Heinrich Heesch

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Heinrich Heesch (* 25. Juni 1906 in Kiel; † 26. Juli 1995 in Hannover) war ein deutscher Mathematiker, der sich mit Geometrie beschäftigte.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben und Werk

Heesch war der Sohn eines Landeskanzleivorstehers und machte in Kiel das Abitur. Ab 1925 studierte er (gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes) in München Musik an der Staatlichen Akademie für Tonkunst (1928 legte er die Meisterprüfung in Violine bei Felix Berber ab) und Mathematik und Physik an der Universität München bei Arnold Sommerfeld und Constantin Caratheodory. 1928 ging er an die Universität Zürich, wo er sich für seine Promotion bei Gregor Wentzel mit der Anwendung der Gruppentheorie auf Atom-Spektren befasste. Daraus wuchs sein Interesse für Gruppen und Symmetrien und er schrieb statt über Atomspektren eine Doktorarbeit über Kristallographie, mit der er 1929 „summa cum laude“ promovierte. In seiner Dissertation führte er Heesch-Shubnikov-Gruppen ein (von ihm Schwarz-Weiss-Gruppen genannt). Die Gruppen wurden ausführlich durch russische Mathematiker um Alexei Wassiljewitsch Schubnikow (1887-1970) in den 1950er Jahren untersucht und zunächst Shubnikov-Gruppen genannt - Shubnikov korrespondierte aber bereits 1929 mit Heesch. Sie erweitern dreidimensionale Raumgruppen um einen vierten Parameter, der binäre Werte (wie Spinrichtung oder eben Schwarz-Weiss) annehmen kann. Sie haben Anwendungen z.B. in der Kristallchemie und der Theorie des Antiferromagnetismus.

1930 ging er als Assistent von Hermann Weyl mit diesem von Zürich nach Göttingen.

1933 wurde er Zeuge der nationalsozialistischen Säuberungen unter den Universitätsangehörigen, viele Mathematiker und Physiker (auch Weyl, der eine jüdische Frau hatte), verließen damals Göttingen. Da er nicht bereit war, dem nationalsozialistischen Dozentenbund beizutreten, wie verlangt wurde, trat er 1935 von seiner Stelle an der Universität zurück und arbeitete bis 1948 als Privatgelehrter in seinem Elternhaus in Kiel. Während dieser Zeit forschte er über Parkettierung und fand etwa zeitgleich mit dem russischen Mathematiker Boris Delone einen Weg, die Gesamtheit aller ebenen fundamentalen Parkette anzugeben (sein vollständige Beweis wurde jedoch erst 1968 veröffentlicht). Er gab 28 Fundamentalbereiche an.[1] Viele dieser Parkettierungen wurden auch intuitiv von M. C. Escher in seinen Graphiken „entdeckt“. Heesch selbst, der Privatmann war und bei seinen Eltern wohnte, versuchte mit der Industrie in Kontakt zu kommen, um seine Parkettierungen zu vermarkten und war teilweise erfolgreich (Geschenkpapierhersteller, Fliesenhersteller Villeroy und Boch). Im Zweiten Weltkrieg dienten seine mathematischen Methoden dazu, den Blech-Ausschuss in der Kriegsindustrie zu verringern.

1955 nahm Heesch eine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Hannover auf und arbeitete über Graphentheorie. 1955 wurde er Lehrbeauftragter, nach der Habilitation 1958 Privatdozent und schließlich außerordentlicher Professor. Während dieser Zeit leistete Heesch wegbereitende Arbeit über die computergestützte Lösung des Vierfarbenproblems. Er war der erste, der die Methode des „Entladens“ untersuchte, die ein grundlegender Bestandteil des 1977 gelungenen Beweises des Vier-Farben-Satzes wurde. Zwischen 1967 und 1971 reiste Heesch einige Male in die USA, wo größere und schnellere Computer zur Verfügung standen und wo er mit Wolfgang Haken und Yoshio Shimamoto zusammenarbeitete. Während der entscheidenden Phase seines Projekts strich ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft die finanzielle Unterstützung. Nach dem Erfolg von Kenneth Appel und Wolfgang Haken 1977 arbeitete Heesch, auch noch nach seiner Pensionierung, an der Verfeinerung und Kürzung ihres Beweises.

Er liegt in Kiel begraben.

Die Heesch´sche Gruppe in der Theorie der hexagonalen Raumgruppen ist nach ihm benannt (von J. J. Burckhardt 1933).

[Bearbeiten] Werke

  • Heinrich Heesch: Untersuchungen zum Vierfarbenproblem. Mannheim: Bibliographisches Institut 1969.
  • Heinrich Heesch: Gesammelte Abhandlungen. Herausgegeben von Hans-Günther Bigalke. Bad Salzdetfurth: Franzbecker 1986, ISBN 3-88120-157-2.

[Bearbeiten] Literatur

  • Hans-Günther Bigalke: Heinrich Heesch: Kristallgeometrie, Parkettierungen, Vierfarbenforschung. Basel: Birkhäuser 1988, ISBN 3-7643-1954-2.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Verweise

  1. Die Parkette sind illustriert z.B. in Ehrhard Behrends Escher über die Schulter gesehen - eine Einladung, in Behrends, Gritzmann, Ziegler (Herausgeber) Pi und Co, Springer Verlag, 2008, S.329
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