Theben (Böotien)

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38.32388888888923.317222222222Koordinaten: 38° 19′ 26″ N, 23° 19′ 2″ O

Karte: Griechenland
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Theben
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Griechenland
Ruinen des antiken Theben

Das böotische Theben (myken. Griech. 𐀳𐀣 te-qa, altgriechisch Θῆβαι (f. pl.), lat. Thebae, neugriechisch Θήβα (f. sg.), Thiva) war die größte Stadt in der griechischen Landschaft Böotien. Sie liegt auf den Vorhöhen des Teumessos und wurde schon von Homer als die „Stadt der sieben Tore“ (Thebe Heptapylos) bezeichnet und war in der historischen Zeit der wichtigste Ort des Böotischen Bundes. Heute hat das moderne Städtchen Thiva 36.086 Einwohner (2010).

Geschichte[Bearbeiten]

Theben wurde in altägyptischen Quellen erstmals mit der Bezeichnung Deqis auf der Ortsnamenliste des Amenophis III. erwähnt. Es war schon in mykenischer Zeit ein bedeutendes Zentrum, das große Teile Böotiens und nach Ausweis der dort gefundenen Linear B-Texte auch den Süden Euböas beherrschte [1]. Ausgrabungen haben zwei zeitlich getrennte, bedeutende mykenische Paläste nachgewiesen, die sich in Lage und Ausrichtung unterscheiden und von denen der ältere nach der sagenhaften Kadmeia "Haus des Kadmos" benannt wurde.[2]

Neben zahlreichen Funden, darunter ein Archiv mit vielen Linear-B-Tafeln, die der Palastverwaltung dienten, kamen über hundert kostbare assyrische Siegel aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. zu Tage, die Beziehungen zum assyrischen Herrscher bezeugen. Offenbar war das Reich von Theben damals nicht unbedeutend. Neuerdings gibt es sogar Spekulationen, dass Theben im 14./13. Jahrhundert v. Chr. die führende Macht in Griechenland und sein Herrscher der König von Ahhijawa aus hethitischen Quellen war. Dafür spricht auch, dass Theben den Anführer im Schiffskatalog der Ilias stellt, nicht Mykene mit Agamemnon. Der Tübinger Philologe Frank Starke hat herausgefunden, dass ein seit Emil Forrer bekannter Keilschriftbrief der hethitischen Palastkorrespondenz nicht vom hethitischen Großkönig abgesandt worden war, sondern sehr wahrscheinlich ein Brief aus Griechenland an die Hethiter ist. In diesem Brief kommen die Namen Kadmos und Eteokles vor, was auf Theben hindeutet. Das Schreiben war wohl Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. aufgesetzt worden von einem König von Ahhijawa, womit dieser seinen Thron in Theben gehabt haben dürfte. Der Brief war an Hattušili III., den Hethiterkönig des bekannten Tawagalawa-Briefes gerichtet, in etwas holprigem Hethitisch abgefasst und in Keilschrift, der damaligen Diplomatenschrift geschrieben. Der Brief, der vermutlich eine Auseinandersetzung über nordägäische Inseln behandelt, deutet auf eine lange Beziehung zwischen den beiden Herrscherhäusern seit Mitte des 15. Jahrhunderts v. Chr. hin, die auch einen ständigen Konflikt um Troia betrafen. Gegen 1200 v. Chr. wurde Theben zerstört, blieb aber weiter besiedelt.

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Theben gehörte später zum Böotischen Bund, wurde Sitz der Böotarchen und somit Hauptstadt des Bundes. 728 v. Chr. erhielt die Stadt von dem Bakchiaden Philolaos aus Korinth neue Gesetze. (Aristoteles Pol. 1274a)

507 v. Chr. begann Theben einen Krieg gegen Athen, wurde aber besiegt.

In den Perserkriegen stand Theben mit Orchomenos auf der Seite des Perserreichs und erlitt mit diesen die Niederlage bei Platää 479 v. Chr., worauf die Häupter der persischen Partei hingerichtet wurden.

