Heterophonie

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Heterophonie (von altgriechisch ἕτερος héteros „anders, verschieden“ und φωνή phonē „Klang“) ist eine Musizierform zwischen Einstimmigkeit und einer ansatzweisen Mehrstimmigkeit. Alle singen bzw. spielen die gleiche Melodie. Die einzelnen Stimmen weichen aber in ihrer jeweiligen improvisatorischen Ausgestaltung und Verzierung mehr oder weniger stark von dieser Hauptmelodie ab.

Herkunft[Bearbeiten]

Der Begriff Heterophonie wurde 1901 von dem Musikwissenschaftler Carl Stumpf unter Berufung auf Platon eingeführt und stand bei ihm für eine besondere Form der spontanen Mehrstimmigkeit, bei der eine „in den Grundzügen identische Tonbewegung“ (Stumpf) von mehreren Spielern oder Sängern gleichzeitig, jedoch in den Details voneinander abweichend (in verschiedenen Varianten) dargeboten wird.

Verbreitung[Bearbeiten]

Heterophone Musizierpraktiken sind in der arabischen, persischen und türkischen Kunstmusik anzutreffen, im Jazz kommen sie einerseits in den Frühformen der Street Bands bzw. Marching Bands zum Einsatz, andererseits im Free Jazz, realisiert durch die bewusst und absichtsvoll zeitversetzte (phasenverschobene) Darbietung des Themas durch zwei Bläser. Auch im Irish Folk ist Heterophonie weit verbreitet: Da in der normalen Session in der Regel monophone (ggf. mit Unterlegung von Bordunen) Tunes gespielt werden, sorgt erst die Heterophonie für wahre Abwechslung und Unverwechselbarkeit einzelner Sessionmusiker.

Siehe auch[Bearbeiten]