Installierte Leistung

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Installierte Leistung ist ein Begriff aus der Elektrizitätswirtschaft. Er kennzeichnet die maximale Leistung (die Nennleistung) der in einem Kraftwerk installierten Generatoren bzw. die in einem Land oder einem Staat installierte Gesamtleistung aller Kraftwerke. Sie wird in der Einheit Watt und Vielfachen wie Megawatt (MW) oder Gigawatt (GW) angegeben.

Bedeutung[Bearbeiten]

Aus der installierten Leistung folgt – bei bekannter Nennspannung – die maximal erzeugte Stromstärke und damit der notwendige Querschnitt der Stromkabel bei der Installation der Anlage.

Manche Kraftwerke arbeiten nur stundenweise, deshalb muss zur Berechnung der erzeugten Energie auch die mittlere Einschaltdauer über einen längeren Zeitraum, meist ein Jahr, bekannt sein. Der auf diese Weise ermittelte realistische, durchschnittliche Ertrag wird als Regelarbeitsvermögen bezeichnet und ist maßgeblich für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Anlage. Als eine Energieeinheit wird er in diesem Zusammenhang üblicherweise in Wattstunden bzw. Vielfachen davon angegeben.

Den Quotienten Q aus der tatsächlich erzeugten Energie Eist und der aus der installierten Leistung bestimmten maximal möglichen Energieabgabe Emax bezeichnet man als Nutzungsgrad. Dieser Quotient Q liegt immer zwischen 0 % und 100 %:

Q = \frac{E_{ist}}{E_{max}}

Mitunter wird der Nutzungsgrad auch als Volllaststunden angegeben, welche im Abrechnungsintervall die Anzahl der Stunden unter der Annahme einer zeitlichen konstanten Leistungsabnahme mit dem Wert der installierten Leistung angeben.

Beispiel[Bearbeiten]

Gegeben sei eine Windkraftanlage mit einer Nennleistung von 2 MW, die während eines Jahres mit 8760 Stunden bei insgesamt 8000 Betriebsstunden 4,5 GWh an elektrischer Energie produziert.[1] Die in der Praxis nicht zu erreichende theoretisch maximale Jahresproduktion liegt bei 8760 h × 2 MW = 17,52 GWh. Aus dem prozentualen Anteil der Jahresproduktion an der theoretisch maximalen Erzeugung errechnet sich ein Kapazitätsfaktor von 25,68 % bzw. von 2250 Volllaststunden.

Einschränkungen[Bearbeiten]

Nur bei den in Grundlast laufenden Kraftwerken kann aus der installierten Leistung auf die energetische Jahresabgabe ins Netz (in GWh angegeben) geschlossen werden. Dabei müssen bei Wärmekraftwerken die anfallenden Eigenbedarfe in Höhe von fünf bis zehn Prozent und die Ausfälle durch Revisionen in Höhe von zehn bis fünfzehn Prozent berücksichtigt werden. Bei den in Grundlast laufenden Laufwasserkraftwerken müssen die Verluste durch wetterbedingte Niedrigwasserstände, Revisionsarbeiten oder Eisgang eingerechnet werden.

Bei Kraftwerken, die auf die Deckung von Spitzenlast ausgelegt sind, können aus der installierten Leistung keine Rückschlüsse auf die Dauerausbeute gezogen werden; manche davon werden pro Tag nur einige Minuten oder Stunden betrieben, andere könnten zwar technisch wesentlich mehr zur Grundlast beitragen, werden aber nur für die Spitzenlasten benötigt und zugeschaltet. Pumpspeicherkraftwerke benötigen zudem elektrische Leistung, um für den Spitzenbedarf „aufgeladen“ zu werden.

Installierte Leistung in Deutschland[Bearbeiten]

Im Folgenden ist die in Deutschland installierte Leistung (Bruttostromerzeugungskapazität) für das öffentliche Stromnetz aufgeführt sowie die relative Veränderung von 2000 bis 2012.[2]

Bruttostromerzeugungskapazität (in GW)[2]
Energieträger 2000 2009 2010 2011 2012 '00 - '12
Steinkohlen 32,3 29,0 30,2 30,2 29,8 -7,7%
Braunkohlen 21,8 22,4 22,7 24,9 24,2 +11,0%
Heizöl 7,5 5,2 5,9 6,4 4,2 -44,0%
Gase 22,3 23,1 23,8 23,9 26,4 +18,4%
Kernenergie 23,6 21,5 21,5 12,7 12,7 -46,2%
Wasser 9,0 10,3 10,4 10,6 10,4 +15,6%
Wind 6,1 25,8 27,2 29,1 31,3 >+100%
Photovoltaik 0,076 9,9 17,3 25,0 32,6 >+100%
Biomasse 0,5 4,3 4,8 5,3 6,2 >+100%
Sonstige 2,1 5,7 6,2 6,4 6,6 >+100%
Insgesamt 125,2 157,4 170,2 174,4 184,4 +47,3%

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2002 lag der Durchschnitt des deutschen Windkraftanlagenparks in der Nähe der deutschen Nordseeküste bei ca. 7500 Betriebsstunden pro Jahr, einzelne Anlagen erreichten bis 8000 Betriebsstunden. Beleg: Strom aus Windenergie an bis zu 8.000 Stunden pro Jahr. In: Innovations Report, 19. November 2002. Abgerufen am 15. Dezember 2012.
  2. a b Bundesministerium für Wirtschaft und Energie(BMWi): Zahlen und Fakten Energiedaten (Excel-Tabellenblatt 22), Stand: 3. März 2014