Klazomenische Sarkophage

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Klazomenischer Sarkophag in Berlin, Antikensammlung Inv. 30030, um 515/10, aus Klazomenai
Detail der Kopfleiste mit homoerotischer Szene aristokratischer Jünglinge

Klazomenische Sarkophage sind eine Form antiker griechischer Ton-Sarkophage.

Klazomenische Sarkophage wurden nach der ionisch-griechischen Stadt Klazomenai benannt, in der man, abgesehen von Smyrna, die meisten dieser Sarkophage fand. Eine geringe Anzahl fand sich auf Rhodos, Samos und Lesbos sowie in Ephesos. Vermutlich wurden die Sarkophage in Klazomenai produziert. Sie werden von 550 (Spätarchaik) bis 470 v. Chr. (Frühklassik) datiert. Sie bestehen aus groben Ton in braunen bis rosa Farbtönen. Auf dem Sarkophag ist ein rechteckiger breiter Rahmen angebracht, der mit einem weißlichen Überzog versehen und bemalt wurde.

Klazomenischer Sarkophag in Berlin, Antikensammlung Inv. 4824

Die großen Tonsarkophage wurden in einem Stück gefertigt und gebrannt. Die Werkstätten befanden sich wohl in der Nähe der Nekropolen. Die Brennöfen wurden offenbar um die Rohlinge gebaut, die an Ort und Stelle gebrannt wurden. Es ist aufgrund der langen Herstellungszeit nicht davon auszugehen, dass die Sarkophage nach dem Tode des zu Bestattenden in Auftrag gegeben wurden, sondern dass sie entweder zu Lebzeiten erworben oder auf Vorrat produziert wurden. Die etwa 350 Kilogramm schweren Särge mussten danach nur noch eine kurze Strecke zur Ruhestätte des Verstorbenen gebracht werden. Dieser wurde am Tag nach seinem Tod im Trauerzug dorthin getragen und in den Sarkophag gelegt, der bereits bis auf den Rand, der aus dem Boden heraus ragte, im Boden versenkt war. Deshalb sind die Wannen auch höchstens mit einem Verzierungsstreifen bemalt. Danach wurden die Sarkophage mit einer Steinplatte abgedeckt. Nach der Zeremonie wurde ein Erdhügel aufgehäuft.

In den ersten, etwa 20 Jahren wurden die Sarkophage nur mit Ornamenten verziert. Danach zeigen sie im Kopf- und Fußbereich auch figürliche Darstellungen. In den Kopfleisten, die höher als die Fußleisten sind, wurden meist Jagd-, Kampf- und Wettkampfszenen, im schwarzfigurigen Stil ausgeführt. Ein kleiner Teil wurde im attisch-rotfigurigen Stil ausgeführt. Details wurden nicht geritzt, sondern mit weißer Farbe aufgemalt. Von diesen Binnenzeichnungen sind nur selten Reste erhalten, weshalb die Bilder wie Schattenrisse wirken. Die Bilder nehmen oft Bezug auf die Vorstellungswelt und die Ideale der lokalen Oberschicht. Die Fußleisten wurden meist Tierkampfbilder in Umrisszeichnungen dargestellt. Sie orientieren sich am späten Tierfriesstil. Häufig anzutreffende Ornamente auf den Seitenleisten sind Palmetten und Kabelmuster. Einer der frühesten erkennbaren Maler ist der Borelli-Maler. Ebenfalls erkannt wurde ein Maler, der mit dem Notnamen Albertinum-Maler benannt wurde, und der spät zu datierende Hopkinson-Maler.

In Museen finden sich heute meist nur noch die Rahmen der Sarkophage, von denen die Wannen nach dem Auffinden abgeschlagen wurden, um den Transport zu erleichtern; zudem maß man nur den bemalten Teilen einen Wert bei.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]