Thebens Ansehen hatte infolgedessen so gelitten, dass Athen durch Errichtung demokratischer Verfassungen in den böotischen Städten Thebens Einfluss wiederholt zu brechen und Böotien seiner eigenen Hegemonie zu unterwerfen verstand.

Nachdem durch den Sieg bei Oinophyta 456 v. Chr. Böotien (außer Theben) für den attischen Bund gewonnen worden war, schlugen die aus Böotien Verbannten im Verein mit den Orchomeniern ein athenisches Heer unter Tolmides 447 v. Chr. bei Koroneia, wodurch Böotien sich vom attischen Bund wieder löste. Zugleich wurde die aristokratische Verfassung in Theben wiederhergestellt und die Stadt wurde weiterhin durch den von Athen gestürzten Adel regiert. Theopompos schildert die Bundesverfassung, die nun bis 387 v. Chr. gilt. Im Peloponnesischen Krieg gehörte Theben zu den erbittertsten Feinden Athens und versuchte 431 v. Chr. vergeblich, Platää zu erobern; erst 427 v. Chr. gelang ihm mit Unterstützung des Peloponnesischen Bundes die Zerstörung dieser Stadt.

410 v. Chr. schloss Theben einen neuen Bund mit Sparta. Als nach dem Sturz der Demokratie in Athen die 30 Tyrannen herrschten, sammelten sich vor allem in Theben die athenischen Flüchtlinge und besetzten von hier aus 403 v. Chr. unter Thrasybulos die kleine Grenzfeste Phyle und später den Piräus. In der Folge nahm Theben wieder eine demokratische Verfassung an. Durch die athenische Beute im Dekeleischen Krieg wird Theben sehr wohlhabend.

Auch begann es 395 v. Chr. im Bund mit Korinth und Argos den Korinthischen Krieg gegen Sparta, seine Koalition wurde aber 394 v. Chr. am Nemeabach und bei Koroneia geschlagen. Der Krieg zog sich bis 386 hin und endete im vom persischen Großkönig gestifteten Königsfrieden.

Beim Ausbruch des Ersten olynthischen Kriegs (382 v. Chr.) besetzte der spartanische Feldherr Phoibidas durch einen Handstreich mit Hilfe von Leontiadas die Burg von Theben, stellte die Herrschaft der Aristokratie wieder her und schickte die Häupter der demokratischen Partei in die Verbannung.(Nep.Pel.1)

Aber schon 379 v. Chr. kehrte Pelopidas mit den übrigen Flüchtlingen nach Theben zurück, stürzte die Aristokraten und erzwang mit Hilfe eines athenischen Heers die Räumung der Burg. Theben schloss hierauf ein Bündnis mit Athen, Pelopidas und Epameinondas aber traten an die Spitze des Staats. (Nep.Pel.2)

Zwei Einfälle der Lakedaimonier wies Theben mit Hilfe der Athener ab. Es konnte sogar seine Vormachtstellung im Böotischen Bund weiter ausbauen. Dazu unterwarf es nicht nur andere böotische Städte, sondern zerstörte sie sogar, eignete sich deren Staatsgebiet und Stimmen im Böotischen Bund an. Als die Thebaner 371 v. Chr. den Allgemeinen Frieden nicht annahmen, weil die Spartaner die Auflösung des Böotischen Bundes forderten, begann der thebanische Krieg, in welchem Theben unter Führung des Epameinondas in der Schlacht von Leuktra die Hegemonie in Griechenland errang. Es stürzte auch Spartas Macht auf dem Peloponnes, indem Epameinondas den Arkadischen Bund stiftete und die Unabhängigkeit Messeniens wiederherstellte. Es strebte sogar nach einer Seeherrschaft, um Athen aus dieser Machtposition zu verdrängen.

