Field Recording
Als Field Recording bezeichnet man Aufnahmen von Klängen fernab eines Tonstudios. In einem engeren Sinne sind hier insbesondere Aufnahmen von Natur- beziehungsweise Umgebungsgeräuschen zu verstehen. Die Aufnahmen entstehen unter Zuhilfenahme portabler Aufnahmegeräte, wie zum Beispiel einem digitalen Voice-Recorder (früher DAT-Rekorder) oder einem Laptop mit externem Interface (Bediengerät) und geeigneter Aufnahme-Software oder aber einem sogenannten Field Recorder. Der Bereich des Field Recordings ist eng verbunden mit der Phonologie, in Anlehnung an die Fotografie wird manchmal auch der Begriff Phonographie verwendet. Feldaufnahmen unterscheiden sich von den gängigen Aufnahmen im Tonstudio vor allem durch die Technik, die äußeren Bedingungen und das genutzte Equipment.
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[Bearbeiten] Geschichte
Der Ursprung des Field Recordings ist auf Thomas Edisons Erfindung des Phonographen (1877) zurückzuführen. Ursprünglich entwickelte er den Phonographen, auch Sprechmaschine genannt, um Reden im amerikanischen Kongress, Gerichtsprozesse oder geschäftliche Konferenzen aufzuzeichnen und somit mühselige Mitschreibarbeiten zu minimieren. Durch die Weiterentwicklung von Aufnahmegeräten, speziell die Entwicklung tragbarer, high-quality-fähiger Geräte, gewann das Genre des Field Recordings im 20. Jahrhundert immer mehr an Beliebtheit und ist heute eines der Stilmittel in Musikgenres wie Ambient, der Musique concrète und verwandten Musikrichtungen. Des Weiteren werden Field Recordings insbesondere in den Bereichen der Ethnologie, der Musikethnologie und der Bioakustik genutzt.
Die Phonographie stellt das Einfangen von Geräuschen in den Vordergrund, unabhängig davon, wie oder wodurch sie erzeugt wurden. Ursprünglich stand der Gedanke der Dokumentation im Vordergrund, jedoch kam es schon bald zu Bearbeitungen mit ästhetischen Zielsetzungen, so dass durch Manipulationen und Kombinationen unterschiedlicher Aufnahmen Sounds für Film und Radio geschaffen wurden, die zunächst in Hörspielen, dann Jingles usw. als Effekte genutzt wurden.
[Bearbeiten] Musikethnologie
Das Mittel der Feldaufnahme stellt im Bereich der Musikethnologie eines der wichtigsten wissenschaftlichen Werkzeuge dar. Die Musikethnologie untersucht Musik in einem kulturell-gesellschaftlichen Kontext. Die Erfindung des Phonographen durch Edison ermöglichte es Forschern, erstmals Tonaufnahmen mit Hilfe von Wachswalzen herzustellen und gab ihnen so die Möglichkeit, das aufgenommene Material im Nachhinein zu begutachten usf.
[Bearbeiten] Deutschsprachiger Raum
Die Gründungen des Wiener und des Berliner Phonogramm-Archivs (1899/1900) gingen einher mit der Entstehung der Vergleichenden Musikwissenschaft. Den Grundstein für das Berliner Phonogrammarchiv legte Carl Stumpf zusammen mit seinem Schüler Otto Abraham, einem Berliner Frauenarzt und Musikpsychologen. Zusammen nahmen sie 1900 mit Hilfe eines Edison-Phonographen den Auftritt eines Ensembles thailändischer Hofmusiker auf. Diese Aufnahme war der Grundstein des Berliner Archivs. Der Ethnologe Adolf Bastian war es, der veranlasste, dass jeder deutsche Forschungsreisende mit einem Phonographen ausgestattet wurde. Das gesamte so gesammelte Material kam dem Berliner Phonogrammarchiv zu. Das Phonogrammarchiv in Wien wurde bereits 1899 durch den Neurologen Sigmund Exner gegründet, erste Aufnahmen gingen jedoch erst 1901 ein.
[Bearbeiten] Vereinigte Staaten
Der Biologe Jesse Walter Fewkes (1850–1930) war der Erste, der im Zuge seiner Forschungen bei den Passamaquoddy Indianern (1890) den Edison-Phonographen für ethnographische Aufnahmen von Musik verwendete.
[Bearbeiten] Technik
Feldaufnahmen können unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Aufnahmegeräte entstehen. Die einfachsten sind tragbare digitale Aufnahmegeräte oder Voice-Recorder. Sie sind in der Regel mit Stereomikrofonen, Lautsprecher und Kopfhöreranschluss ausgestattet. Durch ihre Kompaktheit sind sie leicht zu transportieren und schnell und einfach zu bedienen. Außerdem werden oft Aufnahmegeräte mit externen Mikrofonen genutzt, dabei wird im Bereich der Stereomikrofone zwischen binauralen und sogenannten MS Stereo Mikrophonen unterschieden. Des Weiteren können auch Richtmikrofone, Hydrophone oder piezoelektrische Wandler genutzt werden. Gängige Aufnahmegeräte sind CompactFlash-, Hard Disk-, MiniDisk- oder DAT-fähig. Es können aber auch Laptops mit Mikrofon-Input oder Tapedecks verwendet werden.
Weiteres Zubehör sind Kopfhörer, Wind-/ Pop-Schutz, Shock-Mount und Mikrofonständer bzw. -stativ.
[Bearbeiten] Literatur
- Florian Carl: Die Anfänge der Vergleichenden Musikwissenschaft. In: Julio Mendívil, Oliver Seibt & Raimund Vogeld (eds.): Kompendium Musikethnologie. Bärenreiter, Kassel.
- Maurice Mengel:Frühe Amerikanische Musikethnologie und Franz Boas. Ohne Ort, etwa 2010.
[Bearbeiten] Weblinks
- Gear Guide (englisch)
- Quiet American (englisch)