Haus Lemke

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Das Haus Lemke, 2011
Innenraum

Das Haus Lemke (auch Landhaus Lemke oder Mies van der Rohe Haus) an der Oberseestraße 60 im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen ist das letzte von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Wohnhaus in Deutschland vor seiner Emigration 1938 in die USA. Es entstand im Bauhaus-Stil Anfang der 1930er Jahre unter dem Namen Villa Lemke.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1932 kaufte das Fabrikantenehepaar Martha und Karl Lemke an der Straße ein Doppelgrundstück mit Zugang zum Obersee. Auf Anraten eines Bekannten wandten sie sich an den renommierten Architekten, der den Bau ausführen sollte. Nach mehreren Planungen, die meist einen zweigeschossigen Bau vorsahen, begannen die Arbeiten im Sommer 1932. Die Kosten beliefen sich auf 16.000 Mark (inflationsbereinigt in heutiger Währung: rund 59.000 Euro). Im Frühjahr 1933 konnten die Lemkes ihr Haus beziehen.

Der L-förmige Bau ist verhältnismäßig schlicht und bescheiden, entsprach aber damit auch den Ansprüchen des kinderlosen Ehepaars. Die Fassade besteht aus rotbunten kohlegebrannten Mauerziegeln, die zusammen mit dem Flachdach das Haus eigenwillig aussehen lassen. Auch das Inventar stammt zum Teil aus dem Atelier Mies van der Rohes oder wurde von seiner Partnerin Lilly Reich entworfen.

Das Ehepaar Lemke wohnte nur wenige Jahre in ihrer Villa. Im Mai 1945, nach der Einnahme Alt-Hohenschönhausens durch die Rote Armee, wurde die Familie aufgefordert, das Haus schnellstmöglich zu verlassen. Die umliegende Gegend wurde zum Sperrgebiet erklärt und die Villa Lemke als Garage und Abstelllager benutzt. Später zogen hier und in die umliegenden Villen einige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ein. Diese Behörde erwarb das Haus im Jahr 1962 und nahm einige gravierende Änderungen an Haus und Garten vor. 1977 setzte es der Magistrat von Berlin auf die Bezirksdenkmalliste.

Da das Haus bis zu diesem Zeitpunkt sichtlich verfallen war, begannen in den 1980er Jahren die ersten Sanierungsarbeiten, allerdings ohne nennenswerten Erfolg, da die zur Verfügung gestellten Mittel unzureichend waren. Bis zur Wende wurde das Haus als Wäscherei und Kantine für die Mitarbeiter des MfS genutzt. Der Garten wurde teilweise zubetoniert und als Parkplatz genutzt. 1990 übernahm der Bezirk Hohenschönhausen das Grundstück samt Haus vom MfS und vollzog die offizielle Umbenennung in Mies van der Rohe Haus. Die nötige Sanierung folgte in den Jahren 2000 bis 2002. Seit 1994 steht im Garten des Hauses eine Skulptur der Berliner Künstlerin Ruth Baumann. Der Titel der Arbeit lautet Aufsicht um die Kante.

Heute dient das Haus als Ausstellungspavillon für Moderne Kunst und ist Anziehungspunkt für Liebhaber der Architektur Mies van der Rohes.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wita Noack: Konzentrat der Moderne: Das Landhaus Lemke von Ludwig Mies van der Rohe. Mit einem Bildessay von Heidi Specker. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2008, ISBN 978-3-422-06813-1.

Weblinks[Bearbeiten]

52.54930555555613.490833333333Koordinaten: 52° 32′ 58″ N, 13° 29′ 27″ O