Nun trat Athen auf Spartas Seite über, was die militärischen Operationen des Böotischen Bundes in der Peloponnes zwar nicht verhindern, aber doch empfindlich beeinträchtigen konnte. Nach des Epameinondas Sieg und Tod bei Mantineia (362 v. Chr.) sank Thebens Macht wiederum, welche nur durch das Genie seiner beiden größten Staatsmänner so hoch gestiegen war. Trotzdem war das Bündnis um Theben weiterhin die stärkste Macht Griechenlands und verfolgte weiterhin eine aggressive Ordnungspolitik. Die gemeinschaftlich verfasste Landschaft Phokis wurde auf Thebens Betreiben durch das Amphiktyonengericht wegen Verletzung des delphischen Tempelgebiets zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Hierdurch provozierte es den dritten Heiligen Krieg (355 v. Chr.–346 v. Chr.).

Erst nachdem die Amphiktyonen 339 v. Chr. den Lokrern von Amphissa den Heiligen Krieg erklärt und Philipp herbeigerufen hatten, ihr Urteil gegen die Lokrer zu vollstrecken, und dieser Elateia besetzte, griffen die Athener und Thebaner zu den Waffen gegen jenen, erlagen aber in der Schlacht von Chaironeia.

Theben musste darauf makedonische Besatzung in die Burg aufnehmen. Nach Philipps Tod (336 v. Chr.) empörte sich Theben 335 v. Chr. gegen Alexander den Großen auf die falsche Nachricht von dessen Tod. Schon nach zwölf Tagen stand dieser vor der Stadt und zerstörte sie nach dem Beschluss des korinthischen Synedrions; 6.000 Thebaner fielen, 30.000 wurden als Sklaven verkauft. Alexander ließ nur das Haus des Dichters Pindar stehen.

Erst 313 v. Chr. wurde Theben von Kassandros befreit und 315 v. Chr. mit Hilfe der Athener wieder aufgebaut und erlebte nun unter makedonischer Herrschaft eine neue Blüte. Es erhielt in der Antike aber nie mehr seine frühere Bedeutung zurück.

293 v. Chr.–292 v. Chr. und 290 v. Chr. erhob sich Theben gegen Demetrios I. Poliorketes und wurde zweimal belagert. Theben nahm am Dritten Makedonischen Krieg teil.

Im achäischen Krieg 146 v. Chr. schloss es sich der Kriegserklärung der Achäer an die Römer an, aber Metellus nimmt Theben ein; Theben fällt von Mithridates ab, schließt sich aber Sulla an. Nach Verlust der Schlachten bei Skarpheia und Leukopetra flohen die Einwohner Thebens auf die Peloponnes, und Theben verödete seitdem.

Pausanias fand die Unterstadt bis auf die Tempel verlassen, die Bewohner wohnten nur noch in der Akropolis, die nun nicht mehr Kadmeia, sondern Theben hieß. [3]

Kultort[Bearbeiten]

Theben war schon in der Frühzeit ein bedeutender Kultort. Hier stand ein Heiligtum des ismenischen Apollon. Und Ausgrabungen im 19. Jahrhundert haben den Kabirentempel freigelegt.

Mythologie[Bearbeiten]

Sagen[Bearbeiten]

Das antike böotische Theben lag in quellenreicher, hügeliger Gegend über dem südlichen Rande der aonischen Ebene. Als frühe Bewohner gelten die Kadmeer (Kadmeionen). Die Stadt oder zunächst die Burg Kadmeia wurde der Sage nach von Kadmos gegründet, nachdem er den Drachen getötet hatte, der das Land verödete. Kadmos stammte nach wohl erst in archaischer Zeit entstandenen Versionen der Sage aus Phönizien, nach vielen anderen Versionen aber war er aus Böotien.[4] Bereits die Gründung der Stadt Theben ist durch eine Sage beschrieben. Demnach soll Kadmos zusammen mit 5 Kriegern, welche aus den gesäten Zähnen eines Drachen, den Kadmos erschlug, gewachsen waren, Theben gegründet haben. (siehe Legende von der Gründung Thebens)

Auch die weitere mythische Geschichte des böotischen Thebens ist reich an Legenden, welche sich um Herakles, Dionysos und Laios ranken. Die Stadt ist Zentrum des thebanischen Sagenkreises und Geburtsstadt des Herakles, des Ödipus, der Sieben gegen Theben und Antigones. Eine weitere thebanische Sage ist die der Niobe (Ehefrau des Königs Amphion), welche als eingeheiratete Herrscherin und Mutter von 14 Kindern mit ihrem Hochmut den Zorn der Leto auf sich zog.

