Fjodor Aronowitsch Rotstein

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Theodore Rothstein.

Fjodor Aronowitsch Rotstein (russisch Фёдор Аронович Ротштейн, häufig auch in der englischen Namensform Theodore Rothstein; * 1871 in Kowno, Russisches Kaiserreich; † 1953) war ein russischer Journalist, Schriftsteller, Kommunist und sowjetischer Botschafter im Iran.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Fjodor Aronowitsch Rotstein wurde 1871 in Kowno (heute Kaunas im heutigen Litauen), als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Über seine Eltern und seine Kindheit und Jugendzeit ist nichts bekannt.

1890 musste er aus politischen Gründen sein Land verlassen und reiste nach England. Er arbeitete dort als Journalist im Bereich Außenpolitik für The Tribune, für die von Charles Dickens (1812–1870) 1847 gegründete The Daily News, The Manchester Guardian und wurde zeitgleich Mitglied der National Union of Journalists. Des Weiteren war er als Korrespondent von London aus für einige radikale russische Zeitungen tätig. Rothstein schrieb auch für die Die Neue Zeit, dem Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, welches die Richtung eines konsequenten Marxismus vertrat und in dem alle bedeutenden Debatten zum Thema Marxismus und Sozialismus seiner Zeit stattfanden.

1895 wurde er Mitglied in der von Henry Hyndman (1842–1921) 1884 gegründeten Social Democratic Federation. Er besetzte als prominenter Theoretiker und Vordenker den linken Flügel der Partei und arbeitete ab 1900 für einige Zeit im Vorstand mit. Er vollzog auch den Wechsel zu Hyndmans 1911 neu gegründeten British Socialist Party, verließ aber die Partei 1914, nachdem Hyndman die britische Regierung im Eintritt in den Ersten Weltkrieg (1914–1918) unterstützte und die Partei sich zunehmend nationalistisch und chauvinistisch entwickelte.

1901 trat er als britisches Mitglied in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands ein. Nach der Aufspaltung der Partei im November 1903 in die Fraktion der Bolschewiki und der Menschewiki, unterstützte Rothstein die Lenin-Fraktion der Bolschewiki. Lenin (1870–1924) selbst suchte auf seinem Englandbesuch 1905 den engen Kontakt zu Rothstein und besuchte ihn regelmäßig.

1910 erregte er Aufsehen, in dem er mit „Egypt's Ruin“ eine sorgfältige Analyse anhand von Korrespondentenberichten Londoner Zeitungen über Ägypten und britischen Regierungsunterlagen nachwies, wie Ägypten nach der Okkupation durch die Briten systematisch ausgebeutet wurde. Obwohl Rothstein ein überzeugter Gegner des Ersten Weltkriegs war, arbeitete er für das Außenministerium und das Kriegsministerium als russischer Übersetzer und Dolmetscher.

1920, einer Einladung nach Moskau folgend, konnte er auf Grund des russischen Bürgerkriegs (1917–1923) und dessen politischen Verwicklungen nicht wieder zurück nach England reisen. Er blieb in Russland, wurde Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, übernahm den Vorsitz der Universitätsreformkommission (1920–1921), wurde von 1921 bis 1922 sowjetischer Botschafter im Iran und war von 1922 an Mitglied des Kollegiums vom Kommissariat für Außenpolitik. Rothstein wurde zum Direktor des Instituts für Weltökonomie und Weltpolitik in Moskau berufen und wurde 1939 Mitglied der Akademie.

Rothstein starb 1953, wann genau, wo und unter welchen Umständen ist nicht bekannt.

Werke[Bearbeiten]

  • The Decline of British Industry, 1903.
  • The Russian Revolution, 1907.
  • Egypt’s Ruin, A Financial and Administrative Record, London, 1910.
  • Essays in the History of the British Labour Movement,
  • From Chartism to Labourism - Historical Sketches of the English Working Class Movement, Dorrot Press Ltd., London, 1929.
  • Artikel in The Social Democrat, Justice, The Call and The Communist International - Marxists Internet Archive

Quellen[Bearbeiten]

alle Quellen in englischer Sprache

  • Theodore Rothstein, From Chartism to Labourism - Historical Sketches of the English Working Class Movement, Dorrot Press Ltd., London, 1929.
  • Theodore Rothstein - Marxists Internet Archive
  • Compendium of Communist Biography by surname - Graham Stevenson, National Organiser for the Transport and General Workers Union

Weblinks[Bearbeiten]