Kahler Krempling

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Kahler Krempling
Paxillus involutus 20061015w.jpg

Kahler Krempling (Paxillus involutus)

Systematik
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Dickröhrlingsartige (Boletales)
Unterordnung: Paxillineae
Familie: Kremplingsverwandte (Paxillaceae)
Gattung: Echte Kremplinge (Paxillus)
Art: Kahler Krempling
Wissenschaftlicher Name
Paxillus involutus
(Batsch) Fr.

Der Verkahlende oder kurz Kahle Krempling (Paxillus involutus) ist eine Pilzart aus der Familie der Kremplingsverwandten (Paxillaceae). Die Fruchtkörper haben einen ± braunen Hut mit einem zunächst stark eingerollten, filzigen, aber bald schon glatten Rand. Die bräunlich-gelben und am Grund querverbundenen Lamellen bräunen an Druckstellen, weshalb die Art auch Empfindlicher Krempling genannt wird[1]. Trotz seines lamellenförmigen Hymenophors gehört der Blätterpilz verwandtschaftlich zur Ordnung der Dickröhrlingsartigen (Boletales). Er lebt mit zahlreichen Laub- und Nadelbäumen in Symbiose (Ektomykorrhiza). Roh verzehrt wirkt der Pilz stark magen-darm-giftig und kann selbst gegart bei wiederholtem Genuss das Paxillus-Syndrom auslösen. In beiden Fällen kann ein schwerer Verlauf zum Tod des Konsumenten führen.

Merkmale[Bearbeiten]

Ausschnitt von der Hutunterseite mit den häufig querverbundenen Lamellen
Sporen des Kahlen Kremplings unter dem Lichtmikroskop
Myzelkultur des Kahlen Kremplings auf Kartoffel-Dextrose-Agar

Der Kahle Krempling bildet mittelgroße bis große, in Hut und Stiel gegliederte Fruchtkörper. Der Stiel steht meist zentral, kann aber manchmal auch leicht exzentrisch sitzen. Der 4–8 (–15) cm breite Hut ist jung konvex, wird im Laufe des Wachstums flacher und besitzt bei alten Exemplaren meist eine deutlich trichterartig vertiefte Mitte. Der Hut kann gelbbraun bis umberbraun gefärbt sein, er ist in jungem Zustand filzig, verkahlt aber mit der Zeit und wird dann etwas glänzend. Der Hutrand bleibt feinfilzig, er ist auch bei alten Fruchtkörpern eingerollt und wird bei feuchter Witterung etwas schmierig bis schwach schleimig. Die Lamellen lassen sich wie die Röhrenschicht von Röhrlingen leicht vom Hutfleisch trennen, laufen weit am Stiel herab und sind teilweise gegabelt. Sie sind zunächst ockergelblich gefärbt, bei älteren Pilzen olivocker bis olivbraun werdend. Auf Druck verfärben sich die Lamellen sofort braun, die Flecken verfärben sich weiter zu schwarzbraun. Der Stiel ist zylindrisch, zur Basis zu manchmal etwas verdickt, er wird 3-8 cm lang und 0,5 bis 2 cm stark und ist häufig etwas verbogen. Die Stielfarbe ist ockerlich graubraun mit einer rotbraunen Überfaserung in Längsrichtung. Auch der Stiel verfärbt sich auf Druck braun. Das weiche Fleisch ist hellbräunlich und läuft im Schnitt dunkel an.

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Der Kahle Krempling ist ein Mykorrhizapilz, der mit einem breiten Spektrum an Nadel- und Laubbäumen eine Symbiose eingehen kann. Wichtige mitteleuropäische Partner sind Gemeine Fichte, Hänge-Birke, Rotbuche, Hainbuche und Waldkiefer, daneben auch weitere Baumarten. Außerhalb von Wäldern sind Hänge-Birke und Hainbuche die bevorzugten Partnerbäume. Der Kahle Krempling kommt in verschiedenen Waldgesellschaften vor, daneben in Gärten und Parks, auch in Mooren, sowie an Wald und Wegrändern. Er bevorzugt saure frische bis feuchte Böden, kann aber auch auf neutralem und basischem Untergrund wachsen, auch trockene und nasse Standorte werden toleriert. Die Fruchtkörper erscheinen in Mitteleuropa vom Frühsommer bis zu den ersten Nachtfrösten, die Hauptfruktifikation findet von August bis Oktober statt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Kahle Krempling kommt von der mediterranen bis zur borealen Zone in Europa, Nordasien, Nordafrika, Nordamerika und Australien vor. Die Vorkommen in Neuseeland gehen vermutlich auf Einschleppung zurück. In Deutschland kommt der Kahle Krempling überall häufig vor, seine Bestände sind nicht gefährdet.

Bedeutung und Toxizität[Bearbeiten]

Der Kahle Krempling ist giftig, wurde früher allerdings als essbar angesehen. Der Genuss von rohen Kremplingen kann zu einer schweren, teils tödlichen Gastroenteritis führen. Durch das ausgiebige Erhitzen werden zwar im rohen Pilz enthaltene Gifte (u. a. Hämolysine und Hämagglutinine) zerstört, eine aber mindestens eben so große Gefahr geht von einem im Pilz enthaltenen Allergen aus, das im Blut zu einer Antikörperbildung führt und das Paxillus-Syndrom auslösen kann. Hierbei vereinigen sich die Antigene des Pilzes mit den Antikörpern zu einem Antigen-Antikörper-Komplex, der sich auf den roten Blutkörperchen auflagert und diese auflöst, was im schlimmsten Falle zum Tode führen kann. Dieses Syndrom tritt zumeist erst nach mehrmaligem Verzehr dieser Pilzart auf, manchmal erst nach Jahren, weswegen der Pilz früher auch für essbar gehalten wurde.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  René Flammer, Egon Horak: Giftpilze – Pilzgifte. Pilzvergiftungen. Ein Nachschlagewerk für Ärzte, Apotheker, Biologen, Mykologen, Pilzexperten und Pilzsammler. Schwabe, Basel (CH) 2003, ISBN 978-3-7965-2008-2 (204 Seiten).
  •  Lutz Roth, Hanns Frank, Kurt Kormann: Giftpilze, Pilzgifte. Nikol, Hamburg, ISBN 978-3-933203-42-7 (328 Seiten; Schimmelpilze – Mykotoxine – Vorkommen – Inhaltsstoffe – Pilzallergien – Nahrungsmittelvergiftungen).
  •  Josef Breitenbach, Fred Kränzlin: Pilze der Schweiz. Röhrlinge und Blätterpilze 1. Teil. Bd. 3, Mykologia, Luzern (CH) 1991, ISBN 3-85604-030-7 (362 Seiten; 450 Arten mit Beschreibungen, Standorts- und Fundangaben, Mikrozeichnungen und Farbbildern).

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1.  Bruno Hennig, Hanns Kreisel, Edmund Michael: Die wichtigsten und häufigsten Pilze mit besonderer Berücksichtigung der Giftpilze. In: Handbuch für Pilzfreunde. 5. Auflage. 1, VEB Gustav Fischer, Jena 1983, S. 312.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paxillus involutus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien