Ghumdan-Palast

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Ghumdan-Palast, auch bekannt als Qasir Ghumdan oder Ghamdan Palast, ist ein alter Palast und zugleich Festung in Sana'a im Jemen. Er befindet sich westlich der Großen Moschee von Sana'a,[1] und ist Bestandteil der UNESCO-Welterbe-Zone in der Altstadt von Sana'a.

Der Palast könnte aus vorislamischer Zeit stammen und von den Sabäern in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. unter der Herrschaft des letzten großen sabäischen Königs Ilsharah Yahdub erbaut worden sein; andere Historiker datieren den Baubeginn auf das 2. oder sogar 1. Jahrhundert n. Chr.[2][3] Der Palast wurde von Kalif Uthman zerstört, vielleicht aber auch früher durch den abessynischen Eroberer Abrahah Al-Hubashi. Er wurde mehrfach renoviert und fand Einzug in arabische Volksmärchen. Der Palast wird auch in der arabischen Poesie erwähnt, die Dichter beschreiben meist seine Schönheit.[4] Der Palast-Turm wird von einigen als erstes Hochhaus der Welt angesehen.[5]

Die Geschichte des Palastes ist reich an Legenden und Erzählungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl der alte Palast heute in Ruinen liegt, bildet er den Prototyp für die typischen turmartigen Häuser in der Altstadt von Sana’a.[3]

Im Palast residierten die letzten himyaritischen Könige, die den Jemen von Ghumdan aus beherrscht hatten.[6] Berichten zufolge wurde er durch Kalif Uthman im 7. Jahrhundert zerstört, da er fürchtete, der Palast könnte etwaigen Rebellen als Rückzugsort dienen. Materialien des Palastes wurden für den Bau der Großen Moschee verwendet.[1] Der Palast wurde aber wenig später wiederaufgebaut. Die Ruinen des Palastes bilden heute einen Erdwall, der sich östlich des Großen Moschee bis zum Stadttor Bab Al-Yemen hinstreckt.

Architektur[Bearbeiten]

Die Altstadt von Sana'a mit typischen Turmgebäuden

Der Palast-Turm wurde auf einer Hügelspitze errichtet. Es besteht Uneinigkeit über die ursprüngliche Höhe des Gebäudes. Meist wird von sechs bis zu zehn Stockwerken ausgegangen.[1] Im frühen 9. Jahrhundert sagt ein Bericht aus, das Gebäude sei „sieben Stockwerke hoch“ gewesen, „der höchste Raum mit vielfarbigem Marmor verkleidet und das Dach ein einziger Brocken aus grünlichem Marmor.“

Der Palast besaß einen quadratischen Grundriss. Die vier Außenwände des Palastes waren aus weißem, schwarzem, grünem und rotem Marmor.[2] Das oberste Stockwerk des Turms enthielt die Bilqis-Halle. Diese Halle wurde in den Al-Hamdanis beschrieben: Die vier Öffnungen an den vier Enden der Halle gewährten einen guten Blick auf den Mond, der von den Königen des alten Jemen verehrt wurde.[4] Bronzelöwen an jeder Ecke der Alabasterdecke sollen ein brüllendes Geräusch von sich gegeben haben, wenn Wind durch sie hindurch strich. Ein Tor, bekannt als „Qasr Al-Selah“, soll den letzten Überrest dieses Turms darstellen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Daniel McLaughlin: Yemen: the Bradt travel guide. Bradt Travel Guides, 12 February 2008, ISBN 978-1-84162-212-5 (Zugriff am 11 July 2011).
  2. a b Charles Aithie, Patricia Aithie Yemen: jewel of Arabia. Stacey International, 2001, ISBN 978-1-900988-15-5 (Zugriff am 11 July 2011).
  3. a b Carolyn Han: From the land of Sheba: Yemení folk tales. Interlink Books, 2005, ISBN 978-1-56656-571-4 (Zugriff am 11 July 2011).
  4. a b Zaid Al-Alaya: The Ancient & Mysterious Palace of Ghamdan. Yemen Observer. 1. Oktober 2005. Abgerufen am 15. Juli 2012.
  5. Encyclopedia Americana. Americana Corp., 1966 (Zugriff am 30 July 2011).
  6. P. Bidwell, R.B. Serjeant, R. L. Bidwell, Smith, G. Rex New Arabian studies. University of Exeter Press, 1 January 1994, ISBN 978-0-85989-408-1 (Zugriff am 11 July 2011).

15.35300544.214419Koordinaten: 15° 21′ 11″ N, 44° 12′ 52″ O