Flachdach

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Flachdächer in Aschdod (Israel)
Beispiel für ein Flachdach aus den 1930er Jahren: Der Bahnhof Tuttlingen
Flachdach der Neuen Nationalgalerie in Berlin

Flachdächer (Abkürzung: FD) sind Dächer, die keine oder (häufiger) nur eine geringe bzw. eine geringere Dachneigung als 25°[1][2] aufweisen. Es gibt verschiedene Obergrenzen, bis zu denen von Flachdach gesprochen wird:

  • Deutschland: bis 25° (44,0 %)
  • Österreich: bis 5° (8,8 %)
  • Empfehlung Flachdachrichtlinien: mindestens 2 % (1,1°), besser 5 % (2,9°)
  • DIN 18531 Dachabdichtungen
    • Dachneigungsgruppe I: bis 3° (5,2 %)
    • Dachneigungsgruppe II: über 3° (5,2 %) bis 5° (8,8 %)

In den deutschen Landesbauordnungen findet sich keine eindeutige Aussage zur Dachneigung von Flachdächern.

In der 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung (1. BImSchV), der TA Luft, sowie in den Richtlinien VDI 3781, Blatt 1 werden bei der Festlegung von Mindestschornsteinhöhen zwischen Dächern mit einer Dachneigungen von weniger oder maximal 20 ° (= Flachdach) und einer Dachneigung ab ober von mehr als 20° (= Steildach) unterschieden.

Geschichte[Bearbeiten]

Flachdächer waren schon in der Antike bekannt. Bereits um 3000 v. Chr. benutzte man nach dem Zeugnis Herodots Bitumen als Baustoff. Vor allem in ariden Gebieten entsprach diese Bauform den klimatischen Verhältnissen. Sofern das Problem der Abdichtung befriedigend gelöst ist, kann eine Nutzung als Dachterrasse stattfinden. Im 6. Jahrhundert v. Chr. entstanden in Babylon etwa die Hängenden Gärten der Semiramis, eines der sieben Weltwunder der Antike. Die Abdichtung bestand in diesem Fall aus Schichten von Asphaltplatten, Backsteinen und Mörtel. Die Gartenkultur der Antike wurde zur Zeit der Renaissance in Florenz, Rom und Venedig wieder belebt. Dachflächen auf Schlössern wurden zu Dachgärten. Im Barock trat Jakob Marperger (1656–1730) für begrünte Dachflächen ein. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Flachdächer von Architekturtheoretikern wie Bernhard Christoph Faust propagiert. Getragen von „Balken und Latten, bestehend aus zwei Schichten Fliesen, die mit schwarzem Peche aneinander gepicht sind. Vorteil dieser Dächer: Wohlgestalt der Häuser, Festigkeit, Dauer und Feuersicherheit, mehr Sicherheit vor Blitzschlag." Die Gewinnung eines weiteren Stockwerks ohne die Bauhöhe zu verändern, brächte außerdem "eine gute Verzinsung", zudem könne beim Bau von Flachdächern "viel theures Bauholz eingespart werden" 1839 entwickelte Samuel Häusler das Holzzementdach, das in Großstädten Verbreitung fand. 1867 publizierte Carl Rabitz die Broschüre „Naturdächer von vulkanischem Cement“ und verfocht darin die Idee des begrünten Flachdaches. In der Zwischenkriegszeit war das Flachdach Streitobjekt zwischen den Vertretern des "Neuen Bauens" und der konservativen Heimatschutzarchitektur. Die Letzteren, beispielsweise Paul Schmitthenner lehnten das "bolschewistisch-jüdische" Flachdach aus ideologischen Gründen ab,[3] Le Corbusier vertrat es dagegen mit doktrinärer Intensität, wobei sich zunächst allerdings herausstellte, dass bei mitteleuropäischen Klimaverhältnissen das Flachdach nicht immer ideale Resultate bot (etwa im Fall von Le Corbusiers Villa Savoye).[4] In den 1950er Jahren setzte sich das flache Dach endgültig durch.

