Katzenklavier

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aus La Nature, 1883
aus G. Schott, Magia Naturalis

Ein Katzenklavier oder Katzenorgel ist ein fiktives Musikinstrument, das vermutlich von Athanasius Kircher erdacht wurde. Ursprünglich handelte es sich bei diesem „Instrument“ wohl um eine Satire.

Es wird nie existiert haben.[1] So ist äußerst fragwürdig, dass eine Katze in einer bestimmten Tonhöhe miaut. Zudem zeigen Illustrationen deutlich mehr Tasten als Katzen.

Details[Bearbeiten]

Das Katzenklavier sollte aus einer Reihe von in einem Gestell fixierten Katzen bestehen, deren Schwänze unter einer Klaviatur festgebunden sind. Unten an jeder Taste ist ein Nagel befestigt, wodurch die Katzen verzweifelt miauen, wenn die Tasten gedrückt werden. Die Katzen werden nach ihrer natürlichen Tonlage angeordnet. Das Geschrei der Katzen wurde auch „Katzenmusik“ genannt.

Der Zweck des Instruments war laut einer Beschreibung von Johann Christian Reil (1759–1813) die Behandlung von Patienten, denen es schwerfällt, sich zu konzentrieren. Reil glaubte, dass die Aufmerksamkeit eines Patienten, der dazu gezwungen wird, das Katzenklavier zu sehen und zu hören, zwangsläufig auf das Instrument gerichtet wird und er somit geheilt ist (Richards, 1998).

aus J-B. Weckerlin, Musiciana

Das Katzenklavier wurde zudem vom französischen Schriftsteller Jean-Baptiste Weckerlin in seinem Buch Musiciana, extraits d’ouvrages rare ou bizarre (Musiciana, Beschreibungen seltener oder bizarrer Erfindungen) beschrieben:

„Als der König von Spanien Felipe II seinen Bruder Karl V. 1549 in Brüssel besuchte, freuten sie sich gemeinsam ob eines einzigartigen Aufmarsches. Zuvorderst schritt ein gewaltiger Bulle mit brennenden Hörnern, zwischen denen ein kleiner Teufel saß. Hinter dem Bullen ritt ein Junge genäht in ein Bärenfell auf einem Pferd, dessen Ohren und Schwanz abgeschnitten worden waren. Danach kam der Erzengel Michael in strahlender Kleidung und trug ein Waage in seiner Hand.“

„Das sonderbarste kam mit einem Triumphwagen, der die außergewöhnlichste Musik mit sich trug, die man sich vorstellen kann. Auf ihm stand ein Bär, der eine Orgel spielte; statt Pfeifen jedoch sah man sechzehn Katzen, ihr Körper verborgen, nur die Köpfe waren sichtbar. Die Schwänze streckten heraus und wurden festgehalten wie die Saiten eines Pianos. Durch einen Tastendruck wurde hart am Schwanz gezogen, wodurch die Katze ein klägliches Miau von sich gab. Der Historiker Juan Christoval Calvete schrieb, dass die Katzen nach der Höhe ihres Tones angeordnet waren, sodass aufsteigend Noten einer Oktave gespielt werden konnten (chromatisch, denke ich).“

„Dies abscheuliche Orchester stand bald in einem Theater zusammen mit Affen, Wölfen, Wild und anderen Tieren, die zu der infernalischen Musik tanzten.“

Weckerlin: S. 349

Ähnliche „Musikinstrumente“[Bearbeiten]

Ein weiteres Beispiel für die angebliche Verwendung von Tieren zur musikalischen Tonerzeugung ist Abbé de Baignes Schweineorgel.

Im Sketch “Musical Mice” („Musikalische Mäuse“) der britischen Komikertruppe Monty Python dienten nach ihrer Tonlage angeordnete, mit einem Holzhammer angeschlagene Mäuse als „Mäuseorgel“. Dieser Sketch war sowohl in der Fernsehserie Monty Python’s Flying Circus, als auch im Kinofilm Monty Python’s And Now for Something Completely Different („Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft“) zu sehen.

In der Fernsehserie Die Muppet Show trat regelmäßig die Puppe „Marvin E. Suggs“ mit zu „Stabspielen“ aufgereihten Kreaturen auf, die auf jeden Schlag mit „au“ in jeweils eigener Tonhöhe reagierten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vanessa Agnew: Enlightenment Orpheus: the power of music in other worlds, Oxford 2008, S. 157f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Athanasius Kircher. Musurgia Universalis. 2 Bände. Corbelletti, Rom 1650 (4. Nachdruck: Olms, Hildesheim u. a. 2006).
  • Juan Christoval Calvete de Estrella: El Felicissimo Viaje d'el Muy Alto y Muy poderoso Principe Don Phelippe. Nucio, Antwerp 1552 (Auch: Paloma Cuenca (Hrsg.). Sociedad Estatal para la Conmemoración de los Centenarios de Felipe II y Carlos V, Madrid 2001, ISBN 84-95146-69-X (Colección Fuentes)).
  • Gaspar Schott. Magiae Universalis Naturae. Pars 2: Acustica. Schönwetter u. a., Frankfurt am Main u. a. 1657.
  • Champfleury (d. i.: Jules François Félix Husson): Les Chats. 5. édition, augumentée de planches en couleur et d'eaux-fortes. J. Rothschild, Paris 1870.
  • Es ist eine Katzenmusik. In: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Band 2: Gott bis Lehren.. Brockhaus, Leipzig 1870, Sp. 1212–1213.
  • J.-B. Weckerlin: Musiciana. Extraits d’ouvrages rares ou bizarre anecdotes, lettres, etc. concernant la musique et les musiciens avec figures et airs notés. Garnier Frères, Paris 1877.
  • Robert J. Richards: Rhapsodies on a Cat-Piano, or Johann Christian Reil and the Foundations of Romantic Psychiatry. In: Critical Inquiry. 24, 3, Spring 1998, ISSN 0093-1896, S. 700–736. JSTOR

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Katzen-Orgel – Quellen und Volltexte
  • The Cat Piano Trickfilm nach einem Gedicht von Eddie White (englisch)