Gumelniţa-Kultur

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Moderne Reproduktion einer Gumelnitza-Keramik

Die Gumelniţa-Kultur (deutsch Gumelnitza-Kultur) ist eine neolithische Kultur in der zweiten Hälfte des fünften Jahrtausends v. Chr. Sie umfasst den Bereich Große Walachei (nach der Boian-Kultur), Dobrudscha (die Gebiete der vorherigen Hamangia-Kultur) und das südliche Bessarabien. Die Gumelnitza-Kultur war zum Süden hin in Bulgariens Osten verbreitet, sowohl im Norden als auch im Süden des Balkangebirges. Ihr Dasein endete nach fast einem Jahrtausend allmählich mit der Ankunft der Stämme der Kultur Cernavoda an der Donau.

Geschichte, Verbreitung, Kennzeichen, Bedeutung[Bearbeiten]

Die Gumelnitza-Kultur, auch bekannt als Gumelnitza-Kodjadermen-Karanovo VI-Kultur, erhielt ihren Namen nach den ersten Funden in der Umgebung des Gumelniţa-Massivs. Sie wurden durch den rumänischen Archäologen Vasile Pârvan im Jahr 1922 gemacht.[1] Als weiterer Wissenschaftler kam ihm Vladimir Dumitrescu zu Hilfe, der bereits im Frühjahr 1924 Prähistorikern aus der ganzen Welt die erste Kollektion Keramiken, Steinwerkzeuge, Kunstgegenstände präsentierte. Seit 1925 werden systematische Untersuchungen vor Ort durchgeführt.[2]

Die so benannte Gumelnitza-Kultur war die erste große kulturelle Vereinigung zwischen dem südlichen Balkan (Dikili Tash, Sitagroi ...) und den Karpaten. Lokale Besonderheiten sind teilweise erhalten geblieben, wie Auswertungen der Varna Necropolis zeigen.[2]

Die Ausbreitung dieser Kultur lässt sich in mehrere Phasen aufteilen, die anhand der Verwendung verschiedener Materialien oder der Ausprägung sozialer Strukturen beziehungsweise Hierarchien erkennbar wird. Im Osten stieß die Gumenitza-Kultur auf die beginnende Cernavodă-I-Kultur und hier endete ihr Verbreitungsgebiet. In anderen Regionen (Muntenien, Dobrudscha, Thrakien, Balkan und südliches Bessarabien) wirkte sie noch fast ein ganzes Jahrhundert weiter. Wissenschaftler bezeichnen sie dann als Gumelnitza-B-Phase. Sie unterscheiden neben der A- und B-Phase auch noch weitere Unteretappen.[2]

Charakteristische Merkmale der Gumelnitza-Kultur sind die vorherrschende Verwendung von mit Graphit bemalter und gebrannter Keramik, die sogenannte Schwarze Keramik sowie eine spezielle Totenkultur. Die Verstorbenen wurden in geduckter Haltung beigesetzt und die Bestattungsstätten befanden sich außerhalb der Wohnsiedlungen in geordneten Feldern. Manche Schädel zeigen nachträglich vorgenommene Einkerbungen.[2]

Die Menschen dieser Kulturzeit siedelten häufig auf Hügelkuppen, auf Inseln, in der Nähe von natürlichen Wasserquellen. Sie lebten vor allem von Produkten der Landwirtschaft, von der Tierzucht und der Jagd. Ihre flachen Wohnbauten besaßen Böden aus gestampftem Lehm, für die Wände waren eingerammte Holzpfosten mit biegsamen Gerten umflochten und mit Lehm und Stroh ausgefacht. In der Nähe befanden sich Werkstätten, Schlachthöfe, Ställe, Gemeinschaftsräume und Kultstätten. Zwischen den einzelnen Niederlassungen erfolgte friedlicher Handel. Für die Werkzeuge benutzte man Tierknochen, Horn, bearbeitete Steine. Die Archäologen fanden große Beile mit scharfen langen Klingen, Pfeile, Harpunen, Hacken aber auch Schmuck. Die Bearbeitung und der Einsatz von Kupfer und teilweise Gold ist nachgewiesen.[2]

Aus wenig bekannten Gründen stellten die Menschen der Gumelnitza-Kultur auch anthropomorphe und Statuen in Tiergestalt her, meist aus Lehm geformt oder aus Knochen geschnitzt. Die Analyse der Körpermerkmale ergab, dass etwa ein Drittel aller menschlichen Statuetten weiblich sind, nur ein Prozent dagegen deutliche männliche Merkmale aufweisen. Der Rest ist dagegen indifferent. Diese Aufteilung führt zu der Vermutung, dass Frauen in dieser Kulturgesellschaft dominierend waren.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie und wissenschaftliche Leistung siehe rumänische Wikipedia (rumänisch)
  2. a b c d e f Die Gumelnita-Zivilisation