Dunkel war’s, der Mond schien helle

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Die ältesten bekannten schriftlichen Varianten aus Volksthümliches aus dem Königreich Sachsen, auf der Thomasschule gesammelt von Oskar Dähnhardt. Erstes Heft. Teubner, Leipzig 1898 Nr. 270 und Nr. 271

Dunkel war’s, der Mond schien helle ist ein Gedicht eines unbekannten Autors.

Das Gedicht ist davon geprägt, dass – wie im Titel – den gemachten Aussagen gleich widersprochen wird. Es lebt von Oxymora und Paradoxien bzw. offensichtlichen Widersprüchen.

Bekannteste Form[Bearbeiten]

Die verschiedenen Varianten ähneln sich vor allem in den ersten Strophen, die ungefähr so lauten:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzeschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschoss’ner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar
saß auf einer grünen Kiste,
die rot angestrichen war.

Neben ihm ’ne alte Schrulle,
zählte kaum erst sechzehn Jahr,
in der Hand ’ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.

Varianten[Bearbeiten]

Einige Versionen beginnen mit Finster anstatt Dunkel. Neuere Formen ersetzen den Wagen durch ein Auto, und dieses fährt um eine runde Ecke, die allerdings nicht in das Versmaß passt. Die Passagiere des Wagens in der zweiten Strophe sind besonders in frühen Formen häufig bereits der blonde Knabe beziehungsweise die alte Schachtel, und die stehenden Leute sitzen draußen oder werden nicht erwähnt. Der tote Hase rennt bzw. galoppiert entweder sehr schnell über die Felder, oder er läuft auf dem Eis, der Wiese oder einer Sandbank bzw. einem Sandberg Schlittschuh. In einigen Fällen wird die Todesursache des Hasen (wenn er erwähnt wird) nicht genannt, in einigen jüngeren Versionen ist er bereits ausgestopft. Der blondgelockte Jüngling sitzt auf Bänken oder Kisten in den verschiedenen Farben: grün/gelb, grün/rot oder schwarz/blau sind bekannte frühe Kombinationen. Manchmal lehnt er auch nur an der Bank. Die alte Schrulle wird zu einer alten Schachtel oder alten Tante mit einem Alter zwischen sechzehn und zwanzig Jahren und die Butterstulle (oder sächsisch Butterbemme) wird in neueren Fassungen auch zum Butterbrötchen oder Butterbrot umgedichtet, und ist in älteren Fassungen auch mit Fett beschmieret anstelle von Schmalz.

Variante von 1902:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Eis lag auf der grünen Flur,
Als ein Wagen mit Blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Darin sass ein blonder Jüngling.
Dessen rabenschwarzes Haar,
Von der Fülle seiner Jahre
Schon ganz weiss geworden war.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Fassungen sind aus einem Ursprungsgedicht mit zwei oder drei Strophen hervorgegangen und wurden im Laufe der Zeit immer wieder erweitert, zum Teil auf sechzehn Strophen. So kursieren heute unzählige Varianten, die sich kaum noch einem einzigen Gedicht zuschreiben lassen.

Der Ursprung des Gedichts ist nicht geklärt, wird aber im sächsischen Volksmund des 19. Jahrhunderts vermutet. Die ältesten bekannten schriftlichen Varianten sind in Volksthümliches aus dem Königreich Sachsen, auf der Thomasschule gesammelt von Oskar Dähnhardt. Erstes Heft. Teubner, Leipzig 1898, als Nr. 270 mit der Herkunftsangabe „Hentschel V.“, mit der Variante „Harrassowitz V.“ und Nr. 271 mit der Herkunftsangabe „Hordorff IV.“, aufgeführt.

Der Autor ist unbekannt, es wurde über Goethe, Lewis Carroll (dem Verfasser von Gedichten wie Jabberwocky) und Christian Morgenstern als Autoren spekuliert; dafür gibt es jedoch keine Belege. Die heute wohl verbreitetste Fassung wurde von James Krüss beeinflusst, der 1965 das Liederbuch Hirtenflöte herausbrachte.

Moderne Adaptionen[Bearbeiten]

  • Der Rapper Alligatoah verarbeitete das Gedicht in seinem Song Dunkel war’s auf seinem Mixtape Schlaftabletten, Rotwein Teil I.
  • Die Bremer Musikgruppe Grenzgänger verarbeitete das Gedicht mit erweitertem Refrain zu einem Lied auf dem Album Dunkel war’s der Mond schien helle mit Liedern der Kinder aus dem 19. Jahrhundert.
  • Die Band Culcha Candela nutzte einen Teil des Gedichts für den Refrain zu ihrem Song "Traumhaft".

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: verschiedene Varianten – Quellen und Volltexte
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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus Gertrud Züricher: Kinderlied und Kinderspiel im Kanton Bern. Verlag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Zürich 1902