Häufigkeit

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Häufigkeit hat zwei Bedeutungen:

  • Alltagsbedeutung: Unter einer Häufigkeit versteht man alltagssprachlich die Anzahl von Ereignissen innerhalb eines Zeitraums. Bei periodischen Vorgängen kann diese Größe auch Frequenz genannt werden. Im Alltag lauten Fragen nach der Häufigkeit: „Wie häufig/Wie oft in ihrem Leben …“ oder „Wie häufig/Wie oft pro Woche …“.
  • Statistische Bedeutung: In der Statistik wird das Wort Häufigkeit nicht nur auf Ereignisse, sondern auch auf Objekte angewandt. So gibt es die „relative Häufigkeit an Frauen einer Stadt“, was alltagssprachlich ungewöhnlich anmutet.

Arten des statistischen Häufigkeitsbegriffs[Bearbeiten]

Bei der Angabe der statistischen Häufigkeit unterscheidet man verschiedene Formen:

Beispiel einer absoluten Häufigkeitsverteilung
Beispiel einer kumulierten Häufigkeitsverteilung
  • kumulative Häufigkeit (auch Summenhäufigkeit): Für ein ordinal oder metrisch skaliertes Merkmal seien die Ausprägungen ai der Größe (aufsteigend) nach geordnet. Die kumulative Häufigkeit eines Merkmals, ist die Summe aller Häufigkeiten bis einschließlich der jeweiligen Merkmalsausprägung ai (siehe Abbildung). Dabei können sowohl absolute, als auch relative Häufigkeiten kumuliert werden.

Zusätzlich wird zwischen erwarteter Häufigkeit und beobachteter Häufigkeit unterschieden. Die grafische Darstellung der Häufigkeit ist die Häufigkeitsverteilung.

Auch die Kombination der Begriffe kommt gelegentlich vor: Beispielsweise kumulative relative Häufigkeiten, kumulative absolute Häufigkeiten, erwartete absolute Häufigkeit usw.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Die ursprünglichen Bedeutungen der folgenden ähnlichen Wörter beziehen das Wort Häufigkeit je nach Kontext auf verschiedene Bedeutungen:

  • auf die „reine“ Anzahl und damit auf die absolute Häufigkeit als Ergebnis des Zählens,
  • auf die Anzahl an Objekten innerhalb eines bestimmten Raumes, als Dichte, etwa die Bevölkerungsdichte, als absolute Häufigkeit an Einwohnern einer Stadt,
  • auf die Anzahl an Ereignissen innerhalb eines Zeitabschnitts: als Frequenz,
  • auf die Anzahl von Elementen einer Teilmenge relativ zur Grundmenge, als relative Häufigkeit.

Das Adjektiv häufig bedeutete noch im 16. Jahrhundert eigentlich „haufenweise“, seit dem 18. Jahrhundert „oft“.[1] Es bedeutet also so viel wie „in großer Zahl vorkommend, sich wiederholt ereignend“ oder „zahlreich in großer Zahl, in großer Menge“.[2] Haufenweise bedeutet auch „in Haufen, in Massen“[3] oder „in Scharen, massenhaft“.[4]

Ähnliches gilt für das Wort Häufung, das so viel bedeuten kann wie „Lagerung in großen Mengen“, aber auch „Ansammlung, häufiges Vorkommen (von Erscheinungen, Ereignissen)“.[2] Das Wort Häufung kann sich auch auf die „Handlung des Häufens“ etwa von Erde oder der Häufung der Geschäfte beziehen, ebenso wie das Wort Häufeln.[5]

Das Wort Häufigkeit wird manchmal auch im Sinne von Frequenz, also räumlicher oder zeitlicher Dichte des Auftretens verwendet. So verweist die Brockhaus Enzyklopädie beim Wort Häufigkeit im Kontext der Sprachwissenschaft auf das Lemma Frequenz.[6] Hier findet sich, dass das Wort Frequenz im Lateinischen für Häufigkeit steht. Die Frequenz eines Wortes meint die Häufigkeit, mit der ein Wort innerhalb eines bestimmten Textes oder einem Textkorpus auftritt. Aufgrund der Häufigkeitsverteilungen können Frequenzwörterbücher erstellt werden, die Auskunft über die Gebrauchshäufigkeit eines Wortes geben.[6]

Das Wort Frequenz ist Fachsprache im 17. Jahrhundert und aus dem Lateinischen „frequentia“ in der Bedeutung „Häufigkeit“ entlehnt. Dies ist ein Abstraktum zu lateinisch „frequentis“ = „häufig“ und verwandt mit lateinisch fracīare für „stopfen“.[7]

„Im Übrigen ist Häufigkeitszahl oder Häufigkeitsziffer die Zahl, die angibt, wie oft ein Ereignis innerhalb einer Zeitspanne eintritt oder eine bestimmte Erscheinung sich wiederholt.“

nach Duden[2]

Besondere Anwendungsbeispiele des Häufigkeitsbegriffs[Bearbeiten]

Beispiele für relative Häufigkeiten:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elmar Seebold (Herausgeber): Kluge: Etymologisches Wörterbuch Der Deutschen Sprache. Walter de Gruyter, Berlin/New York: 2002, S. 396, ISBN 3-11-017473-1
  2. a b c Werner Scholze-Stubenrecht: Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 10 Bänden. Band 4, Bibliographisches Institut & F.F. Brockhaus AG, Mannheim 1999, S. 1690. ISBN 978-3-411-04773-4
  3. Joachim Heinrich Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache. Band 2. Schulbuchhandlung, Braunschweig 1808, S. 563
  4. Renate Wahrig-Burfeind: Illustriertes Wörterbuch der deutschen Sprache. ADAC Verlag, München 2004, S. 362. ISBN 3-577-10051-6
  5. Moriz Heyne: Deutsches Wörterbuch (Band 2), S. Hirzel, Leipzig 1906, S. 70
  6. a b Annette Zwahr: Brockhaus Enzyklopädie, 21. Auflage, F. F. Brockhaus, Mannheim 2006, Band 12
  7. Elmar Seebold (Editor): Kluge: Etymologisches Wörterbuch Der Deutschen Sprache. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2002, S. 396. ISBN 3-11-017473-1