Verwendung[Bearbeiten]

In den 1960er und 1970er Jahren wurden Flachdächer vor allem bei Bungalows eingesetzt. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist es aber hauptsächlich für Gewerbegebäude eingesetzt worden.[5] Durch die in den letzten Jahren eingeführten Passivhäuser wird das Flachdach heute auch zunehmend für den Wohnhausbau eingesetzt.

Flachdächer sind bei allen Gebäudetypen vorzufinden. Vorteile von Flachdächern mit Abdichtung gegenüber geneigten Dächern mit Dachdeckung:

  • Geringes Eigengewicht der Dachhaut
  • Erweiterte Nutzungsmöglichkeit (zum Beispiel Dachterrassen, begrünte Flächen, Parkdecks, Aufstellung und leichte Zugänglichkeit für technische Aggregate, Solarenergienutzung)
  • Belichtungsmöglichkeit für innenliegende Räume, z. B. durch Lichtkuppeln
  • Gestalterische Freiheit im Grundriss (auch für spätere Erweiterungen)
  • Kostengünstig


Flachdächer haben aber auch einige Nachteile[6]:

  • Sie sind sehr wartungsintensiv.
  • Es treten oftmals Alterungsschäden und Feuchtigkeitsschäden auf.
  • Benötigte Abdichtungsmaterialien wie z. B. Bitumen oder Kunststoffe sind nicht besonders umweltverträglich.
  • In den Regionen mit großen möglichen Schneefallmengen muss das Dach für entsprechende Maximallasten auch wirklich tragfähig sein.

Konstruktion[Bearbeiten]

Tragwerk[Bearbeiten]

Bei Flachdächern im Geschossbau ist die oberste raumabschließende Geschossdecke im Normalfall Bestandteil der Dachkonstruktion. Meist handelt es sich dabei um Stahlbetonmassivplatten, Profilbleche oder Stahlbetontragwerke. Auf flachgeneigten Holzdachkonstruktionen sind abgedichtete Flachdachflächen auch möglich, wenngleich seltener. Dachtragwerk und Dachaufbau bedingen sich gegenseitig und müssen bei der Planung als Einheit betrachtet werden.

Aufbau[Bearbeiten]

Flachdächer werden als Warmdach (nicht belüftetes Dach), als Kaltdach (belüftetes Dach) oder auch als Umkehrdach mit außenliegender Wärmedämmung ausgeführt. Bei Sanierungen kann auch das untere, alte Dach, verbleiben, darauf wird dann ein Neuaufbau hergestellt (DUO-Dach oder „PLUS-Dach“). Dieses ist kostengünstiger, gerade bei einer Sanierung, da die sehr hohen Abrisskosten eingespart werden können. Diese Ausführung sollte jedoch unbedingt technisch, objektbezogen, geprüft werden.

Abdichtung[Bearbeiten]

Den Schutz vor eindringendem Wasser übernimmt beim geneigten Dach die regensichere Dachdeckung, beim Flachdach die wasserdichte Dachabdichtung. Neben der Dichtigkeit sind laut Landesbauordnungen umfassende Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit gegen Flugfeuer und strahlende Wärme gefordert gemäß DIN EN 1187 B roof t1. Typische Materialien zur Abdichtung von Flachdächern sind Bitumen-Schweißbahn (heute in der Regel kunststoffvergütet) und Dichtungs- und Kunststoffdachbahnen.

Bitumendachabdichtungen haben sich im Markt langjährig bewährt, da die Nahtfügung einfach ist und leicht optisch kontrolliert werden kann. Hier unterscheidet man zwischen plastisch (PYP) und elastisch (PYE) modifizierten Bitumenbahnen, die unterschiedliche Werkstoffeigenschaften aufweisen: Plastische Bitumenbahnen haben eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Wärmeeinwirkung, aber Schwächen in der Beständigkeit bei kalten Temperaturen. Sie werden häufig im Mittelmeerraum eingesetzt. Elastische Bitumenbahnen haben eher Stärken im Kaltbiegeverhalten und finden überwiegende Anwendung in Zentraleuropa. Bituminöse Abdichtungen haben insbesondere den Vorteil, das die spätere Nachbearbeitung z. B. für zusätzliche Durchdringungen für Klimaanlagen etc. unproblematisch ist.

