Dicke Bertha

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt ein 42-cm-Geschütz des Ersten Weltkrieges. Zu weiteren Bedeutungen siehe Dicke Berta.
Die Artikel 42-cm-Gamma Mörser und Dicke Bertha überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Arturius 13:20, 9. Jul. 2014 (CEST)
Modell der Dicken Bertha (M-Gerät) mit Schild und Wartungsgeländer. Die beiden Stützen am vorderen Ende der Lafette sollten ein Überkippen nach vorne verhindern.

Dicke Bertha (auch Dicke Berta) war der Spitzname mehrerer deutscher Geschütze, die zum ersten Mal im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden und dort zu den bekanntesten Waffen zählten. Im engeren Sinn bezieht sich der Spitzname nur auf das M-Gerät mit Räderlafette, jedoch wurde teilweise auch das Gamma-Gerät so bezeichnet.[1]

Es handelte sich in beiden Fällen um 42-cm-Mörser, die vom Rüstungskonzern Krupp entwickelt und gebaut wurden. Die beiden Geschütztypen wurden aus Tarnungsgründen jeweils als Kurze Marine-Kanone bezeichnet, obwohl sie für den Einsatz an Land vorgesehen waren. Sie sollten zur Bekämpfung von Festungsanlagen dienen. Im Ersten Weltkrieg zeigte sich jedoch, dass die modernsten und stärksten Festungsbauwerke aus Stahlbeton den 42-cm-Granaten standhielten, während ältere Konstruktionen durchschlagen wurden.

Name[Bearbeiten]

Die Geschütze waren aufgrund ihrer Größe sehr populär. Über den Ursprung des Namens liegen keine Unterlagen vor, es ist aber zu vermuten, dass er aus dem Buchstabier-Alphabet (Bertha für den Buchstaben B) stammt (vgl. ähnliche „Namensgeschütze“). Eine häufig angenommene Beziehung zu Bertha Krupp ist nicht zweifelsfrei nachweisbar.

Kosten[Bearbeiten]

Ein Geschütz kostete 1 Million Mark und war für 2000 Schuss ausgelegt. Jeder Schuss kostete damit ungefähr 1500 Mark (1000 Mark Munition + 500 Mark Abschreibung).

Varianten[Bearbeiten]

Kurze Marine-Kanone 12 L/16 (Gamma-Gerät)
Foto der Dicken Bertha (M-Gerät)

Kurze Marine-Kanone 12 L/16 („Gamma-Gerät“)[Bearbeiten]

Das Gamma-Gerät hatte eine Gesamtmasse von 150 Tonnen und wurde auf zehn Eisenbahnwagen befördert.

Bis 1912 wurden fünf Exemplare gebaut, im Laufe des Ersten Weltkriegs weitere zehn zuzüglich 18 Ersatzrohre.[2]

Kurze Marine-Kanone 14 („M-Gerät“)[Bearbeiten]

Bei der Bezeichnung M-Gerät stand das „M“ für Minenwerfer, obwohl es sich eigentlich um einen Mörser handelte.

Auffälligster Unterschied zum Gamma-Gerät war die Räderlafette zum Straßentransport, die bei Bedarf mit Radgürteln ausgestattet werden konnte. Auch hatte das M-Gerät ein kürzeres Rohr (L/11,9) als das Gamma-Gerät (L/16).

Das M-Gerät hatte im feuerbereiten Zustand eine Masse von 42,6 Tonnen und wurde in vier Teillasten gefahren, wobei motorisierte Zugmaschinen verwendet wurden.

Bis 1913 wurden zwei Stück gefertigt, im Laufe des Ersten Weltkriegs nochmals weitere zehn.[3]

Geschosse[Bearbeiten]

Geschoss und Geschosshülse im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt

Die Mörser verschossen unterschiedliche Munitionsarten: Das M-Gerät verschoss eine schwere Granate von 810 kg bis auf 9300 m, mit der 1917 eingeführten leichten Granate von 400 kg hatte es eine Reichweite von 12.250 m. Das Gamma-Gerät verschoss eine leichte Granate von 960 kg auf 14.100 m, eine schwere Granate von 1160 kg auf 12.500 m und eine sogenannte neue Granate von 1003 kg auf 14.200 m. Das Gewicht der Sprengladung lag bei den schweren Granaten bei etwa 410 kg, das der leichteren bei 100 kg.

