Janteloven

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Das Gesetz von Jante (dän./norw./: Janteloven, schwed.: Jantelagen) ist ein stehender Begriff, der auf Aksel Sandemoses (1899–1965) Roman Ein Flüchtling kreuzt seine Spur (En flyktning krysser sitt spor, 1933) zurückgeht. Darin beschreibt Sandemose das kleingeistige Milieu einer dänischen Kleinstadt namens Jante und den Anpassungsdruck, welchen Familie und soziales Umfeld auf einen heranreifenden Jungen ausüben.

Das Gesetz von Jante ist als Verhaltenskodex sozialer Spielregeln im skandinavischen Kulturraum verstanden worden. Seine nachhaltige Verankerung in der Öffentlichkeit verdankt der Kodex vermutlich seiner Ambivalenz: Von den einen wird er als – im Kern berechtigte – Begrenzung egoistischen Erfolgsstrebens positiv aufgefasst; andere sehen im Gesetz von Jante die Unterdrückung von Individualität und persönlicher Entfaltung festgeschrieben.

In einer anthropologischen Perspektive könnte Janteloven auf eine mögliche typisch skandinavische Selbstzügelung im gesellschaftlichen Miteinander hinweisen: An den Tag gelegte Bescheidenheit vermeidet Neid und sichert den Erfolg des Kollektivs.

Zehn Gebote[Bearbeiten]

Jantes Zehn Gebote auf einer Gedenktafel in Aksel Sandemoses Geburtsort Nykøbing/Mors.

Das Gesetz von Jante ist Moses Zehn Geboten nachgebildet; im sarkastischen Kontrast dazu sind die einzelnen Gebote aber nur Variationen der immer gleichen Botschaft:

  1. Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.
  2. Du sollst nicht glauben, dass du uns ebenbürtig bist.
  3. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
  4. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
  5. Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
  6. Du sollst nicht glauben, dass du mehr wert bist als wir.
  7. Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
  8. Du sollst nicht über uns lachen.
  9. Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
  10. Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Manchmal wird auch als 11. Gebot angeführt: Glaub nur nicht, dass wir nicht über dich Bescheid wissen.

Anregungen des Autors[Bearbeiten]

Aksel Sandemose wuchs im dänischen Nykøbing/Mors auf, nach dessen Vorbild der Autor die fiktive Stadt Jante gestaltete. Dazu äußerte er 1949 in einem Interview: "Jante und Nykøbing sind ein und dieselbe Stadt, solange es um das Stadtbild geht, die Natur, die Dinge ohne Leben. Die Menschen aber verweisen genauso gut auf Ribe oder Arendal." Im Vorwort der Ausgabe von 1955 schrieb Sandemose verschmitzt: "Es hat sich herausgestellt, dass viele Menschen in Jante ihren Heimatort wiedererkannt haben - insbesondere gilt dies für Leute aus Arendal, Kristiansund, Tromsø und Viborg".

„Jante“ ist im Dänischen ein kleines Geldstück, vergleichbar mit roter Heller oder Pfennig im Deutschen. Im „Gesetz von Jante“ klingt somit an, „was nur recht und billig“ ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aksel Sandemose: En flyktning krysser sitt spor. Aschehoug, Oslo 2005. ISBN 82-03-18914-8.
  • Carsten Levisen: Cultural Semantics and Social Cognition. A Case Study on the Danish Universe of Meaning, Berlin 2012. ISBN 978-3-11-029460-6. S. 145-164.