Janteloven

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Jantegesetz (norw./dän.: Janteloven, schwed.: Jantelagen) ist ein stehender Begriff für ein skandinavisches Verhaltensmuster.

Entwickelt hat es der dänisch-norwegische Autor Aksel Sandemose (1899–1965) in seinem Roman Ein Flüchtling kreuzt seine Spur (En flyktning krysser sitt spor) aus dem Jahr 1933. Sandemose wuchs im dänischen Nykøbing Mors auf, einem Ort, den er in seinem Roman Jante nannte. In seinem Roman porträtiert er diese kleine Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts: "Jante und Nykøbing sind ein und dieselbe Stadt, solange es um das Stadtbild geht, die Natur, die Dinge ohne Leben. Die Menschen aber verweisen genauso gut auf Ribe oder Arendal", sagte der Autor 1949 in einem Interview. Im Vorwort der Ausgabe von 1955 schreibt Sandemose: "Es hat sich herausgestellt, dass viele Menschen in Jante ihren Heimatort wiedererkannt haben - insbesondere gilt dies für Leute aus Arendal, Kristiansund, Tromsø und Viborg".

Gebote[Bearbeiten]

Janteloven als Gedenktafel

Obwohl das Gesetz den Zehn Geboten nachempfunden ist und aus 10 Regeln besteht, wird es oft als eine Einheit betrachtet:

  1. Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist.
  2. Du sollst nicht glauben, dass du uns ebenbürtig bist.
  3. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
  4. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
  5. Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
  6. Du sollst nicht glauben, dass du mehr wert bist als wir.
  7. Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
  8. Du sollst nicht über uns lachen.
  9. Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
  10. Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Manchmal wird auch noch als 11. Gebot angeführt: Glaub nur nicht, dass wir nicht über dich Bescheid wissen.

Der Ausdruck Janteloven bzw. Jantelagen ist in allen skandinavischen Ländern gebräuchlich und allgegenwärtig. Das Jantegesetz beschreibt die kulturellen und politischen Umgangsformen, nach denen es verpönt ist, sich selbst zu erhöhen oder sich als besser und klüger darzustellen als andere.

Eine Jante ist im Dänischen ein kleines Geldstück, vergleichbar mit dem Begriff Groschen im Deutschen. Das Jantegesetz ist also sozusagen das „Gesetz der recht und billig Denkenden“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sandemose, Aksel. En flyktning krysser sitt spor. Oslo: Aschehoug, 2005 (Erstausgabe 1933). ISBN 82-03-18914-8.
  • Koldau, Linda Maria: Jante Universitet. Band 1: Den skønne facade (Die schöne Fassade); Band 2: Uddannelseskatastrofen (Die Bildungskatastrophe); Band 3: Totalitære strukturer (Totalitäre Strukturen). Hamburg, Tredition, 2013. ISBN 978-3-8495-0351-2 (Band 1); ISBN 978-3-8495-0350-5 (Band 2); ISBN 978-3-8495-0266-9 (Band 3). In dänischer Sprache.
  • Koldau, Linda Maria (2013): Educational Disaster. The Destruction of Our Universities: The Danish Case. (gekürzte englische Ausgabe der Trilogie Jante Universitet mit den wichtigsten Analysen des dänischen Bildungssystems und einem Kapitel über die Jantelov-Mentalität an dänischen Universitäten). Hamburg: Tredition (in Vorbereitung). ISBN 978-3-8495-4936-7. In englischer Sprache.
  • Steffen, Juliane (2011): "Hjem til Jante" (Heim nach Jante), knappe Analyse der Mechanismen des Jantelov an dänischen Universitäten, veröffentlicht in: Linda Maria Koldau: Jante Universitet. Bind 2: Uddannelseskatastrofen. Hamburg: Tredition, 2013, S. 464-466. ISBN 978-3-8495-0350-5. In dänischer Sprache.
  • Webseite Jante Universitet http://janteuniversitet.wordpress.com/about/ (in englischer Sprache).