Funkmeldesystem

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Das Funkmeldesystem (Abkürzung: FMS) ist ein tonfrequentes Übertragungssystem im BOS-Funkbetrieb bei den deutschen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Es dient der Übermittlung des Status von Einsatzfahrzeugen.

Hauptvorteil ist, dass Routinemeldungen, zum Beispiel die Meldung, wenn ein Einsatzfahrzeug auf dem Weg zum Einsatz ist, schnell und automatisiert an die Leitstelle übertragen und empfangen werden. Dadurch wird der BOS-Funk, und damit die Leitstellen-Disponenten, entlastet und der Sprechfunk für weitere und wichtigere Kommunikation freigehalten.

FMS-Bedieneinheit

Inhaltsverzeichnis

Funktionsweise [Bearbeiten]

Mit Hilfe des Funkmeldesystems der BOS werden so genannte taktische Kurzinformationen (wie z. B. die Information, dass ein Fahrzeug am Zielort eingetroffen ist) zwischen Fahrzeugen und Leitstelle ausgetauscht. Zur Übertragung der digitalen Daten wird der normale Betriebskanal der jeweiligen BOS verwendet. Jedes Fahrzeug verfügt dazu über eine eindeutige digitale Kennung, die stets zusammen mit der Information übertragen wird. Diese Kennung setzt sich bei überörtlichen Organisationen aus der zugehörigen Organisation (BOS-Kennung), dem Bundesland, einer Ortskennung sowie der Standortkennung, Fahrzeugart und der laufenden Nummer des jeweiligen Fahrzeugtyps zusammen. Daran schließt sich dann der entsprechende Status (0-9) an.

Von Seiten des Fahrzeuges wird über eine Ziffer (0-9) und über eine Zusatzebene (I-IV, Taktische Kurzinformation (TKI)) eine Information an die Leitstelle übermittelt, letztere ist jedoch ungebräuchlich. Von Seiten der Leitstelle kann über einzelne Buchstaben (u. a. E, C, F, H, J, L) eine Information gezielt an ein einzelnes Fahrzeug übermittelt werden.

Die Übermittlung wird vom System durch Rückübertragung quittiert. Des Weiteren kann eine Leitstelle längere Texte, sogenannte Kurztext-Telegramme, an Fahrzeuge schicken. Diese nicht sehr verbreitete Technik wird meist im Rettungsdienst zur Übermittlung des Einsatzortes eingesetzt. Das Kurztext-Telegramm benutzt allerdings ein anderes Übertragungsprotokoll als das FMS.

Folgende Ziffern sind dienstübergreifend festgelegt:

  • 0 = Notruf
  • 9 = Handquittung

Die meisten Funkgeräte sind so eingestellt, dass die Taste des Status 0 länger oder zweimal kurz nacheinander gedrückt werden muss, um eine Blockierung des Funkkanals durch versehentliches Drücken zu vermeiden. Durch das Drücken des Status 0 bleibt das Funkgerät je nach Einstellung 30-60 Sekunden im Sendebetrieb und kann gegebenenfalls nicht mehr ausgeschaltet werden. Diese Panikschaltung ist z. B. für Eigenunfälle oder akute Bedrohungen gedacht.

Die technischen Details sind in der Technischen Richtlinie BOS (TR-BOS Funkmeldesystem) festgelegt.[1]

Bosch FuG8b mit Commander 5-Hörer

Der BOS-Funk ist ein nichtöffentlicher mobiler UKW-Landfunkdienst (nömL) in Deutschland, der von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben verwendet wird.

Meldeweg Fahrzeug – Leitstelle [Bearbeiten]

Das FMS der BOS ist in aller Regel wie nachfolgend kodiert:

Status Rettungsdienst Feuerwehr Polizei
0 Notruf Notruf Notruf
1 einsatzbereit über Funk (auch Einbuchen) einsatzbereit über Funk (auch Einbuchen) einsatzbereit über Funk (auch Einbuchen)
2 einsatzbereit auf Wache einsatzbereit auf Wache einsatzbereit auf Wache
3 Einsatz übernommen / Anfahrt zum Einsatzort („ab“) Einsatz übernommen / Anfahrt zum Einsatzort („ab“) Einsatz übernommen / Anfahrt zum Einsatzort („ab“)
4 Ankunft am Einsatzort („an“) Ankunft am Einsatzort („a.d.E.“) Ankunft am Einsatzort („an“)
5 Sprechwunsch Sprechwunsch Sprechwunsch
6 nicht einsatzbereit nicht einsatzbereit temporär ausbuchen
7 Patient aufgenommen bedingt einsatzbereit über Funk

(nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)

Infowunsch (Datenabfrage)
8 am Transportziel bedingt einsatzbereit auf Wache

(nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)

Einsatz übernommen / Anfahrt zum Einsatzort (Freie Fahrzeugzuordnung)
9 Notarzt aufgenommen (Kreisübergreifend verschieden/Handquittung / Anmeldung im Fremdkreis / in einigen Leitstellenbereichen auch "Dringender Sprechwunsch", (Ruf mit Priorität) Handquittung / in einigen Leitstellenbereichen auch "Dringender Sprechwunsch", (Ruf mit Priorität)

(nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)

einbuchen / ausbuchen (nicht überall belegt)
TKI Rettungsdienst
I ohne Notarzt/ohne Sondersignal (nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)
II ohne Notarzt/mit Sondersignal (nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)
III mit Notarzt/ohne Sondersignal (nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)
IV mit Notarzt/mit Sondersignal (nach gültigen BOS-Richtlinien für die Feuerwehr nicht mehr vorgesehen)

