Hilberts Satz 90

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Der mathematische Satz, den David Hilbert unter der Nummer 90 in seiner Theorie der algebraischen Zahlkörper aufführt und der seither diesen Namen trägt, macht eine Aussage über die Struktur bestimmter Körpererweiterungen.

Ursprüngliche Fassung[Bearbeiten]

Es sei L/K eine zyklische Galoiserweiterung und \sigma ein Erzeuger der zugehörigen Galoisgruppe. Dann ist jedes y\in L^\times mit Norm N_{L/K}(y)=1 von der Form

y=\frac{\sigma x}x

mit einem geeigneten x\in L^\times.

Galoiskohomologische Fassung[Bearbeiten]

E ist ein Körper, E/F eine galoissche Körpererweiterung und G = \text{Gal}(E/F). Dann folgt für die Galoiskohomologie:

H^1(G, E^\times) = 0

Algebraisch-geometrische Fassung[Bearbeiten]

Es sei X ein Schema. Dann ist

\mathrm H^1_{\mathrm{\acute et}}(X,\mathbb G_{\mathrm m})=\mathrm{Pic}\,X.

Anders ausgedrückt: Jedes étale-lokal triviale Geradenbündel ist bereits ein Zariski-Geradenbündel.

Hilbert 90 für motivische Kohomologie[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Fassung verallgemeinert sich in der motivischen Kohomologie zu \mathrm H^1(Y,\mathbb G_{\mathrm m}) \to^{1-\sigma} = H^1(Y,\mathbb G_{\mathrm m}) \to^{N_{X/Y}} H^1(X,\mathbb G_{\mathrm m}) für zyklische Galoisüberlagerungen Y/X mit Erzeuger Sigma. Für das Spektrum eines Körpers erhält man die ursprüngliche Fassung zurück.