Die Auftreffenergie beim M-Gerät betrug etwa 34 MJ (3500 mt), beim Gamma-Gerät 59 MJ (6000 mt), die Mündungsenergie 373 MJ (38.000 mt).

Einsatz im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs konnte das Geschütz gegen die älteren belgischen und französischen Sperrforts, die in nicht armiertem Stampfbeton ausgeführt waren oder nur partiell verstärkt waren, mit großem Erfolg eingesetzt werden. Besonders verheerend war der Einsatz bei großenteils noch in Bruchsteinwerk ausgeführten Anlagen wie Fort Liouville (Apremont-la-Forêt). Die Befestigungen konnten der Wucht des bis dahin unbekannten Kalibers nicht standhalten.

Zu Beginn des Krieges galt der Festungsring Lüttich (bestehend aus zwölf Forts) als uneinnehmbar. Durch für die deutschen Angreifer glückliche Umstände konnte die Innenstadt von Lüttich gleich am 5. August 1914 erobert werden. Die zwölf Forts konnten erst genommen werden, als mit der Dicken Bertha schwerste Belagerungsartillerie mit dem Kaliber 42 cm herangeschafft wurde. Als die Dicke Bertha Fort Loncin beschoss, erzielte sie am 15. August 1914 einen Volltreffer in die Munitionskammer. Daraufhin explodierte das Fort; 350 belgische Soldaten starben.

Bei der Belagerung von Antwerpen im September/Oktober 1914 kamen zwei Batterien (Kurze Marinekanonen-Batterie 2 und 3) mit jeweils 2 Gamma-Geräten zum Einsatz. Beschossen wurden die Forts Wavre-Ste.Catherine und Koningshoyckt durch die Batterie 2, sowie Lier, Kessel und Broechem durch die Batterie 3.

Auch am Kriegsschauplatz Verdun kamen die Mörser zum Einsatz. So wurden unter anderem das Fort Vaux und das Fort Moulainville erheblich beschädigt. Durch den massiven Beschuss wurden auch stark betonierte oder mit Stahl gepanzerte Teile zerstört. Nach dem Verdun-Einsatz waren die Rohre stark abgenutzt; eine Nachfertigung unterblieb wegen der zunehmenden Veraltung des Geschütztyps.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Gemäß dem Vertrag von Versailles mussten die Geschütze nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zerstört oder den Alliierten übergeben werden. Eines der Gamma-Geräte, das sich auf dem Versuchsgelände von Krupp befand, wurde dabei übersehen. Zuerst 1936/37 zu Schussversuchen verwendet, wurde es 1939 wieder in das Heer eingegliedert und im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Der erste Einsatz fand am 7. Juni 1942 bei der Belagerung der Festung Sewastopol statt. Im September 1944 wurde das Geschütz bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes eingesetzt. Sein Verbleib ist unsicher, wahrscheinlich wurde es vor der Ankunft der Roten Armee gesprengt[4].

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Berchtold, Krobatin: Briefwechsel vom November 1914 über die Verwendung der öst.ung. Motorbatterien in Belgien. Österreichisches Staatsarchiv
  • Gerhard Taube: Die schwersten Steilfeuer-Geschütze 1914–1945. Geheimwaffen „Dicke Berta“ und „Karl“. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-87943-811-0.
  • Franz Kosar: Die schweren Geschütze der Welt. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02204-4.
  • Axel Turra: Dicke Bertha – Ein 42-cm-Steilfeuergeschütz wird zur Legende. Podzun-Pallas Verlag, Wölfersheim-Berstadt 2001, ISBN 3-7909-0753-7 (Waffen-Arsenal Special 31).
  • F. Hahn: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933-1945. Bernard und Graefe, Bonn 1992, ISBN 3-8955-5128-7.
  • Terry Gander, Peter Chamberlain: Enzyklopädie deutscher Waffen 1939-1945. Motorbuch, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01975-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz, Markus Pöhlmann (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-73913-1, S. 440.
  2. Franz Kosar: Die schweren Geschütze der Welt. Motorbuch Verlag, 2002, ISBN 3-613-02204-4.
  3. Franz Kosar: Die schweren Geschütze der Welt. Motorbuch Verlag, 2002, ISBN 3-613-02204-4.
  4. [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dicke Bertha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien