Garz/Rügen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Garz/Rügen
Garz/Rügen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Garz/Rügen hervorgehoben
54.31666666666713.3514Koordinaten: 54° 19′ N, 13° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Rügen
Amt: Bergen auf Rügen
Höhe: 14 m ü. NHN
Fläche: 65,44 km²
Einwohner: 2222 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18574
Vorwahlen: 03838, 038304, 038307
Kfz-Kennzeichen: VR, GMN, NVP, RDG, RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 73 027
Adresse der Amtsverwaltung: Markt 5–6
18528 Bergen auf Rügen
Webpräsenz: www.stadt-garz-ruegen.de
Bürgermeisterin: Gitta Gohla
Lage der Stadt Garz/Rügen im Landkreis Vorpommern-Rügen
Rostock Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Altenpleen Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Klausdorf (bei Stralsund) Kramerhof Preetz (bei Stralsund) Prohn Saal (Vorpommern) Barth Divitz-Spoldershagen Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Karnin (bei Barth) Kenz-Küstrow Löbnitz (Vorpommern) Lüdershagen Pruchten Saal (Vorpommern) Trinwillershagen Bergen auf Rügen Buschvitz Garz/Rügen Gustow Lietzow Parchtitz Patzig Poseritz Ralswiek Rappin Sehlen Ahrenshoop Born a. Darß Dierhagen Prerow Wieck a. Darß Wustrow (Fischland) Franzburg Glewitz Gremersdorf-Buchholz Millienhagen-Oebelitz Papenhagen Richtenberg Splietsdorf Velgast Weitenhagen (Landkreis Vorpommern-Rügen) Wendisch Baggendorf Elmenhorst (Vorpommern) Sundhagen Wittenhagen Baabe Gager Göhren (Rügen) Lancken-Granitz Middelhagen Sellin Thiessow Zirkow Groß Kordshagen Jakobsdorf Kummerow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Neu Bartelshagen Niepars Pantelitz Steinhagen (Vorpommern) Wendorf Zarrendorf Altenkirchen (Rügen) Breege Dranske Glowe Lohme Putgarten Sagard Wiek (Rügen) Bad Sülze Dettmannsdorf Deyelsdorf Drechow Eixen Grammendorf Gransebieth Hugoldsdorf Lindholz Tribsees Ahrenshagen-Daskow Schlemmin Ribnitz-Damgarten Semlow Altefähr Dreschvitz Dreschvitz Gingst Hiddensee Kluis Neuenkirchen (Rügen) Neuenkirchen (Rügen) Rambin Samtens Schaprode Schaprode Trent (Rügen) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Binz Grimmen Marlow Putbus Putbus Sassnitz Stralsund Stralsund Süderholz Zingst Zingst ZingstKarte
Über dieses Bild
Strand des Greifswalder Boddens am Palmer Ort beim Ortsteil Grabow
Turm der Garzer St.-Petri-Kirche
Ernst Moritz Arndt-Geburtshaus in Groß Schoritz
Ernst-Moritz-Arndt-Museum

Garz/Rügen ist eine Stadt im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt wird vom Amt Bergen auf Rügen mit Sitz in der gleichnamigen Stadt verwaltet.

Geografie[Bearbeiten]

Garz liegt im Süden der Insel Rügen, etwa fünf Kilometer von der Küste entfernt. Die Umgebung ist flachwellig, die höchste Erhebung ist der Kanonenberg mit 34 m ü. NN. Die Entfernung nach Stralsund beträgt 22 Kilometer, zur Stadt Bergen auf Rügen 12 Kilometer. Seit 2004 gehört die Halbinsel Zudar zur Stadt. Südlich von Garz liegt, mit dem Garzer See, einer der wenigen größeren Seen auf der Insel Rügen.

Ortsteile[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Garz/Rügen gehören folgende Ortsteile:[2]

  • Bietegast
  • Buhse
  • Dumsevitz
  • Foßberg
  • Freudenberg
  • Garz/Rügen
  • Glewitz
  • Grabow
  • Kowall
  • Losentitz
  • Maltzien
  • Palmer Ort
  • Poltenbusch
  • Poppelvitz
  • Rosengarten
  • Schabernack
  • Silmenitz
  • Smitershagen
  • Swine
  • Tangnitz
  • Wendorf
  • Zicker
  • Zudar

Von 1818 bis 1952 gehörte Garz/Rügen zum Kreis Rügen (ab 1939 Landkreis Rügen), von 1952 bis 1955 zum Kreis Putbus, ab 1956 wieder zum Kreis Rügen (ab 1990 Landkreis), seit 2011 zum Landkreis Vorpommern-Rügen. Am 1. Januar 2001 wurde Groß Schoritz[3] und am 13. Juni 2004 Zudar auf der gleichnamigen Halbinsel in die Stadt Garz/Rügen eingemeindet.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Garz Stadt[Bearbeiten]

Name

Als Karennz, Kerentia oder Charenza wurde 1168 bzw. 1234 eine hart umkämpfte slawische Burg bezeichnet. 1327 stand in einem Stadtsiegel noch Chertz in Ruya (Rügen). Der Name Garz aber stammt wohl eher aus dem Slawischen Wort gard und bedeutet Burg (wie bei Stargard), was als gardec dann kleine Burg heißt oder auch befestigter Ort.

Ältere Geschichte

Um die Zeitenwende waren die Bewohner Rügens vom Stamm der ostgermanischen Rugier, denen ab dem 7. Jahrhundert die westslawischen Ranen folgten. Im 11./12. Jahrhundert existierte als Fürstensitz eine slawische Burganlage mit Wall und Siedlung. Der gut erhaltene Burgwall wurde von der Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts mit dem legendären Fürstensitz Charenza gleichgesetzt. Neuere interdisziplinäre Forschungsergebnisse aus den Jahren 2004 und 2005 haben aber ergeben, dass der Burgwall bei Venz (zwischen Gingst und Trent an der Neuendorfer Wiek) mit bedeutend größerer Wahrscheinlichkeit die Fürsten- und Tempelburg Charenza war, die am 16. Juni 1168 – einen Tag nach der Eroberung der Tempelburg am Kap Arkona – dem dänischen König Waldemar I. und seinem Heerführer Bischof Absalon von Roeskilde nach vorausgegangenen Verhandlungen kampflos übergeben wurde.[5][6]

1168 zerstörten die christlichen Dänen die Burganlage in Garz ebenso wie den Svantovit-Tempel im Burgwall am Kap Arkona. Ab 1240 siedelten deutsche Kolonisten und die Ortschaft Garz entstand. Garz erhielt 1316 vom Rügenfürst Wizlaw III. das Stadtrecht (civitatis Gartz) und wurde 1316 und 1319 erstmals erwähnt. Damit gilt sie als die älteste Stadt der Insel Rügen. Die im 14. Jahrhundert errichtete Stadtkirche St. Petri gehörte zunächst zum dänischen Bistum Roskilde.

1325 kam Rügen mit Garz zu Pommern, 1478 wurde Rügen mit Pommern vereinigt und nach dem Dreißigjährigen Krieg kam 1648 durch den Westfälischen Frieden Garz zu Schweden. Erst 1815 wurde durch den Wiener Kongress Garz eine preußische Stadt.

Um 1648 wurde der Spitzturm der Kirche bei einem Sturm zerstört und durch den heutigen flachen Turm ersetzt. 1765 vernichtet ein großer Stadtbrand viele Häuser. Die älteren, zumeist traufständig Bürgerhäuser wurden danach errichtet. Die Stadt ist heute wie in der Vergangenheit stark landwirtschaftlich geprägt.

Neuere Geschichte

1930 wurde durch den Diabetologen Gerhardt Katsch in Garz das erste Heim für die klinische und sozialmedizinische Betreuung von Diabetikern in Deutschland gegründet. Nach dem Umzug der Einrichtung nach Karlsburg in Vorpommern verblieb eine Außenstelle des Karlsburger Institutes in Garz als Ferienlager für die Betreuung von diabetischen Kindern während der Sommerferien.

Der Ortskern von Garz wurde im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 gründlich saniert. In der Nähe von Garz betreibt die Deutsche Telekom AG seit 1993 eine Sendeanlage.

Geschichte Ortsteile[Bearbeiten]

Foßberg

Zu DDR-Zeiten wurde im Ortsteil Foßberg ein Kinder-Ferienlager errichtet und betrieben, das nach 1990 dem Verfall preisgegeben worden ist.[7]

Groß Schoritz

Groß Schoritz wurde 1318 erstmals urkundlich erwähnt.

→ Siehe Hauptartikel: Groß Schoritz

Karnitz

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich Karnitz im Besitz des alten auf Rügen angesessenen Geschlechts von Usedom. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das als Jagdschloss erbaute Herrenhaus Karnitz errichtet. Es ist ein rechteckiger Bau im Stil der Tudor-Gotik mit Zinnentürmen an den Seiten der Front. Bauherr war Carl Georg Ludwig Guido Graf von Usedom (1805-1884). Der Gutshof war aber entfernt von Schloss und Park eingerichtet. Guido von Usedom war ein preußischer Diplomat, aber als solcher ein ausgesprochener Gegner Bismarcks. Nach seinem Tod erbte die Tochter Hildegard das Anwesen, konnte es aber nicht lange halten. Das Gut wurde Walzengut, letzter Besitzer war Freiherr von Lancken-Wakenitz auf Pamitz. Nach 1945 war das Schloss Wohnhaus und Gaststätte.[8]

Koldevitz

In Urkunden taucht Koldevitz 1314 als Colovitze und 1318 als Koldevitze auf.

→ Siehe Hauptartikel: Koldevitz

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 ergab sich folgende Sitzverteilung:

  • Freie Wählergemeinschaft Garz 6 Sitze
  • CDU 3 Sitze
  • Die LINKE 1 Sitz
  • FDP 1 Sitz
  • Einzelbewerber 1 Sitz

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde unter der Nr. 34 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Blau eine silberne Burg mit gezinnter Rundmauer, geöffneten goldenen Torflügeln und hochgezogenem goldenen Fallgatter, zwei niedrigeren Seitentürmen mit roten Kuppeldächern, Knäufen und je einem betagleuchteten Fenster sowie einem höheren, mittleren unbedachten Turm mit einem betagleuchten Fenster, auf dem ein goldener Mast steht mit einer dreilätzigen Fahne, die im silbernen Feld einen aufgerichteten roten Greifen zeigt.“

Das Wappen wurde 1994 von dem Sagarder Gerhard Koggelmann neu gezeichnet.

Flagge[Bearbeiten]

Die Stadtflagge zeigt in drei senkrechten Streifen abwechselnd die Farben Blau - Weiß - Blau. Die blauen Streifen nehmen je ein Viertel, der weiße Mittelstreifen nimmt zwei Viertel der Flaggenlänge ein. Der Mittelstreifen ist belegt mit dem Stadtwappen, wobei sich die Höhe des Wappenschildes zur Höhe der Flagge wie 3:5 verhält. Höhe und Länge der Flagge verhalten sich zueinander wie 2:3.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Die Partnerstadt Norderney liegt in Ostfriesland und ist eine der Ostfriesischen Inseln, die dem Bundesland Niedersachsen vorgelagert sind. Die Städtepartnerschaft der beiden Städte wurde direkt nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 beschlossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

→ Siehe: Liste der Baudenkmale in Garz/Rügen

  • Die evangelische Stadtkirche St. Petri, wurde Mitte des 14. Jh. im gotischen Stil aus Backsteinen erbaut. Die 2 östlichen Joche entstanden erst im 15. und 16. Jh. Um 1648 wurde der Spitzturm bei einem Sturm zerstört und durch den heutigen flachen Turm ersetzt.
  • Ernst-Moritz-Arndt - Geburtshaus im Ortsteil Groß Schoritz
  • Der slawische Burgwall Garz, deren 3 Tempel 1168 zerstört wurden, zählt zu den am besten erhaltenen in Deutschland.
  • Die älteren Bürgerhäuser, zumeist traufständig, stammen ausschließlich aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1765: Lindenstraße 1-2 und 4, Pfarrhaus, Wenden Str. 17, Langestr. 13
  • In der Stadt befindet sich das Ernst-Moritz-Arndt-Museum, welches dem im heutigen Ortsteil Groß Schoritz geborenen Dichter gewidmet ist.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

  • Die Stadt verfügt über ein gut ausgebautes Netz von Radwegen mit einer Länge von ca. 42,5 km.
  • In der Nähe von Garz betreibt die Deutsche Telekom AG seit 1993 eine Sendeanlage für UKW, TV und Richtfunk. Als Antennenträger kommt ein 190 m hoher, abgespannter Stahlfachwerkmast zum Einsatz (siehe auch: Rundfunk-Sendeanlagen auf Rügen). Die Anlage ist der Grundnetzsender für den Bereich Rügen und Stralsund. Abgestrahlt werden die Programme des NDR und der privaten Rundfunkveranstalter. Auch die DVB-T-Bouquets der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden von hier abgestrahlt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Gerhardt Katsch (1887–1961), Diabetologe, Mitbegründer der „Arndt-Stiftung Garz – Diabetikerheim“
  • Heinrich Laag (1892–1972), evangelischer Theologe, 1931 bis 1934 Superintendent der Synode Garz/Rügen
  • Gerhard Mohnike (1918–1966), arbeitete am Diabetikerheim in Garz

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 154-156 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Garz/Rügen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung §2 (PDF; 94 kB)
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  5. Kratzke, Reimann, Ruchhöft: Garz und Rugendahl auf Rügen im Mittelalter. In: Baltische Studien 2004 – Pommersche Jahrbücher für Landesgeschichte. Neue Folge Bd. 90, Verlag Ludwig, Kiel 2005, S. 25–52, ISBN 3-937719-02-4
  6. Sven Wichert: Beobachtungen zu Karentia auf Rügen im Mittelalter. In: Baltische Studien 2005 – Pommersche Jahrbücher für Landesgeschichte. Neue Folge Bd. 91, Verlag Ludwig, Kiel 2006, S. 31–38, ISBN 3-937719-35-0
  7. Facebook-Eintrag
  8. Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, S. 90, ISBN 3-88042-636-8