Hedonistische Tretmühle

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Unter hedonistischer Tretmühle, oder hedonistischer Adaptation, versteht man die Tendenz der Menschen, nach einem stark positiven oder negativen Lebensereignis relativ schnell zu einem relativ stabilen Level von Glück bzw. Glücklichsein zurückzukehren. Sie ist Untersuchungsgegenstand sowohl in der Glücksforschung, der positiven Psychologie, als auch in Teilen der Wirtschaftswissenschaften, z. B. der Verhaltensökonomik. Es ist eine Art Set-Point-Theorie des Glücks.

Der Ausdruck wurde unter anderem schon 1971 in dem Aufsatz Hedonic Relativism and Planning the Good Society von Brickmann und Campbell benutzt.[1] Während der 1990er wurde das Konzept modifiziert durch den britischen Psychologen Michael Eysenck zu der heute bekannten hedonistischen Tretmühlen-Theorie, die das Streben nach Glück mit einer Tretmühle vergleicht: man arbeitet die ganze Zeit daran und bleibt doch am selben Platz.[2]

Die hedonistische Tretmühle versucht unter anderem zu erklären, warum mehr Wohlstand bzw. mehr Einkommen die Menschen nicht in erwarteter Weise glücklicher macht (Easterlin-Paradox). So ergab eine Studie von Brickmann, Coates und Janoff-Bulman, dass Lotteriegewinner im Durchschnitt nicht glücklicher sind als Menschen, die nicht die Lotterie gewonnen haben. Des Weiteren sind die Lotteriegewinner nur wenig glücklicher als Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden.[3]

Eine noch frühere Arbeit zum Anpassungsniveau und zum „subjektiven Nullpunkt“ findet sich bei Helson (1898–1977).[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brickman, P. & Campbell, D.T. (1971): Hedonic relativism and planning the good society. In: Appley, M.H. (Ed.) Adaptation-level theory, New York, pp. 287-305
  2. Happiness is a marathon, not a sprint – Artikel bei der The Sydney Morning Herald, October 9, 2010
  3. “Lottery Winners and Accident Victims: Is Happiness Relative?” - Zusammenfassung der englischen Studie auf Deutsch. Abgerufen am 13. April 2015.
  4. David G. Myers: Psychologie. Springer; Auflage: 2. erw. u. aktualisierte Aufl. 2008 (14. Juli 2008). ISBN 978-3540790327. Seite 581

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael W. Eysenck: Happiness: Facts and Myths. Psychology Press Ltd (Dezember 1990). ISBN 978-0863771347. S. 94ff
  • Mathias Binswanger: Die Tretmühlen des Glücks: Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was können wir tun?. Verlag Herder; Auflage: 7 (20. September 2006). ISBN 978-3451058097

Weblinks[Bearbeiten]