Recht haben, sich aus seinem Fenster zu lehnen und außen an der Außenwand alles umzugestalten, wie es ihm entspricht so weit sein Arm reicht damit man von weitem, von der Straße sehen kann: dort wohnt ein Mensch.“

Wieland Schmied[1].

Später präzisierte er das "so weit der Arm reicht" durch "soweit ein Mann mit einem langen Pinsel reichen kann". In der Folge entstanden Einzel- und Gemeinschaftsaktionen, in denen Bewohner von Mietshäusern ihre Fassade selbst gestalteten.

Fensterdiktatur und Fensterrecht[Bearbeiten]

Hundertwasser verurteilte die "Rassentrennung der Fenster" und bezeichnete solche Monotonie als ein "Merkmal der Konzentrationslager".[2] Mit dem Fensterrecht setzte er sich politisch-künstlerisch für die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen ein.

Keramik[Bearbeiten]

Unter der Bezeichnung "Die dritte Haut" fertigt die Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau eine große Tasse mit Bildern von Fenstern, die nach dem "Fensterrecht" bemalt sind. Die Tasse ist Teil einer 6er-Serie, die Objekte von Hundertwasser zeigt.

Das österreichische Gesetz[Bearbeiten]

§ 488 ABGB Fensterrecht Gesetzestext:

Das Fensterrecht gibt nur auf Licht und Luft Anspruch; die Aussicht muß besonders bewilligt werden. Wer kein Recht zur Aussicht hat, kann angehalten werden, das Fenster zu vergittern. Mit dem Fensterrechte ist die Schuldigkeit verbunden, die Oeffnung zu verwahren; wer diese Verwahrung vernachlässiget, haftet für den daraus entstehenden Schaden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus: Hundertwasser KunstHausWien, Köln: Taschen 199
  2. Fensterdiktatur und Fensterrecht - ein Manifest