Jedenfalls ließen sich bei Theben der Sage nach möglicherweise phönizische Einwanderer nieder, welchen dann griechische aus Kleinasien folgten, wie die Sage von Amphion erzählt, der durch seine Leier die Steine herbeilockte. Amphion und Zethos erweiterten die Mauern und fügten sieben Tore hinzu, die das geflügelte Wort vom „siebentorigen Theben“ auslösten – im Gegensatz zum „hunderttorigen Theben“ in Ägypten, das Homer in der Ilias erwähnt. In der Blütezeit hatte der Ring einen Umfang von mehr als 7 km (15 km (?)). Die aus Thessalien stammenden Böoter verdrängten die ursprünglichen Einwohner der Stadt.

Zu dem Geschlecht der Kadmeionen gehörte auch der Sohn des Laios, Ödipus, der die Regierung seinen Söhnen Eteokles und Polyneikes mit der Bestimmung übergab, dass jeder abwechselnd je ein Jahr regieren sollte. Eteokles brach den Vertrag und veranlasste dadurch den berühmten Zug der Sieben gegen Theben, dem 20 Jahre später der Zug der Epigonen, d. h. der Söhne jener Sieben, folgte, welcher mit der Niederlage der Thebaner bei Glisas und der Zerstörung des alten Theben endete.

Mythische Könige[Bearbeiten]

Die ältesten Überlieferungen erwähnen als Herrscher im thebanischen Land Ogyges, König der Ektenen. Nach den Ektenen besiedelten die Hyanten und die Aonen die Gegend. Nach der Ankunft des Kadmos gründete dieser die Stadt Theben:

Neben den genannten taucht in der Mythologie auch Amphitryon als König von Theben auf. Nach Xanthos’ Herrschaft beendeten die Thebaner die Herrschaft eines Einzelnen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Beck: Polis und Koinon. Untersuchungen zur Geschichte und Struktur der griechischen Bundesstaaten im 4. Jahrhundert v. Chr. Stuttgart 1997.
  •  S. Deger-Jalkotzky, O. Panagl (Hrsg.): Die neuen Linear B-Texte aus Theben. Ihr Aufschlußwert für die Mykenische Sprache und Kultur. Akten des internationalen Forschungskolloquiums an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 5. und 6. Dezember 2002 (Veröffentlichungen der Mykenischen Kommission Band 23). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006.
  •  Michael Siebler: In Theben ging’s los. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 185, 11. August 2003, S. 31 ([1]).
  • Angela Kühr: Als Kadmos nach Boiotien kam. Polis und Ethnos im Spiegel thebanischer Gründungsmythen (Hermes. Einzelschrift Band 98), Stuttgart, Franz Steiner Verlag 2006, ISBN 978-3-515-08984-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thebes, Greece – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Birgitta Eder: Überlegungen zur politischen Geographie der mykenischen Welt, oder: Argumente für die Überregionale Bedeutung Mykenes in der spätbronzezeitlichen Ägäis in: Geographia Antiqua XVIII, 2009, S. 9, 24f.
  2. Stefan Hiller: Die frühgriechischen Texte aus mykenischer Zeit, Darmstadt 1978, S. 37ff.
  3. Pausanias 9,7,6.In: Perseus Digital Library.
  4. Joseph Fischer, Die Frühgeschichte Böotiens S. 27 (PDF; 214 kB)