Fort Loncin

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Der Eingang des Forts

Fort Loncin war eines der zwölf Festungswerke um die belgische Stadt Lüttich. Es wurde im Jahre 1888 nach den Plänen des Generals Henri Alexis Brialmont erbaut. Bei diesen Werken wurde erstmals Beton und Stahlbeton im größeren Umfang verwendet. Es wurde bei einem deutschen Angriff im Ersten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Form und Lage[Bearbeiten]

Das Fort hat die Form eines gleichseitigen Dreiecks mit einer Fläche von einem Hektar und ist mit einem Graben von zehn Metern Tiefe und 15 Metern Breite umgeben. Das Fort befindet sich etwa sieben Kilometer westlich der Innenstadt von Lüttich an der Ausfallstraße in Richtung der belgischen Hauptstadt Brüssel. Die Besatzung bestand aus 500 Artilleristen und 80 Infanteristen.

Eine der zerstörten Haubitzen

Die Bewaffnung des Forts war:

  • Zwei Haubitzen im Kaliber 210 mm unter jeweils einer Panzerkuppel
  • Zwei Kanonen im Kaliber 150 mm zu zweit unter einer Panzerkuppel
  • Vier Kanonen im Kaliber 120 mm jeweils zu zweit unter einer Panzerkuppel
  • Vier Kanonen im Kaliber 57 mm unter jeweils einer Panzerkuppel
  • Weitere Schnellfeuerkanonen im Kaliber 57 mm und Scharten für Maschinengewehre

Die schweren Waffen und Panzerkuppeln stammten vor allem aus dem Deutschen Reich; besonders war die Krupp Gussstahlfabrik in Essen und deren 1893 übernommenes Tochterunternehmen Grusonwerk (Magdeburg-Buckau) vertreten. Der andere Teil der Waffen stammte aus Belgien.

Zerstörung im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Beginn des Krieges galten die Forts von Lüttich als uneinnehmbar. Durch für die deutschen Angreifer glückliche Umstände konnte die Innenstadt gleich am 5. August 1914 genommen werden. Die zwölf Forts konnten allerdings erst genommen werden, als mit der Dicken Bertha schwerste Belagerungsartillerie mit dem Kaliber 42 cm, hergestellt von der Firma Krupp, herangeschafft wurde.

Eine weitere zerstörte Haubitze

Bei der Beschießung mit diesem Belagerungsgeschütz am 15. August 1914 erhielt Fort Loncin einen Volltreffer in die Munitionskammer, die daraufhin explodierte. Die Explosion riss 350 belgische Soldaten in den Tod. Die Überlebenden gingen in deutsche Kriegsgefangenschaft, darunter auch der belgische Befehlshaber Gérard Leman.

Folgen[Bearbeiten]

Der überraschende Einsatz der Dicken Bertha hatte weitreichende Konsequenzen auf das Selbstbewusstsein der Deutschen, begründete sich mit dieser Waffe doch der Mythos der Wunderwaffe. Das Kaliber dieses Mörsers von 42 cm wurde dafür geradezu ein Synonym. Der deutsche Glaube an die Überlegenheit der eigenen Technik lässt sich durch beide Weltkriege bis hin zur V2 verfolgen.

Die Ursache für den schnellen Fall des Forts lag in erster Linie in der Tatsache, dass die Munitionskammern zu nahe an der Oberfläche lagen. Ein weiterer Grund war die falsche Verarbeitung des neuen Werkstoffes Beton. Beides wurde bei den belgischen Neubauten in der Nachkriegszeit vermieden.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Fort nicht wieder aufgebaut. Stattdessen befinden sich dort ein Soldatenfriedhof und eine Gedenkstätte. Auf einer der an Ort und Stelle liegenden Kanonen ist immer noch deutlich der Stempel des Herstellerwerkes Krupp zu erkennen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fort Loncin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.6747222222225.4919444444444Koordinaten: 50° 40′ 29″ N, 5° 29′ 31″ O