Gudrun Tiedge

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Gudrun Tiedge, geborene Lemke (* 29. September 1953 in Garz/Rügen) ist Mitglied der Partei Die Linke und Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt und war inoffizielle Mitarbeiterin der DDR-Staatssicherheit.

Leben[Bearbeiten]

Nach einem Jurastudium war Tiedge von 1978 bis 1991 Staatsanwältin in der DDR. Zudem war sie Mitglied der SED und von 1971 bis 1977 aktiv als IM „Rosemarie“ bzw. „Rosemarie Lehmann“ für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR tätig und als DDR-Staatsanwältin mitverantwortlich für die Verurteilung von „Republikflüchtlingen“.[1] Sie hatte jahrelang handgeschriebene Berichte über politische Einstellungen von Klassenkameraden und Lehrern der Erweiterten Oberschule in Grevesmühle geliefert. Bei einer Befragung durch das sachsen-anhaltischen Justizministerium beantwortete sie 1991 die Frage nach einer Stasi-Mitarbeit mit „Nein“, um als ehemalige DDR-Staatsanwältin in den Staatsdienst übernommen zu werden. Die anschließende Überprüfung ihrer Stasi-Akten durch das Ministerium führte im Juli 1991 zur Entlassung als Beamtin[2] und sie wechselte für die SED-Nachfolger in die Landespolitik.

1995 wurde Tiedge mit mehr als einer Zweidrittelmehrheit als Vorsitzende des Verfassungs- und Rechtsausschusses des Landtages abgelöst,[3] Ministerpräsident Wolfgang Böhmer forderte ein Zeichen gegen moralische Beliebigkeit. Neben ihrem Mandat arbeitet sie als Rechtsanwältin.

Ihr Wahlkreis ist der Bördekreis. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der sachsen-anhaltischen Gedenkstättenstiftung. Tiedge ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Stiftungsrat der sachsen-anhaltischen Gedenkstättenstiftung[Bearbeiten]

Ihre Partei vertritt sie seit Oktober 2006 im Stiftungsrat. Aufgabe der Stiftung ist Aufarbeitung der SED-Diktatur. Da Tiedge selbst bis 1989 aktiv in diesem totalitärem System mitgewirkt hat, insbesondere als inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi und Staatsanwältin bei Anklagen wegen „Republikflucht“, werfen Opferverbände dem Landtag vor, den „Bock zum Gärtner“ zu machen. Die Linkspartei hält an ihrer Kandidatin fest und fordert demokratische Wahlen zu einem solchen Gremium zu akzeptieren. Die Opferverbände haben daraufhin ihre Mitarbeit im Stiftungsrat eingestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.focus.de/kultur/leben/sozialismus-ii-spitzel-und-handaufhalter_aid_382760.html
  2.  Stasi-Mädchen Rosemarie. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1998, S. 19 (6. Juli 1998, online).
  3.  Stefan Berg, Andreas Wassermann: Kompetente Expertin. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1998, S. 37 (14. Dezember 1998, online).

Weblinks[Bearbeiten]