Hahnemühle

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Hahnemühle FineArt GmbH
Hahnemühle-Logo 300dpi.jpg
Rechtsform GmbH
Gründung 1584
Sitz Dassel, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Friedrich Nebel, Geschäftsführer[1]
Mitarbeiter 180 (Januar 2014)
Umsatz ca. 30 Millionen Euro (2013)
Branche Papierindustrie
Website www.hahnemuehle.de

Das Unternehmen Hahnemühle FineArt GmbH mit Firmensitz im niedersächsischen Dassel (Ortsteil Relliehausen) ist ein papierherstellendes Unternehmen. Im Bereich beschichteter Papiere für den Tintenstrahldruck ist Hahnemühle Weltmarktführer. Weitere Geschäftsfelder sind Produktion und Vertrieb von Künstlerpapieren für traditionelle Maltechnik sowie Filterpapieren für Industrie und Forschung.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen geht zurück auf die Gründung einer Papiermühle in Relliehausen am Solling im Jahr 1584 durch den Papiermacher Merten Spieß.[3][4] Die Genehmigung dazu erteilte der Landesherr, Herzog Erich II., am 27. Februar 1584.[5] Die Gründung erfolgte an dem Fluss Ilme, der aufgrund der Filterwirkung des Sandsteins im Solling das für hohe Papierqualität entscheidende, besonders weiche und reine Quellwasser bot und bis heute bietet. Der mit Bezug auf die ältere Zeit in der Literatur als Papiermühle Relliehausen oder Dassel bekannte Betrieb, zunächst nur einer von vielen dieser Art zwischen Weser und Leine, konnte sich als einziger von ihnen über die Jahrhunderte erhalten.[6]

Manuelle Papierherstellung in der Hahnemühle

Bis ins Jahr 1769 blieb die Fabrik im Besitz der Familie Spieß. Am 30. August 1769 kaufte Johann Jacob Heinrich Andrae aus Petershütte die Papiermühle für 4500 Reichsthaler. Nach dem frühen Tod Andraes übernahm dessen Sohn die Mühle. Am 13. August 1884 erwarb H. J. Heinemann aus Hannover die Papiermühle von Oskar Andrae und begann sofort mit der Errichtung einer neuen Produktionsstätte. Als hierbei unvorhergesehene Schwierigkeiten und Kosten anfielen, sah er sich schließlich genötigt, die Fabrik wieder abzugeben und verkaufte an die Familie Hahne. Seit der Übernahme durch Carl Hahne im Jahr 1886 wird die Firma unter dem heutigen Namen Hahnemühle weitergeführt.

Im Jahr 1902 fusionierte die Hahnemühle mit der Firma Schleicher & Schuell aus Düren, die 1927 alleiniger Besitzer wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs fälschten die Papiermacher und Techniker des Unternehmens im Auftrag des Reichssicherheitshauptamts als Teil der Operation Bernhard erfolgreich das Banknotenpapier des Britischen Pfundes.[7]

2004 wurde die Hahnemühle aus dem Firmenverbund Schleicher & Schuell herausgelöst und ist seitdem wieder eigenständig. Sie hat Tochtergesellschaften in den USA, Großbritannien, Frankreich und China.

Produktbereiche[Bearbeiten]

Der Hahn ist das Wasserzeichen und Markenzeichen der Hahnemühle

Die Hahnemühle stellt vor allem hochwertige Künstlerpapiere für digitale Inkjetdrucke und traditionelle Mal- und Drucktechniken her. Es handelt sich um Papiere für Maler, Grafiker, Illustratoren, Buchbinder, Fotografen, Druckdienstleister, die einen Hahn als Wasserzeichen enthalten.

Hahnemühle gilt seit den 1990er Jahren als Erfinder der Digitalen Fine Art InkJet Papiere[2]. Auf den echten Künstlerpapieren, die mit einer speziellen Tintenaufnahmeschicht veredelt sind, entstehen mit langlebigen Pigment-Tinten konservatorisch wertvolle Drucke in Museumsqualität. Diese Papiere und Leinwände werden für Ausdrucke exklusiver Fotografie, Computerkunst sowie Gemälde- und Fotoreproduktionen verwendet.[8][9]

Außerdem produziert und vertreibt die Hahnemühle technische Spezialpapiere beispielsweise für Restaurierungen sowie Filterpapiere für Forschung und Industrie, die bei chemischen und biologischen Analysen eingesetzt werden.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Hein / Wilhelm Willemer: Neutral geleimte Papiere für wertvolle Objekte. In: Dauerhaftigkeit von Papier: Vorträge des 4. Internationalen graphischen Restauratorentages, veranstaltet von der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren (IADA)in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Staats-und Universitätsbibliothek Göttingen und dem Niedersächsischen Staatsarchiv Bückeburg 1979, Klostermann, Frankfurt a.M. 1980 (= Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderheft 31; ISBN 3-465-01448-0), S. 91–99
  • E. Tacke: Urkundliche Beiträge zur Geschichte der Papiermühle Relliehausen während der Zeit der Papiermacherfamilie Spieß 1584-1789. In: Jahresbericht des Vereins für Geschichte und Altertümer der Stadt Einbeck und Umgebung 21 (1953/54), S. 48–56
  • 425 Jahre Hahnemühle 1584-2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unternehmensprofil Hahnemühle FineArt GmbH auf www.hahnemuehle.de, abgerufen am 25. Februar 2014
  2. a b Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Plümer, Erich: Die Papiermacher der Papiermühle zu Dassel (Kreis Einbeck), In: Norddeutsche Familienkunde (1952) 6, S. 135 - 137
  4. Pusen, Hans: Die Büttenpapiermacher des Sollings, In: Stuttgarter Illustrierte (1932), S. 1150-1151
  5. Wisso Weiss: Zeittafel zur Papiergeschichte, 1983, S. 109
  6. O. Elsner: Der Papier-Fabrikant, Band 30, 1932, S. 136
  7. http://www.moneymuseum.com/moneymuseum/library/texts/text.jsp?lang=de&id=70062
  8. Michael Freeman: Schwarzweiß-Fotografie: Ihr Weg zu überzeugenden Bildern, 2010, S. 196
  9. Jens Brüggemann: Modelfotografie: Profiwissen Beauty-, Fashion- und Erotik-Fotografie, 2013, S. 115
  10. Edith Oberhumer: In situ, in: Gabriela Krist, Martina Griesser-Stermscheg (Hrsg): Konservierungswissenschaften und Restaurierung heute: von Objekten, Gemälden, Textilien und Steinen, 2010, S. 159