Als langlebiger und widerstandsfähiger haben sich EPDM-Dichtungsbahnen aus Ethylen-Propylen-Dien-Monomer erwiesen. Eine regelgerechte Verarbeitung der Nähte durch einen Fachhandwerker wird wie bei jeder Dachabdichtung vorausgesetzt. Ein klarer Vorteil liegt in der weitaus geringeren Naht-Anzahl im Vergleich zu anderen Dachabdichtungsformen. Die EPDM-Dichtungsbahnen werden bis zu einer Abmessung von 15,25 m x 61 m produziert. Das Einsatzgebiet reicht von Skandinavien bis Australien und Kanada bis Chile.

In der Sanierung werden mittlerweile aus Kostengründen sehr oft gespritzte Flüssigkunststoffe eingesetzt. Der Vorteil bei Flüssigkunststoffen ist, dass sie nahtlos ohne eine Fuge aufgebracht werden, hochelastisch sind und auf allen Untergründen aufgebracht werden können. Sie werden mit einer Zweikomponenten-Heißspritz- und -Dosieranlage, mit Reaktionszeiten von 2–15 Sekunden je nach Material, aufgebracht.

Kunststoffdachbahnen aus PVC, PE, EVA, PIB oder Thermopolyolefinen sind teilweise eigenständig zu betrachten. Dies geht auch aus der EN 13956 hervor, die andere Prüfwerte als bei EPDM-Dichtungsbahnen vorsieht.

Es können auch Flachdachpfannen eingesetzt werden, für die eine Regeldachneigung von 22° gilt.

Außer den genannten Abdichtungen sind auch Dacheindeckungen aus Metall (beispielsweise Edelstahl) möglich. Doppelstehfalzdächer aus vollständig recyclebaren Baumetallen sind nach den Fachregeln für das Klempnerhandwerk mit Zusatzmaßnahmen bis 3° Dachneigung fachgerecht herstellbar. Ein rollennaht-geschweißtes Edelstahldach ist nicht nur wasserdicht, sondern gasdicht und kann sogar ganz ohne Gefälle hergestellt werden. Dieses Verfahren wird nicht nur bei Neubauten, sondern auch in der Sanierung undicht gewordener Flachdächer erfolgreich angewandt.

Entwässerung[Bearbeiten]

Flachdächer müssen an mehreren Stellen entwässert werden. Nach DIN EN 12056-3 und VDI-Richtlinie 3806 gibt es zwei Arten der Flachdachentwässerung. Beide Arten funktionieren mittels Schwerkraftentwässerung:

  • Freigefälleentwässerung: Das Rohrleitungssystem wird im Gefälle verlegt.
  • Planmäßig vollgefüllte Rohrleitungen: Das Rohrleitungssystem wird bei horizontalem Verlauf ohne Gefälle verlegt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Eine spezielle Form des Flachdachs ist das Sargdeckeldach, das an den Seiten angeschrägt ist. Siehe auch Plattformdach bzw. Altandach.

Literatur[Bearbeiten]

  •  E. Cziesielski, H. Marquardt: Lehrbuch der Hochbaukonstruktionen. 3 Auflage. B. G. Teubner, Stuttgart 1997.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flachdach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Flachdach – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Bibliographisches Institut (Hrsg.): In: Meyers Enzyklopädisches Lexikon. 11, Mannheim/Wien/Zürich 1973, ISBN 978-3-411-01258-9, S. 848.
  2. OLG München Urteil vom 8. Juni 2004, Az. 1 U 1976/04
  3. http://www.kultur-steglitz-zehlendorf.de/content/stele_daecherkrieg.pdf,
    [1], abgerufen am 13.Mai 2013
  4. Zur Geschichte des Flachdachs vgl. [2], abgerufen am 13. Mai 2013
  5. Aufbau und Wirkungsweise von Flachdächern, abgerufen am 19. Juni 2012.
  6. Informationen rund ums Flachdach. Schöner Wohnen, abgerufen am 19. Juni 2012.