Meldeweg Leitstelle – Fahrzeug [Bearbeiten]

Status Rettungsdienst Feuerwehr Polizei
A Sammelruf (An Alle) [2] Sammelruf (An Alle) [2] Sammelruf (An Alle) [2]
E Einrücken/Abbrechen / Einsatzauftrag aufgehoben [2] Einrücken/Abbrechen / Einsatzauftrag aufgehoben [2] Eigensicherung [2]
C Melden Sie sich für Einsatzübernahme [2] Melden Sie sich für Einsatzübernahme [2] Fremdhörer ausschalten
F Kommen Sie über Draht [2] Kommen Sie über Draht [2] Kommen Sie über Draht [2]
H Fahren Sie Wache an [2] Fahren Sie Wache an [2] Haftbefehl
J Sprechaufforderung (nach Status 5) [2] Sprechaufforderung (nach Status 5) [2] Sprechaufforderung (nach Status 5) [2]
L Geben Sie Lagemeldung [2] Geben Sie Lagemeldung [2] Geben Sie Lagemeldung [2]
P Einsatz mit POL.
U Unerlaubte Statusfolge
c Status korrigieren Status korrigieren
d Transportziel durchgeben
h Zielklinik verständigt
o Warten, alle Abfrageplätze belegt Warten, alle Abfrageplätze belegt
u Verstanden Verstanden

(Im Bereich einzelner Leitstellen können durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen FMS-Status bestehen, da die Belegung der einzelnen Status durch das jeweilige Landesrettungsdienstgesetz oder ähnliche Gesetzestexte festgelegt wird) Hierbei wird bewusst von gängigen Vorschriften und Gesetzen (zum Beispiel DV 810/3) abgewichen.

Technische Umsetzung [Bearbeiten]

Beim Funkmeldesystem werden Datentelegramme von 48 Bit Länge übertragen, in diesen sind 40 Bit Nutzdaten enthalten. Vor dem Datentelegramm werden zur Synchronisation der Empfänger eine Serie von 10 Bits des Wertes „1“ und anschließend das Block-Synchronisations-Byte „00011010“ übertragen. Die Datenbits werden in Niederfrequenzumtastung in einer Geschwindigkeit von 1200 Baud übertragen, wobei als Frequenzpaar die Frequenzen 1200 und 1800 Hz verwendet werden. Eine vollständige Statusübertragung dauert insgesamt 0,055s und ist meist nur als kurzes Aufsteuern oder Rauschen hörbar. Der komplette Aufbau der Übertragung sieht wie folgt aus: [3]

Bit Bedeutung
Vorlauf 10 x „1“ Bit und Block-Synchronisation „00011010“ (s.o.)
1-4 BOS-Dienstekennung (4 Bit)
5-8 Länderkennung (4 Bit)
9-16 Ortskennung (8 Bit)
17-32 Fahrzeugkennung (16 Bit)
33-36 Status (4 Bit)
37 Baustufenkennung (1 Bit)
38 Richtungskennung (1 Bit)
39-40 taktische Kurzinformation (2 Bit)
41-47 Redundanz
48 Schlussbit

Die Darstellung der Status-Bits (Nr. 33 bis 36) als Ziffern und bestimmte Buchstaben ist bedingt durch die Darstellungsmöglichkeiten nach dem Stand der Technik bei Einführung des Funkmeldesystems in den 1970er Jahren. In den FMS-Bediengeräten war jeweils die Anzeige des Einsatzzustandes (Fahrzeug – Leitstelle) und der Anweisung (Leitstelle - Fahrzeug) durch ein Element der Siebensegmentanzeige realisiert. [4]

Daraus ergaben sich beispielsweise folgende Möglichkeiten:

FMS-Fahrzeuggerät von 1988
Anzeigen
1 2 3 4 5 6 7 8 9
A E C F H J L h o u

Ausfälle des Systems [Bearbeiten]

Die computergestützte Auswertung der einzelnen Status ist bei einem Ausfall des Rechnersystems nicht mehr möglich. Höhere Ausfallsicherheiten erhält man durch redundante Anlagen. Bei einem Totalausfall des Systems nimmt die Belegung des Funkkanals enorm zu, da sämtliche Fahrzeuge ihren Status im Sprechfunk durchgeben müssen. Hinzu kommt eine Häufung von automatisierten Sendungen, wie z.B. die GPS-Standortübertragung, da sie vom Einsatzleitrechner nicht mehr quittiert werden und somit doppelt oder - je nach Konfiguration der Funkgeräte - mehrfach (erfolglos) gesendet werden.

Siehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. TR-BOS Funkmeldesystem, Stand Juni 1999 (PDF, 1 MB).
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Anhang 4 der TR-BOS Funkmeldesystem, Stand Juni 1999 (PDF, 1 MB), S. 5/6 (S. 56/57 im PDF). Die mit diesem Einzelnachweis versehenen Fernaufträge sind einheitlich verwendet, bei den übrigen kann die Verwendung örtlich abweichen.
  3. TR-BOS Funkmeldesystem, Stand Juni 1999 (PDF, 1 MB), Abschnitt 4.4, S. 18.
  4. TR-BOS Funkmeldesystem, Stand Juni 1999 (PDF, 1 MB), Abschnitt 3.2.1, S. 11.

Weblinks [Bearbeiten]