Hellenika (Xenophon)

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Helleniká (griechisch Ἑλληνικά „griechische Geschichte“) ist der Titel eines von dem antiken griechischen Autor Xenophon verfassten Geschichtswerks.

Überblick[Bearbeiten]

Das Werk behandelt die Geschichte Griechenlands von 411 bis 362 v. Chr. in sieben Büchern. Offenbar verstand sich Xenophon als Fortsetzer des Thukydides, denn die Helleniká schließen direkt an dessen Geschichtswerk an, das abrupt abbrach.[1] Mit der Anknüpfung an ein Vorgängerwerk gehörte Xenophon zu den Begründern einer antiken historiographischen Tradition (historia perpetua), einer fortlaufenden Zeitgeschichte; diese Tradition blieb bis in die Spätantike lebendig. Schlusspunkt von Xenophons Darstellung bildet die Schlacht von Mantineia, in der die hegemoniale Stellung Thebens, das 371 Spartas Hegemonie in Griechenland beendet hatte, ihrerseits gebrochen wurde.

Xenophon schrieb in erster Linie Zeitgeschichte und konnte sich daher auf Informationen aus erster Hand stützen. Er betrachtete aber nicht nur die Geschichte im griechischen Mutterland, sondern ebenso Ereignisse beispielsweise in Persien. So referiert er den Text des sogenannten Königsfriedens und bietet auch ansonsten wichtige Informationen. Dennoch reicht er qualitativ nicht an Thukydides heran, oft sind seine Schilderungen eher knapp. Während sich Xenophon zunächst stark an Thukydides orientierte, lassen sich in späteren Partien des Werks, die auch später verfasst worden sind,[2] mehrere Ungenauigkeiten feststellen. Ereignisse werden hier nicht mehr streng chronologisch dargestellt, ebenso gruppiert sich die Handlung zunehmend um Einzelpersönlichkeiten. Das Werk ist außerdem recht tendenziös zugunsten Spartas verfasst, wenngleich er bisweilen durchaus Kritik an dessen Politik übt.

Man sollte Xenophon aber auch nicht in erster Linie an dem Werk des Thukydides messen, wenngleich er dessen Darstellung fortsetzte. Denn Xenophon wollte vor allem die Geschichte seiner Zeit schildern, so dass das Werk stellenweise Memoirencharakter hat.[3] Er betrieb offenbar auch keine intensive „Quellenforschung“. In militärischen Dingen war Xenophon hingegen gut unterrichtet und hier ist seine Darstellung besonders wertvoll. Ebenso konnte er plastisch Ereignisse beschreiben und bietet teils aufschlussreiche Charakterskizzen der handelnden Personen (so des Alkibiades). Generell ist Xenophon eher bestrebt, den Nachweis von menschlicher Größe anhand von ausgesuchten Beispielen nachzuweisen, als etwa die historischen Ursachen genauer zu analysieren. Xenophon als Schüler des Sokrates wollte in seinem Geschichtswerk auch eine Moral vermitteln, wobei er dem Göttlichen eine wichtige Rolle zuwies.[4] Trotz manch berechtigter Kritik bleibt festzuhalten, dass die Helleniká eine sehr wichtige Quelle für den dort behandelten Zeitraum sind.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Hellenika. Griechisch-Deutsch. 2. Auflage. Hrsg. und übersetzt von Gisela Strasburger. München 1988, ISBN 3-7608-1639-8.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Hellenica (Xenophon) – Quellen und Volltexte (englisch)

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dieser Aspekt sollte aber auch nicht überbetont werden, vgl. Dillery, Xenophon and the History of his Times, S. 9–11.
  2. Vgl. Dillery, Xenophon and the History of his Times, S. 12–15.
  3. Siehe allgemein Dillery, Xenophon and the History of his Times, der um eine ausgewogene Beurteilung des Werks bemüht ist.
  4. Dillery, Xenophon and the History of his Times, S. 179ff.